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  • Einführung
  • Die Idee in einem Satz
  • 3 Typen ganzzahliger Programme
  • LP-Relaxation: warum nicht einfach runden?
  • Integrality Gap
  • Wann taucht IP auf?
  • Klassische 0-1-IP-Probleme
  • Komplexität
  • Lösungsverfahren
  • Klausur-Faustregeln
  • Häufige Stolpersteine
ThemenBusiness AnalyticsGanzzahlige Programmierung
Business Analytics·4Lerneinheiten·22min·Stand17.07.2026

Ganzzahlige Programmierung.

Ganzzahlige Programmierung (IP)

Wenn Variablen ganzzahlig sein müssen, wird LP zum IP, und plötzlich ist das Problem NP-schwer. 8/8 OR-Klausuren behandeln das Thema.

Ganzzahlige Programmierung (Integer Programming, IP): Eine lineare Optimierung, bei der die Variablen ganzzahlig sein müssen (statt beliebig reell).

TypVariablenBeispiel
Reines IPAlle xi∈Zx_i \in \mathbb{Z}xi​∈ZAnzahl Maschinen, Anzahl Mitarbeiter
Gemischt-ganzzahliges IP (MIP)Manche xi∈Zx_i \in \mathbb{Z}xi​∈Z, andere reellMengen-Variablen + Setup-Kosten
0-1-IP (binär)xi∈{0,1}x_i \in \{0, 1\}xi​∈{0,1}Ja/Nein-Entscheidungen, Zuordnung

0-1-IP ist der wichtigste Spezialfall, Klausur-Klassiker.

LP-Relaxation: Lass die Ganzzahligkeits-Bedingung weg, löse das LP. Dann hast du eine kontinuierliche Lösung xi∗x_i^*xi∗​, oft NICHT ganzzahlig (z.B. x1∗=3.75x_1^* = 3.75x1∗​=3.75).

Naive Idee: Runde die LP-Lösung auf nächsten ganzen Wert.

Problem: Das funktioniert SELTEN. Drei Fallen:

  1. Rundung kann unzulässig sein. LP-Lösung (3.75,1.25)(3.75, 1.25)(3.75,1.25) → aufrunden auf (4,2)(4, 2)(4,2) verletzt vielleicht Restriktionen.
  2. Rundung kann suboptimal sein. Das IP-Optimum kann an einem GITTERPUNKT liegen, der weit von der LP-Lösung entfernt ist.
  3. Es gibt 2n2^n2n Rundungs-Möglichkeiten. Bei 30 Variablen schon 1 Mrd Kombinationen.

Daher: Eigene Algorithmen für IP. Standard: Branch & Bound (siehe eigenes Topic).

Integrality Gap: Differenz zwischen LP-Relaxation-Optimum und IP-Optimum.

Gap=zLP∗−zIP∗(bei max)\text{Gap} = z_{\text{LP}}^* - z_{\text{IP}}^* \quad (\text{bei max})Gap=zLP∗​−zIP∗​(bei max)

Eigenschaften:

  • Bei Maximierung: zLP∗≥zIP∗z_{\text{LP}}^* \ge z_{\text{IP}}^*zLP∗​≥zIP∗​ (LP ist immer mindestens so gut)
  • Kleine Gap → LP-Relaxation gibt gute Schätzung
  • Große Gap → schwierigeres IP-Problem

LP-Relaxation liefert immer eine obere Schranke für IP (bei max) → wichtig für Branch & Bound.

1. Diskrete Entscheidungen

Anzahl Maschinen, Mitarbeiter, Fahrzeuge, alles ganze Zahlen.

