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  • Einführung
  • Die Idee in einem Satz
  • Historie
  • Die IS-Kurve (Gütermarktgleichgewicht)
  • Die LM-Kurve (Geldmarktgleichgewicht)
  • Simultanes Gleichgewicht
  • Politik-Wirkungen
  • Crowding-Out im Detail
  • Liquiditätsfalle in IS-LM
  • Limits + Kritik des IS-LM-Modells
  • Klausur-Faustregeln
  • Stolpersteine
  • Quellen
ThemenVWLIS-LM-Modell: Gütermarkt + Geldmarkt simultan
VWL·4Lerneinheiten·23min·Stand17.07.2026

IS-LM-Modell: Gütermarkt + Geldmarkt simultan.

Das Standard-Werkzeug der Kurzfrist-Makro. Klausurpflicht in 3/4 Makro-Modulen. Verbindet Gütermarkt (Y = C + I + G + NX) mit Geldmarkt (M/P = L(i, Y)) zu einem Modell, das Fiskal- vs. Geldpolitik klar gegeneinander stellt.

IS-LM zeigt simultanes Gleichgewicht von Gütermarkt (IS-Kurve) und Geldmarkt (LM-Kurve) bei festen Preisen. Schnittpunkt = Output Y und Zinssatz i.**

  • John Hicks 1937: "Mr. Keynes and the Classics" in Econometrica, erstes IS-LL-Diagramm (später IS-LM).
  • Alvin Hansen 1953: Popularisierte das Modell in den USA.
  • 1960er-1980er: Standard-Lehrbuch-Modell der Makroökonomik.
  • Seit 2000: Wird in fortgeschrittenen Lehrbüchern durch NK-DSGE-Modelle ergänzt, bleibt aber Bachelor-Standard.

Gütermarktgleichgewicht = aggregierte Nachfrage = Output Y:

Y=C(Y−T)+I(i)+G+NXY = C(Y - T) + I(i) + G + NXY=C(Y−T)+I(i)+G+NX

Mit:

  • C(Y−T)C(Y-T)C(Y−T): Konsum hängt von verfügbarem Einkommen ab
  • I(i)I(i)I(i): Investitionen hängen negativ von Zinssatz ab
  • GGG: Staatsausgaben (exogen)
  • NXNXNX: Nettoexporte

Lineare Form:

Y=c0+c1(Y−T)+I0−b⋅i+GY = c_0 + c_1(Y - T) + I_0 - b \cdot i + GY=c0​+c1​(Y−T)+I0​−b⋅i+G

→ Auflösen nach Y:

Y=c0+I0+G−c1T1−c1−b1−c1⋅iY = \frac{c_0 + I_0 + G - c_1 T}{1 - c_1} - \frac{b}{1 - c_1} \cdot iY=1−c1​c0​+I0​+G−c1​T​−1−c1​b​⋅i

IS-Kurve fällt: Bei höherem i → niedrigere Investitionen → niedrigeres Y. Negative Steigung.

Verschiebung der IS-Kurve:

Was ändert sich?Wohin verschiebt IS?
G ↑ (Konjunkturpaket)nach RECHTS
T ↓ (Steuersenkung)nach RECHTS
Konsumenten-Vertrauen ↑nach RECHTS
Export-Boomnach RECHTS
Investitions-Optimismusnach RECHTS

Geldmarktgleichgewicht = reale Geldnachfrage = reales Geldangebot:

MP=L(i,Y)\frac{M}{P} = L(i, Y)PM​=L(i,Y)

Mit:

  • ∂L/∂Y>0\partial L / \partial Y > 0∂L/∂Y>0 (Transaktionskasse steigt mit Y)
  • ∂L/∂i<0\partial L / \partial i < 0∂L/∂i<0 (Geldnachfrage fällt mit i, Speku-Kasse)

Lineare Form:

MP=kY−hi\frac{M}{P} = k Y - h iPM​=kY−hi

→ Auflösen nach i:

i=kY−M/Phi = \frac{k Y - M/P}{h}i=hkY−M/P​

LM-Kurve steigt: Bei höherem Y → mehr Transaktions-Geldnachfrage → bei festem M/P → i muss steigen, um Speku-Kasse zu reduzieren. Positive Steigung.

Verschiebung der LM-Kurve:

Was ändert sich?Wohin verschiebt LM?
M ↑ (Geldmengen-Erhöhung)nach RECHTS/UNTEN
P ↑ (Preisniveau steigt)nach LINKS/OBEN (real M/P sinkt)
Geldnachfrage-Stabilität ↑nach RECHTS

Schnittpunkt von IS und LM = (Y*, i*).

Beide Märkte gleichzeitig im Gleichgewicht:

  • Gütermarkt: Angebot = Nachfrage
  • Geldmarkt: Md = Ms

Annahme: Preise sind kurz-fristig FIX. Daher ist M/P proportional zu M. IS-LM ist ein Kurzfrist-Modell.

Expansive Fiskalpolitik (G ↑)

  1. G ↑ → IS verschiebt nach RECHTS
  2. Neues Gleichgewicht: Y* ↑, i* ↑
  3. Höhere Zinsen → I ↓ = Crowding-Out (teilweise Verdrängung privater Investitionen)
  4. Netto-Effekt: Y steigt, aber weniger als der reine Fiskal-Multiplikator vermuten lässt

Fiskalpolitik-Multiplikator im IS-LM:

ΔY=11−c1+bkh⋅ΔG\Delta Y = \frac{1}{1 - c_1 + \frac{b k}{h}} \cdot \Delta GΔY=1−c1​+hbk​1​⋅ΔG

Vergleich zum reinen Multiplikator 1/(1−c1)1/(1-c_1)1/(1−c1​): der IS-LM-Multiplikator ist KLEINER wegen Crowding-Out.

Expansive Geldpolitik (M ↑)

  1. M ↑ → LM verschiebt nach RECHTS/UNTEN
  2. Neues Gleichgewicht: Y* ↑, i* ↓
  3. KEIN Crowding-Out (Zinsen sinken, Investitionen steigen sogar)
  4. Voller Effekt sichtbar

Restriktive Geldpolitik (M ↓, Zinserhöhung)

  1. M ↓ → LM verschiebt nach LINKS/OBEN
  2. Neues Gleichgewicht: Y* ↓, i* ↑
  3. Investitionen fallen, Konsum fällt durch Vermögens-Effekt

Policy Mix (G ↑ + M ↑)

Akkommodative Geldpolitik unterstützt Fiskalpolitik:

  • IS verschiebt rechts (durch G ↑)
  • LM verschiebt rechts (durch M ↑)
  • Y ↑↑ stark, i ändert sich kaum (Zinserhöhung durch Fiskal wird durch Geldpolitik kompensiert)

Beispiel Corona 2020: Massiv expansive Fiskalpolitik (G ↑↑↑, Kurzarbeitergeld + Konjunkturpaket) plus EZB-PEPP (M ↑↑) = Y stabilisiert, i blieb niedrig.

Steigt G um 100 Mrd. €:

  1. IS-Kurve verschiebt nach rechts um (1/(1-c_1)) × 100 = 250 Mrd. € (bei c_1 = 0.6)
  2. Aber: i steigt → I fällt → Crowding-Out
  3. Effektive Y-Erhöhung: 150 Mrd. € (nur ~60% des Multiplikators)

Vollständiges Crowding-Out:

  • Klassisch: vertikale LM-Kurve (k → ∞, Geldnachfrage zinsunelastisch). Fiskalpolitik wirkungslos.
  • Bei vertikaler IS-Kurve: Geldpolitik wirkungslos.