2. Ja/Nein-Entscheidungen (0-1-IP)

"Soll Projekt jjj durchgeführt werden?" → xj∈{0,1}x_j \in \{0, 1\}xj​∈{0,1} "Wird Standort iii eröffnet?" → yi∈{0,1}y_i \in \{0, 1\}yi​∈{0,1} "Bekommt Person iii Aufgabe jjj?" → xij∈{0,1}x_{ij} \in \{0, 1\}xij​∈{0,1}

3. Logische Verknüpfungen via Big-M-Methode

"Wenn Maschine läuft, MUSS Setup-Kosten anfallen" "Wenn Bestellung > 0, dann mindestens 10 Stück"

Formulierung mit binärer Variable y∈{0,1}y \in \{0, 1\}y∈{0,1} und großer Konstante MMM:

x≤M⋅yx \le M \cdot yx≤M⋅y

→ Wenn y=0y = 0y=0, dann x≤0x \le 0x≤0 (also x=0x = 0x=0). Wenn y=1y = 1y=1, dann x≤Mx \le Mx≤M (frei).

4. Disjunktive Restriktionen ("entweder-oder")

"Entweder Restriktion A oder Restriktion B muss erfüllt sein."

Formulierung:

aATx≤bA+M(1−y)undaBTx≤bB+Mymit y∈{0,1}a_A^T x \le b_A + M(1 - y) \quad \text{und} \quad a_B^T x \le b_B + My \quad \text{mit } y \in \{0, 1\}aAT​x≤bA​+M(1−y)undaBT​x≤bB​+Mymit y∈{0,1}

Knapsack-Problem (Rucksack)

Wähle Gegenstände mit max. Wert, ohne Gewichts-Grenze zu überschreiten.

max⁡  ∑jvjxjs.t.  ∑jwjxj≤W,  xj∈{0,1}\max\;\sum_j v_j x_j \quad \text{s.t.} \;\sum_j w_j x_j \le W, \;x_j \in \{0, 1\}maxj∑​vj​xj​s.t.j∑​wj​xj​≤W,xj​∈{0,1}

NP-schwer, aber gut studiert. Greedy-Approximation: nach Wert/Gewicht sortieren.

Set-Covering-Problem

Wähle eine Menge von Standorten, die jede Region mindestens 1× abdecken.

Anwendung: Feuerwehr-Standorte, WLAN-Hotspots, Lager-Standorte.

TSP, Travelling Salesman Problem

Finde die kürzeste Rundreise durch nnn Städte.

min⁡  ∑ijcijxij,xij∈{0,1}\min\;\sum_{ij} c_{ij} x_{ij}, \quad x_{ij} \in \{0, 1\}minij∑​cij​xij​,xij​∈{0,1}

Mit zusätzlichen Subtour-Eliminations-Restriktionen. Klassisches NP-schweres Problem.

Assignment-Problem (Zuordnung)

Ordne nnn Personen nnn Aufgaben zu, jede Person genau eine, minimiere Gesamtkosten.

min⁡  ∑ijcijxij,xij∈{0,1}\min\;\sum_{ij} c_{ij} x_{ij}, \quad x_{ij} \in \{0, 1\}minij∑​cij​xij​,xij​∈{0,1}

mit ∑jxij=1  ∀i\sum_j x_{ij} = 1\;\forall i∑j​xij​=1∀i und ∑ixij=1  ∀j\sum_i x_{ij} = 1\;\forall j∑i​xij​=1∀j.

Spezialfall: LP-Relaxation ist hier exakt, Lösung ist automatisch ganzzahlig. Lösbar mit Hungarian Algorithm in O(n3)O(n^3)O(n3).

ProblemKomplexität
LP (kontinuierlich)polynomial (Simplex praktisch schnell, Karmarkar's Algorithmus theoretisch polynomial)
Allgemeines IPNP-schwer
0-1-IPNP-schwer (sogar das Knapsack-Entscheidungs-Problem ist NP-vollständig)
Assignment-Problempolynomial (O(n3)O(n^3)O(n3) via Hungarian)
TSPNP-schwer
VerfahrenWann?
Branch & BoundAllgemeines IP, exakte Lösung
Branch & CutKombination mit Schnittebenen (Gomory-Cuts)
HeuristikenSchnelle Näherungs-Lösung (Greedy, lokale Suche, Genetic)
Spezial-AlgorithmenAssignment (Hungarian), Matching, MinCost-Flow
MIP-SolverCPLEX, Gurobi, GLPK (Open Source)

1. IP-Relaxation gibt OBERE Schranke (bei max). Wichtig für Branch & Bound und Bounds-Argumente.

2. Rundung der LP-Lösung ist KEIN gültiger IP-Algorithmus. Resultat kann unzulässig oder weit vom Optimum entfernt sein.

3. 0-1-IP ist wichtigster Spezialfall. Klausur-Beispiele: Knapsack, Assignment, Set Cover, Standort-Auswahl.