Crowding-Out wird KLEINER, wenn:

  • LM-Kurve flacher (h groß, hohe Zinselastizität der Geldnachfrage)
  • Liquiditätsfalle (LM horizontal, kein Crowding-Out)

Bei i ≈ 0 wird die LM-Kurve horizontal:

  • Geldnachfrage ist unendlich elastisch (jeder will Geld halten)
  • Geldpolitik wirkungslos (M ↑ verschiebt LM nicht effektiv)
  • Fiskalpolitik dagegen voll wirksam (kein Crowding-Out, weil i konstant bleibt)

Empirische Beispiele:

  • Japan 1990er-2000er
  • USA 2008-2015
  • Eurozone 2014-2022

Pol-Empfehlung in Liquiditätsfalle: expansive Fiskalpolitik! (Krugman-Argument)

  1. Preise sind fix, gilt nur kurzfristig. Langfristig braucht es AD-AS-Modell.
  2. Statisch: Ignoriert Erwartungen + dynamische Anpassung.
  3. Lucas-Kritik (1976): Politik ändert Verhaltens-Parameter. Konsumenten antizipieren Politik → IS-LM überschätzt Effekte.
  4. Keine Mikrofundierung: Aggregierte Funktionen ohne explizite Optimierung. Moderne DSGE-Modelle ersetzen das.
  5. Geschlossene Wirtschaft: Erweiterung Mundell-Fleming-Modell für offene Wirtschaft.

Trotz Kritik: bleibt das wichtigste Bachelor-Kurzfrist-Modell.

  1. IS = Gütermarkt (Y = C + I + G + NX, fallend in i)
  2. LM = Geldmarkt (M/P = L(i, Y), steigend in i)
  3. Schnittpunkt = (Y*, i*), beide Märkte simultan im GG
  4. Fiskalpolitik G ↑: IS rechts → Y↑, i↑, Crowding-Out
  5. Geldpolitik M ↑: LM rechts/unten → Y↑, i↓, kein Crowding-Out
  6. Policy Mix: beide rechts → Y↑↑, i ≈ konstant
  7. Liquiditätsfalle: LM horizontal → Geldpolitik wirkungslos, Fiskalpolitik voll wirksam
  8. Annahme: Preise FIX → IS-LM ist Kurzfrist-Modell
  9. Lucas-Kritik: Erwartungen fehlen → IS-LM überschätzt Effekte

❌ "Fiskalpolitik führt automatisch zu Crowding-Out vollständig", FALSCH. Vollständiges Crowding-Out nur bei vertikaler LM (klassisch). Realistisch: teilweise, je nach Steigung der LM.

❌ "IS-LM funktioniert langfristig", FALSCH. IS-LM nimmt fixe Preise an, gilt nur kurzfristig. Langfristig: AD-AS oder Solow.

❌ "In Liquiditätsfalle wirkt nichts", FALSCH. Geldpolitik wirkungslos, ABER FISKALPOLITIK ist voll wirksam (i konstant, kein Crowding-Out). Krugman-Argument für Konjunkturpakete bei i = 0.

❌ "IS und LM sind beide gerade Linien", Vereinfachung. Realistisch krumm, aber im Bachelor-Lehrbuch oft linear für Klausur-Vereinfachung.

❌ "Geldpolitik M↑ verschiebt IS, nicht LM", FALSCH. Geldpolitik wirkt über LM (Geldmarkt). Nur G/T-Änderungen verschieben IS (Gütermarkt).

  • Burda/Wyplosz Makroökonomik, 4. Aufl., Vahlen 2018, Kap. 11 (IS-LM).
  • Mankiw Macroeconomics, 11. Aufl., 2022, Kap. 11-12 Aggregate Demand.
  • Blanchard Macroeconomics, 8. Aufl., 2020, Kap. 5 The Goods and Financial Markets: The IS-LM Model.
  • Hicks, J. R. "Mr. Keynes and the Classics; A Suggested Interpretation", Econometrica 1937. Original-IS-LL-Paper.
  • Krugman, P. "It's Baaack: Japan's Slump and the Return of the Liquidity Trap", BPEA 1998. Reanimation des IS-LM für Liquiditätsfalle.
  • Lucas, R. E. "Econometric Policy Evaluation: A Critique", Carnegie-Rochester Conference 1976. Lucas-Kritik.

Slider für G (Staatsausgaben) und M (Geldmenge) plus 4 Politik-Presets (Ausgangslage / Expansive Fiskalpolitik / Expansive Geldpolitik / Policy Mix). Diagramm zeigt IS-Kurve (rot, fallend), LM-Kurve (blau, steigend), Schnittpunkt (Y*, i*) und Verschiebung der Kurven gegenüber Ausgangslage (gestrichelt).

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Klausur-Tipp: Bei Fiskalpolitik (G↑) IMMER Crowding-Out erwähnen. Bei Geldpolitik (M↑) NIE Crowding-Out (Zinsen fallen). Bei Policy Mix die geldpolitische Akkommodation hervorheben.

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Inhalt dieser Übersicht

  1. Erklärung(Erklärung)
  2. Interaktiv verstehen(Visualisierung / Interaktiv)
  3. Praxis-Übung(Quiz / Klausurfragen)
  4. Klausur-Quiz(Quiz / Klausurfragen)
Teil 1·Erklärung

Erklärung

Das Standard-Werkzeug der Kurzfrist-Makro. Klausurpflicht in 3/4 Makro-Modulen. Verbindet Gütermarkt (Y = C + I + G + NX) mit Geldmarkt (M/P = L(i, Y)) zu einem Modell, das Fiskal- vs. Geldpolitik klar gegeneinander stellt.

Die Idee in einem Satz

IS-LM zeigt simultanes Gleichgewicht von Gütermarkt (IS-Kurve) und Geldmarkt (LM-Kurve) bei festen Preisen. Schnittpunkt = Output Y und Zinssatz i.**

Historie

  • John Hicks 1937: "Mr. Keynes and the Classics" in Econometrica, erstes IS-LL-Diagramm (später IS-LM).
  • Alvin Hansen 1953: Popularisierte das Modell in den USA.
  • 1960er-1980er: Standard-Lehrbuch-Modell der Makroökonomik.
  • Seit 2000: Wird in fortgeschrittenen Lehrbüchern durch NK-DSGE-Modelle ergänzt, bleibt aber Bachelor-Standard.

Die IS-Kurve (Gütermarktgleichgewicht)

Gütermarktgleichgewicht = aggregierte Nachfrage = Output Y:

Y = C(Y - T) + I(i) + G + NX

Mit:

  • C(Y-T): Konsum hängt von verfügbarem Einkommen ab
  • I(i): Investitionen hängen negativ von Zinssatz ab
  • G: Staatsausgaben (exogen)
  • NX: Nettoexporte

Lineare Form:

Y = c₀ + c₁(Y - T) + I₀ - b · i + G

→ Auflösen nach Y:

Y = (c₀ + I₀ + G - c₁ T)/(1 - c₁) - b/(1 - c₁) · i

IS-Kurve fällt: Bei höherem i → niedrigere Investitionen → niedrigeres Y. Negative Steigung.

Verschiebung der IS-Kurve:

Was ändert sich?Wohin verschiebt IS?
G ↑ (Konjunkturpaket)nach RECHTS
T ↓ (Steuersenkung)nach RECHTS
Konsumenten-Vertrauen ↑nach RECHTS
Export-Boomnach RECHTS
Investitions-Optimismusnach RECHTS

Die LM-Kurve (Geldmarktgleichgewicht)

Geldmarktgleichgewicht = reale Geldnachfrage = reales Geldangebot:

M/P = L(i, Y)

Mit:

  • ∂ L / ∂ Y > 0 (Transaktionskasse steigt mit Y)
  • ∂ L / ∂ i < 0 (Geldnachfrage fällt mit i, Speku-Kasse)

Lineare Form:

M/P = k Y - h i

→ Auflösen nach i:

i = (k Y - M/P)/h

LM-Kurve steigt: Bei höherem Y → mehr Transaktions-Geldnachfrage → bei festem M/P → i muss steigen, um Speku-Kasse zu reduzieren. Positive Steigung.