4. Big-M-Methode für logische Verknüpfungen. x≤M⋅yx \le M \cdot yx≤M⋅y koppelt xxx an binäre Entscheidung yyy.

5. NP-Schwere bedeutet exponentielle Worst-Case-Laufzeit. In der Praxis lösen MIP-Solver (Gurobi, CPLEX) erstaunlich große Instanzen.

6. Assignment ist Spezialfall: LP-Relaxation ist exakt, kein Branch & Bound nötig.

1. LP-Lösung einfach runden. Falsch. Ergebnis kann unzulässig (zu viel Material) oder suboptimal sein. IMMER mit Branch & Bound oder spezial-Algorithmus.

2. 'IP-Optimum ≤ LP-Optimum' bei min vergessen. Bei MIN-Problemen gilt zLP∗≤zIP∗z_{\text{LP}}^* \le z_{\text{IP}}^*zLP∗​≤zIP∗​. Bei MAX gilt zLP∗≥zIP∗z_{\text{LP}}^* \ge z_{\text{IP}}^*zLP∗​≥zIP∗​. Klausur-Falle.

3. Big-M zu klein wählen. Wenn MMM zu klein gewählt wird, ist die Restriktion x≤M⋅yx \le M \cdot yx≤M⋅y aktiv selbst wenn y=1y = 1y=1, verzerrt das LP. MMM muss > obere Schranke von xxx sein.

4. Assignment-Problem mit Branch & Bound lösen. Unnötig kompliziert, LP-Relaxation reicht (oder Hungarian Algorithm).

5. NP-schwer ≠ unlösbar. Real-world MIP-Solver lösen Instanzen mit Mio Variablen. NP-Schwere ist eine Worst-Case-Aussage.

6. Ganzzahlig vs. nichtnegativ verwechseln. x∈Z+x \in \mathbb{Z}_+x∈Z+​ heißt: ganzzahlig UND nichtnegativ. x∈Zx \in \mathbb{Z}x∈Z ohne Index heißt: nur ganzzahlig, kann negativ sein.

3 Beispiel-Probleme (Rucksack / Produktions-Mix / Binäre Projekt-Auswahl) zeigen den Unterschied zwischen LP-Relaxation (kontinuierliche Lösung) und IP-Optimum (Gitterpunkt).

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Klausur-Tipp: Bei "Lösen Sie das IP" IMMER LP-Relaxation als obere/untere Schranke berechnen. Dann zeigen, dass naive Rundung fehlschlägt + nächstes Gitterpunkt-Argument. So sichert man Teilpunkte selbst ohne Branch & Bound durchgerechnet zu haben.

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Inhalt dieser Übersicht

  1. Erklärung(Erklärung)
  2. Interaktiv verstehen(Visualisierung / Interaktiv)
  3. Praxis-Übung(Quiz / Klausurfragen)
  4. Klausur-Quiz(Quiz / Klausurfragen)
Teil 1·Erklärung

Erklärung

Ganzzahlige Programmierung (IP)

Wenn Variablen ganzzahlig sein müssen, wird LP zum IP, und plötzlich ist das Problem NP-schwer. 8/8 OR-Klausuren behandeln das Thema.

Die Idee in einem Satz

Ganzzahlige Programmierung (Integer Programming, IP): Eine lineare Optimierung, bei der die Variablen ganzzahlig sein müssen (statt beliebig reell).

3 Typen ganzzahliger Programme

TypVariablenBeispiel
Reines IPAlle x_i ∈ ℤAnzahl Maschinen, Anzahl Mitarbeiter
Gemischt-ganzzahliges IP (MIP)Manche x_i ∈ ℤ, andere reellMengen-Variablen + Setup-Kosten
0-1-IP (binär)x_i ∈ \0, 1\Ja/Nein-Entscheidungen, Zuordnung

0-1-IP ist der wichtigste Spezialfall, Klausur-Klassiker.