Verschiebung der LM-Kurve:

Was ändert sich?Wohin verschiebt LM?
M ↑ (Geldmengen-Erhöhung)nach RECHTS/UNTEN
P ↑ (Preisniveau steigt)nach LINKS/OBEN (real M/P sinkt)
Geldnachfrage-Stabilität ↑nach RECHTS

Simultanes Gleichgewicht

Schnittpunkt von IS und LM = (Y*, i*).

Beide Märkte gleichzeitig im Gleichgewicht:

  • Gütermarkt: Angebot = Nachfrage
  • Geldmarkt: Md = Ms

Annahme: Preise sind kurz-fristig FIX. Daher ist M/P proportional zu M. IS-LM ist ein Kurzfrist-Modell.

Politik-Wirkungen

Expansive Fiskalpolitik (G ↑)
  1. G ↑ → IS verschiebt nach RECHTS
  2. Neues Gleichgewicht: Y* ↑, i* ↑
  3. Höhere Zinsen → I ↓ = Crowding-Out (teilweise Verdrängung privater Investitionen)
  4. Netto-Effekt: Y steigt, aber weniger als der reine Fiskal-Multiplikator vermuten lässt

Fiskalpolitik-Multiplikator im IS-LM:

Δ Y = 1/(1 - c₁ + (b k)/h) · Δ G

Vergleich zum reinen Multiplikator 1/(1-c₁): der IS-LM-Multiplikator ist KLEINER wegen Crowding-Out.

Expansive Geldpolitik (M ↑)
  1. M ↑ → LM verschiebt nach RECHTS/UNTEN
  2. Neues Gleichgewicht: Y* ↑, i* ↓
  3. KEIN Crowding-Out (Zinsen sinken, Investitionen steigen sogar)
  4. Voller Effekt sichtbar
Restriktive Geldpolitik (M ↓, Zinserhöhung)
  1. M ↓ → LM verschiebt nach LINKS/OBEN
  2. Neues Gleichgewicht: Y* ↓, i* ↑
  3. Investitionen fallen, Konsum fällt durch Vermögens-Effekt
Policy Mix (G ↑ + M ↑)

Akkommodative Geldpolitik unterstützt Fiskalpolitik:

  • IS verschiebt rechts (durch G ↑)
  • LM verschiebt rechts (durch M ↑)
  • Y ↑↑ stark, i ändert sich kaum (Zinserhöhung durch Fiskal wird durch Geldpolitik kompensiert)

Beispiel Corona 2020: Massiv expansive Fiskalpolitik (G ↑↑↑, Kurzarbeitergeld + Konjunkturpaket) plus EZB-PEPP (M ↑↑) = Y stabilisiert, i blieb niedrig.

Crowding-Out im Detail

Steigt G um 100 Mrd. €:

  1. IS-Kurve verschiebt nach rechts um (1/(1-c_1)) × 100 = 250 Mrd. € (bei c_1 = 0.6)
  2. Aber: i steigt → I fällt → Crowding-Out
  3. Effektive Y-Erhöhung: 150 Mrd. € (nur ~60% des Multiplikators)

Vollständiges Crowding-Out:

  • Klassisch: vertikale LM-Kurve (k → ∞, Geldnachfrage zinsunelastisch). Fiskalpolitik wirkungslos.
  • Bei vertikaler IS-Kurve: Geldpolitik wirkungslos.