LP-Relaxation: warum nicht einfach runden?

LP-Relaxation: Lass die Ganzzahligkeits-Bedingung weg, löse das LP. Dann hast du eine kontinuierliche Lösung x_i^*, oft NICHT ganzzahlig (z.B. x₁^* = 3.75).

Naive Idee: Runde die LP-Lösung auf nächsten ganzen Wert.

Problem: Das funktioniert SELTEN. Drei Fallen:

  1. Rundung kann unzulässig sein. LP-Lösung (3.75, 1.25) → aufrunden auf (4, 2) verletzt vielleicht Restriktionen.
  2. Rundung kann suboptimal sein. Das IP-Optimum kann an einem GITTERPUNKT liegen, der weit von der LP-Lösung entfernt ist.
  3. Es gibt 2ⁿ Rundungs-Möglichkeiten. Bei 30 Variablen schon 1 Mrd Kombinationen.

Daher: Eigene Algorithmen für IP. Standard: Branch & Bound (siehe eigenes Topic).

Integrality Gap

Integrality Gap: Differenz zwischen LP-Relaxation-Optimum und IP-Optimum.

Gap = z_(LP)^* - z_(IP)^* (bei max)

Eigenschaften:

  • Bei Maximierung: z_(LP)^* ≥ z_(IP)^* (LP ist immer mindestens so gut)
  • Kleine Gap → LP-Relaxation gibt gute Schätzung
  • Große Gap → schwierigeres IP-Problem

LP-Relaxation liefert immer eine obere Schranke für IP (bei max) → wichtig für Branch & Bound.

Wann taucht IP auf?

1. Diskrete Entscheidungen

Anzahl Maschinen, Mitarbeiter, Fahrzeuge, alles ganze Zahlen.

2. Ja/Nein-Entscheidungen (0-1-IP)

"Soll Projekt j durchgeführt werden?" → x_j ∈ \0, 1\ "Wird Standort i eröffnet?" → y_i ∈ \0, 1\ "Bekommt Person i Aufgabe j?" → x_(ij) ∈ \0, 1\

3. Logische Verknüpfungen via Big-M-Methode

"Wenn Maschine läuft, MUSS Setup-Kosten anfallen" "Wenn Bestellung > 0, dann mindestens 10 Stück"

Formulierung mit binärer Variable y ∈ \0, 1\ und großer Konstante M:

x ≤ M · y

→ Wenn y = 0, dann x ≤ 0 (also x = 0). Wenn y = 1, dann x ≤ M (frei).

4. Disjunktive Restriktionen ("entweder-oder")

"Entweder Restriktion A oder Restriktion B muss erfüllt sein."

Formulierung: a_A^T x ≤ b_A + M(1 - y) und a_B^T x ≤ b_B + My mit y ∈ \0, 1\

Klassische 0-1-IP-Probleme

Knapsack-Problem (Rucksack)

Wähle Gegenstände mit max. Wert, ohne Gewichts-Grenze zu überschreiten.

max Σ_j v_j x_j s.t. Σ_j w_j x_j ≤ W, x_j ∈ \0, 1\

NP-schwer, aber gut studiert. Greedy-Approximation: nach Wert/Gewicht sortieren.

Set-Covering-Problem

Wähle eine Menge von Standorten, die jede Region mindestens 1× abdecken.

Anwendung: Feuerwehr-Standorte, WLAN-Hotspots, Lager-Standorte.

TSP, Travelling Salesman Problem

Finde die kürzeste Rundreise durch n Städte.

min Σ_(ij) c_(ij) x_(ij), x_(ij) ∈ \0, 1\

Mit zusätzlichen Subtour-Eliminations-Restriktionen. Klassisches NP-schweres Problem.

Assignment-Problem (Zuordnung)

Ordne n Personen n Aufgaben zu, jede Person genau eine, minimiere Gesamtkosten.

min Σ_(ij) c_(ij) x_(ij), x_(ij) ∈ \0, 1\

mit Σ_j x_(ij) = 1 ∀ i und Σ_i x_(ij) = 1 ∀ j.

Spezialfall: LP-Relaxation ist hier exakt, Lösung ist automatisch ganzzahlig. Lösbar mit Hungarian Algorithm in O(n³).

Komplexität

ProblemKomplexität
LP (kontinuierlich)polynomial (Simplex praktisch schnell, Karmarkar's Algorithmus theoretisch polynomial)
Allgemeines IPNP-schwer
0-1-IPNP-schwer (sogar das Knapsack-Entscheidungs-Problem ist NP-vollständig)
Assignment-Problempolynomial (O(n³) via Hungarian)
TSPNP-schwer

Lösungsverfahren

VerfahrenWann?
Branch & BoundAllgemeines IP, exakte Lösung
Branch & CutKombination mit Schnittebenen (Gomory-Cuts)
HeuristikenSchnelle Näherungs-Lösung (Greedy, lokale Suche, Genetic)
Spezial-AlgorithmenAssignment (Hungarian), Matching, MinCost-Flow
MIP-SolverCPLEX, Gurobi, GLPK (Open Source)

Klausur-Faustregeln

1. IP-Relaxation gibt OBERE Schranke (bei max). Wichtig für Branch & Bound und Bounds-Argumente.

2. Rundung der LP-Lösung ist KEIN gültiger IP-Algorithmus. Resultat kann unzulässig oder weit vom Optimum entfernt sein.

3. 0-1-IP ist wichtigster Spezialfall. Klausur-Beispiele: Knapsack, Assignment, Set Cover, Standort-Auswahl.

4. Big-M-Methode für logische Verknüpfungen. x ≤ M · y koppelt x an binäre Entscheidung y.

5. NP-Schwere bedeutet exponentielle Worst-Case-Laufzeit. In der Praxis lösen MIP-Solver (Gurobi, CPLEX) erstaunlich große Instanzen.

6. Assignment ist Spezialfall: LP-Relaxation ist exakt, kein Branch & Bound nötig.

Häufige Stolpersteine

1. LP-Lösung einfach runden. Falsch. Ergebnis kann unzulässig (zu viel Material) oder suboptimal sein. IMMER mit Branch & Bound oder spezial-Algorithmus.

2. 'IP-Optimum ≤ LP-Optimum' bei min vergessen. Bei MIN-Problemen gilt z_(LP)^* ≤ z_(IP)^*. Bei MAX gilt z_(LP)^* ≥ z_(IP)^*. Klausur-Falle.

3. Big-M zu klein wählen. Wenn M zu klein gewählt wird, ist die Restriktion x ≤ M · y aktiv selbst wenn y = 1, verzerrt das LP. M muss > obere Schranke von x sein.

4. Assignment-Problem mit Branch & Bound lösen. Unnötig kompliziert, LP-Relaxation reicht (oder Hungarian Algorithm).

5. NP-schwer ≠ unlösbar. Real-world MIP-Solver lösen Instanzen mit Mio Variablen. NP-Schwere ist eine Worst-Case-Aussage.

6. Ganzzahlig vs. nichtnegativ verwechseln. x ∈ ℤ₊ heißt: ganzzahlig UND nichtnegativ. x ∈ ℤ ohne Index heißt: nur ganzzahlig, kann negativ sein.

Teil 2·Visualisierung / Interaktiv

Interaktiv verstehen

IP vs. LP-Relaxation visualisiert

3 Beispiel-Probleme (Rucksack / Produktions-Mix / Binäre Projekt-Auswahl) zeigen den Unterschied zwischen LP-Relaxation (kontinuierliche Lösung) und IP-Optimum (Gitterpunkt).

Interaktive Visualisierung

Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.

Klausur-Tipp: Bei "Lösen Sie das IP" IMMER LP-Relaxation als obere/untere Schranke berechnen. Dann zeigen, dass naive Rundung fehlschlägt + nächstes Gitterpunkt-Argument. So sichert man Teilpunkte selbst ohne Branch & Bound durchgerechnet zu haben.