Crowding-Out wird KLEINER, wenn:

  • LM-Kurve flacher (h groß, hohe Zinselastizität der Geldnachfrage)
  • Liquiditätsfalle (LM horizontal, kein Crowding-Out)

Liquiditätsfalle in IS-LM

Bei i ≈ 0 wird die LM-Kurve horizontal:

  • Geldnachfrage ist unendlich elastisch (jeder will Geld halten)
  • Geldpolitik wirkungslos (M ↑ verschiebt LM nicht effektiv)
  • Fiskalpolitik dagegen voll wirksam (kein Crowding-Out, weil i konstant bleibt)

Empirische Beispiele:

  • Japan 1990er-2000er
  • USA 2008-2015
  • Eurozone 2014-2022

Pol-Empfehlung in Liquiditätsfalle: expansive Fiskalpolitik! (Krugman-Argument)

Limits + Kritik des IS-LM-Modells

  1. Preise sind fix, gilt nur kurzfristig. Langfristig braucht es AD-AS-Modell.
  2. Statisch: Ignoriert Erwartungen + dynamische Anpassung.
  3. Lucas-Kritik (1976): Politik ändert Verhaltens-Parameter. Konsumenten antizipieren Politik → IS-LM überschätzt Effekte.
  4. Keine Mikrofundierung: Aggregierte Funktionen ohne explizite Optimierung. Moderne DSGE-Modelle ersetzen das.
  5. Geschlossene Wirtschaft: Erweiterung Mundell-Fleming-Modell für offene Wirtschaft.

Trotz Kritik: bleibt das wichtigste Bachelor-Kurzfrist-Modell.

Klausur-Faustregeln

  1. IS = Gütermarkt (Y = C + I + G + NX, fallend in i)
  2. LM = Geldmarkt (M/P = L(i, Y), steigend in i)
  3. Schnittpunkt = (Y*, i*), beide Märkte simultan im GG
  4. Fiskalpolitik G ↑: IS rechts → Y↑, i↑, Crowding-Out
  5. Geldpolitik M ↑: LM rechts/unten → Y↑, i↓, kein Crowding-Out
  6. Policy Mix: beide rechts → Y↑↑, i ≈ konstant
  7. Liquiditätsfalle: LM horizontal → Geldpolitik wirkungslos, Fiskalpolitik voll wirksam
  8. Annahme: Preise FIX → IS-LM ist Kurzfrist-Modell
  9. Lucas-Kritik: Erwartungen fehlen → IS-LM überschätzt Effekte

Stolpersteine

❌ "Fiskalpolitik führt automatisch zu Crowding-Out vollständig", FALSCH. Vollständiges Crowding-Out nur bei vertikaler LM (klassisch). Realistisch: teilweise, je nach Steigung der LM.

❌ "IS-LM funktioniert langfristig", FALSCH. IS-LM nimmt fixe Preise an, gilt nur kurzfristig. Langfristig: AD-AS oder Solow.

❌ "In Liquiditätsfalle wirkt nichts", FALSCH. Geldpolitik wirkungslos, ABER FISKALPOLITIK ist voll wirksam (i konstant, kein Crowding-Out). Krugman-Argument für Konjunkturpakete bei i = 0.

❌ "IS und LM sind beide gerade Linien", Vereinfachung. Realistisch krumm, aber im Bachelor-Lehrbuch oft linear für Klausur-Vereinfachung.

❌ "Geldpolitik M↑ verschiebt IS, nicht LM", FALSCH. Geldpolitik wirkt über LM (Geldmarkt). Nur G/T-Änderungen verschieben IS (Gütermarkt).

Quellen

  • Burda/Wyplosz Makroökonomik, 4. Aufl., Vahlen 2018, Kap. 11 (IS-LM).
  • Mankiw Macroeconomics, 11. Aufl., 2022, Kap. 11-12 Aggregate Demand.
  • Blanchard Macroeconomics, 8. Aufl., 2020, Kap. 5 The Goods and Financial Markets: The IS-LM Model.
  • Hicks, J. R. "Mr. Keynes and the Classics; A Suggested Interpretation", Econometrica 1937. Original-IS-LL-Paper.
  • Krugman, P. "It's Baaack: Japan's Slump and the Return of the Liquidity Trap", BPEA 1998. Reanimation des IS-LM für Liquiditätsfalle.
  • Lucas, R. E. "Econometric Policy Evaluation: A Critique", Carnegie-Rochester Conference 1976. Lucas-Kritik.
Teil 2·Visualisierung / Interaktiv