Teil 3·Quiz / Klausurfragen

Praxis-Übung

Ganzzahlige Programmierung, Praxis-Übung

6 Aufgaben zu IP-Typen, LP-Relaxation, Big-M und Komplexität.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Was unterscheidet ein IP (Integer Program) von einem LP (Linear Program)?

Antwort: IP-Variablen müssen ganzzahlig sein, LP-Variablen sind reell

Erklärung: Beim IP müssen einige (oder alle) Variablen ganzzahlig sein (x ∈ ℤ). Beim LP sind alle Variablen reell (x ∈ ℝ). Diese scheinbar kleine Änderung macht IP NP-schwer, während LP polynomial lösbar ist. Beides sind lineare Probleme (Zielfunktion + Restriktionen linear).

F2.Welcher Wertebereich gilt für eine binäre Variable in einem 0-1-IP?

Antwort: x ∈ {0, 1}

Erklärung: 0-1-IP: x ∈ {0, 1}. Modelliert Ja/Nein-Entscheidungen. Klausur-Klassiker: x_ij = 1 wenn Person i Aufgabe j zugeordnet, sonst 0. Wichtigster IP-Spezialfall.

F3.Ordne das IP-Problem dem typischen Anwendungsfall zu.

Zuordnungen:

  • Knapsack → Wähle Gegenstände mit max. Wert unter Gewichts-Grenze
  • TSP → Finde kürzeste Rundreise durch n Städte
  • Set Cover → Wähle Standorte die jede Region abdecken
  • Assignment → Ordne n Personen n Aufgaben zu (1:1)

Erklärung: Klassische 0-1-IP-Probleme: Knapsack (max Wert), TSP (min Strecke), Set Cover (min Standorte), Assignment (min Kosten 1:1). Alle bis auf Assignment sind NP-schwer. Assignment ist polynomial (Hungarian Algorithm, O(n³)), LP-Relaxation ist hier sogar exakt.

Typ: Zuordnung

F4.Was ist der 'Integrality Gap' eines IP-Problems?

Antwort: Differenz zwischen IP-Optimum und LP-Relaxations-Optimum

Erklärung: Integrality Gap = z*_LP − z*_IP (bei max). Misst, wie gut die LP-Relaxation das IP approximiert. Kleine Gap → LP-Schätzung ist gut → Branch & Bound terminiert schnell. Große Gap → IP ist 'schwer'. Wichtig: bei min ist Gap = z*_IP − z*_LP (umgekehrt).

F5.Das Aufrunden einer LP-Lösung gibt immer das IP-Optimum.

Antwort: Falsch

Erklärung: FALSCH. Aufrunden kann (1) UNZULÄSSIG sein (Restriktionen verletzt) oder (2) suboptimal (IP-Optimum ist nicht der gerundete LP-Punkt, sondern ein anderer Gitterpunkt). Beispiel: LP gibt (3.75, 1.25), aufrunden auf (4, 2) verletzt Gewichts-Restriktion → tatsächliches IP-Optimum ist (3, 2). Daher: eigene IP-Algorithmen (Branch & Bound).

Typ: Wahr/Falsch

F6.Bei einem Maximierungs-IP gilt für die LP-Relaxation:

Antwort: z*_LP ≥ z*_IP

Erklärung: Bei max: z*_LP ≥ z*_IP. Begründung: LP ist 'lockerer' (mehr Lösungen erlaubt, auch nicht-ganzzahlige). Also kann das LP höchstens besser sein als IP. LP-Optimum ist OBERE SCHRANKE für IP. Bei min umgekehrt: z*_LP ≤ z*_IP, LP ist UNTERE Schranke. Wichtig für Branch & Bound!

Teil 4·Quiz / Klausurfragen

Klausur-Quiz

Ganzzahlige Programmierung, Klausur-Quiz

6 typische Klausurfragen zu IP-Modellierung, Big-M, NP-Schwere und Algorithmen.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Welches Problem ist NICHT NP-schwer?

Antwort: Assignment-Problem (n×n)

Erklärung: Assignment-Problem ist POLYNOMIAL, der Hungarian Algorithm (Kuhn 1955) löst es in O(n³). Andere drei sind klassische NP-schwere Probleme. Assignment ist Spezialfall, weil die LP-Relaxation automatisch ganzzahlige Lösungen liefert (Eckpunkte des LP-Polyeders sind ganzzahlig).

F2.Welches Verfahren ist der Standard-Algorithmus für allgemeine IP-Probleme?

Antwort: Branch & Bound

Erklärung: Branch & Bound ist Standard-IP-Algorithmus: Problem in Subprobleme zerlegen (Branch), LP-Relaxation als Schranke (Bound), suboptimale Äste abschneiden (Pruning). Simplex löst nur LPs (kontinuierlich). Gradient Descent ist für nichtlineare Optimierung. Dijkstra für kürzeste Pfade.

F3.Eine 0-1-Variable kann nur die Werte {{1}} oder {{2}} annehmen. Sie modelliert typischerweise {{3}}-Entscheidungen. Mit der {{4}}-Methode (große Konstante) lassen sich logische Verknüpfungen wie 'wenn y=1 dann x ≤ M' formulieren.

Lösungen pro Lücke:

  • {{1}}: 0 / Null
  • {{2}}: 1 / Eins
  • {{3}}: Ja/Nein / binäre / Ja-Nein
  • {{4}}: Big-M / Big M / BigM

Erklärung: 0-1-Variable: x ∈ {0, 1}. Modelliert Ja/Nein-Entscheidungen (Projekt ja/nein, Standort öffnen ja/nein). Big-M-Methode: x ≤ M · y koppelt kontinuierliche Variable x an binäre y. Wenn y=0, dann x=0. Wenn y=1, dann x ≤ M (frei). M muss obere Schranke von x sein.

Typ: Lückentext

F4.Bringe die Schritte zur Lösung eines IP via Branch & Bound in die richtige Reihenfolge.

Richtige Reihenfolge:

  1. LP-Relaxation des ursprünglichen IP lösen
  2. Branch: Subprobleme mit zusätzlichen Restriktionen erzeugen
  3. Bound: LP-Relaxation als Schranke berechnen
  4. Prune: Suboptimale Äste abschneiden, ganzzahlige Lösung gefunden?

Erklärung: Branch & Bound: 1) LP-Relaxation lösen → Lösung x* meist nicht ganzzahlig. 2) Branch: für eine fraktionale Variable xi = 1.7 zwei Sub-Probleme: xi ≤ 1 und xi ≥ 2. 3) Bound: jedes Subproblem LP-relaxieren. 4) Prune: wenn Bound schlechter als beste bekannte ganzzahlige Lösung → Ast verwerfen. Wiederholen bis alle Äste durchgegangen.

Typ: Reihenfolge

F5.Im Big-M-Modell x ≤ M·y, was passiert wenn y = 0?

Antwort: x ≤ 0, also bei x ≥ 0: x = 0 erzwungen

Erklärung: Wenn y = 0: x ≤ M · 0 = 0. Bei der Nichtnegativitäts-Bedingung x ≥ 0 wird also x = 0 erzwungen. Wenn y = 1: x ≤ M (effektiv frei). So koppelt Big-M die kontinuierliche Variable x an die binäre Entscheidung y. Wichtig: M muss > obere Schranke von x sein, sonst verzerrt es das Optimum.

F6.Das Knapsack-Problem ist trotz NP-Schwere in der Praxis lösbar, moderne MIP-Solver wie Gurobi/CPLEX lösen Instanzen mit Tausenden Variablen in Sekunden.

Antwort: Wahr

Erklärung: RICHTIG. NP-Schwere ist eine Worst-Case-Aussage. In der Praxis nutzen moderne MIP-Solver (Gurobi, CPLEX, GLPK) Branch & Cut + Heuristiken + clever vor-verarbeiten. Real-world MIPs mit Tausenden Variablen sind oft in Sekunden bis Minuten lösbar. Klausur-Klassiker: 'NP-schwer ≠ unlösbar in der Praxis'.

Typ: Wahr/Falsch

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