Interaktiv verstehen

IS-LM-Modell, interaktiv

Slider für G (Staatsausgaben) und M (Geldmenge) plus 4 Politik-Presets (Ausgangslage / Expansive Fiskalpolitik / Expansive Geldpolitik / Policy Mix). Diagramm zeigt IS-Kurve (rot, fallend), LM-Kurve (blau, steigend), Schnittpunkt (Y*, i*) und Verschiebung der Kurven gegenüber Ausgangslage (gestrichelt).

Interaktive Visualisierung

Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.

Klausur-Tipp: Bei Fiskalpolitik (G↑) IMMER Crowding-Out erwähnen. Bei Geldpolitik (M↑) NIE Crowding-Out (Zinsen fallen). Bei Policy Mix die geldpolitische Akkommodation hervorheben.

Teil 3·Quiz / Klausurfragen

Praxis-Übung

IS-LM-Modell, Praxis-Übung

6 Aufgaben zu IS-LM-Kurven, Politik-Wirkungen und Crowding-Out.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Wie verläuft die IS-Kurve in einem (Y, i)-Diagramm?

Antwort: Fallend (negative Steigung)

Erklärung: IS-Kurve fällt: Bei höherem i → Investitionen sinken → Output Y sinkt. Negative Steigung im (Y, i)-Diagramm. Vertikale IS = Investitionen zinsunelastisch (klassisch). Horizontale IS = Investitionen unendlich zinsempfindlich (theoretisch). Klausur-Pflicht-Diagramm.

F2.Was passiert auf der LM-Kurve, wenn die EZB die Geldmenge M erhöht?

Antwort: LM verschiebt nach rechts/unten

Erklärung: M ↑ → reales Geldangebot M/P steigt → bei gleichem Y muss i fallen, damit Md = Ms → LM verschiebt nach RECHTS/UNTEN. Effekt: Y* steigt, i* fällt. Klassische expansive Geldpolitik. Klausur-Pflicht.

F3.Ordne Politik der IS-LM-Verschiebung zu.

Zuordnungen:

  • Expansive Fiskalpolitik (G↑) → IS verschiebt nach rechts → Y↑ + i↑
  • Expansive Geldpolitik (M↑) → LM verschiebt nach rechts/unten → Y↑ + i↓
  • Steuersenkung (T↓) → IS verschiebt nach rechts (Konsum-Multiplikator)
  • Restriktive Geldpolitik (M↓) → LM verschiebt nach links/oben → Y↓ + i↑

Erklärung: Vier zentrale Politik-Patterns. Fiskal wirkt auf IS, Geld auf LM. Bei IS-Verschiebung steigt i mit (Crowding-Out). Bei LM-Verschiebung fällt i (kein Crowding-Out). Klausur-Klassiker: alle 4 Patterns mit Diagramm können müssen.

Typ: Zuordnung

F4.Was bezeichnet 'Crowding-Out' im IS-LM-Modell?

Antwort: Verdrängung privater Investitionen durch staatliche Ausgaben, weil deren Wirkung den Zinssatz erhöht

Erklärung: Crowding-Out: G↑ → IS rechts → i↑ → I↓. Höhere Zinsen verdrängen private Investitionen. Effekt: Fiskal-Multiplikator wird KLEINER. Im Extrem (vertikale LM): vollständiges Crowding-Out, Fiskalpolitik wirkungslos. In Liquiditätsfalle (horizontale LM): kein Crowding-Out, voller Effekt. Klausur-Pflicht-Begriff.

F5.In einer Liquiditätsfalle (i ≈ 0) ist die expansive Fiskalpolitik VOLLSTÄNDIG wirksam (kein Crowding-Out).

Antwort: Wahr

Erklärung: RICHTIG. Bei i ≈ 0 ist die LM-Kurve horizontal (Geldnachfrage unendlich elastisch). G↑ → IS rechts → aber i kann nicht weiter sinken UND nicht weiter steigen → kein Crowding-Out → voller Multiplikator-Effekt. Daher Krugman-Empfehlung: bei Liquiditätsfalle (Japan, USA-2008, EU-2014) MASSIVE Fiskalpolitik. Klausur-Stolperstein: die meisten denken zuerst an Geldpolitik-Limit, vergessen aber den Fiskal-Boost.

Typ: Wahr/Falsch

F6.Im Lehrbuch-IS-LM mit c_1 = 0.6 (marginale Konsumneigung): Welcher Multiplikator wirkt ohne Crowding-Out (reiner Fiskal-Multiplikator)?

Antwort: 2.5

Erklärung: Reiner Fiskal-Multiplikator = 1 / (1 - c_1) = 1 / (1 - 0.6) = 1 / 0.4 = 2.5. In IS-LM mit Crowding-Out wird dieser Wert KLEINER (z.B. 1.5). In Liquiditätsfalle ist der volle Multiplikator wirksam (2.5). Klausur-Rechentyp: gegebene Konsum-Neigung → Multiplikator berechnen → mit/ohne Crowding-Out unterscheiden.

Teil 4·Quiz / Klausurfragen

Klausur-Quiz

IS-LM-Modell, Klausur-Quiz

6 Klausur-Fragen mit Politik-Wirkungen + Lucas-Kritik.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Welche Bedingung gilt im Schnittpunkt von IS und LM?

Antwort: Beide Märkte sind simultan im Gleichgewicht, Gütermarkt UND Geldmarkt

Erklärung: Im IS-LM-Schnittpunkt gilt SIMULTAN: 1) Gütermarkt: Y = C + I + G + NX (IS), 2) Geldmarkt: M/P = L(i, Y) (LM). Beide Märkte räumen gleichzeitig bei (Y*, i*). Klausur-Klassiker: nicht 'nur Geldmarkt' oder 'nur Gütermarkt' wählen.

F2.Welche Annahme macht das IS-LM-Modell über Preise?

Antwort: Preise sind kurzfristig FIX (P konstant)

Erklärung: IS-LM nimmt FESTE Preise an → ist ein KURZFRIST-Modell. M/P ist proportional zu M. Langfristig brauchen wir AD-AS-Modell (Preise flexibel). Daher: IS-LM erklärt Konjunktur, nicht Wachstum oder langfristige Inflation. Klausur-Pflicht-Annahme.

F3.Vervollständige die IS-LM-Politik-Patterns: Fiskalpolitik G↑ → IS verschiebt nach {{1}} → Y↑ und i↑. Geldpolitik M↑ → LM verschiebt nach {{2}} → Y↑ und i↓.

Lösungen pro Lücke:

  • {{1}}: rechts / rechts oben / oben / Richtung höher
  • {{2}}: rechts / rechts unten / unten / Richtung niedriger

Erklärung: Fiskalpolitik G↑ → IS rechts (mehr Y bei gleichem i). Höherer Y → höhere Geldnachfrage → höheres i → Crowding-Out. Geldpolitik M↑ → LM rechts/unten (niedrigerer i bei gleichem Y). Y steigt, i fällt, KEIN Crowding-Out. Klausur-Pflicht-Mechanik.

Typ: Lückentext

F4.Welches Politik-Pattern führt zu STARKEM Y-Anstieg bei NAHEZU UNVERÄNDERTEM Zinssatz i?

Antwort: Policy Mix: G↑ + M↑ gleichzeitig (geldpolitische Akkommodation)

Erklärung: Policy Mix: G↑ verschiebt IS rechts (treibt i hoch), M↑ verschiebt LM rechts/unten (drückt i runter). Effekt: i bleibt stabil, Y springt stark. Beispiel: Corona 2020, massive Fiskalpolitik + EZB-PEPP → Y stabilisiert, i blieb niedrig. Klausur-Top-Beispiel für Koordination zwischen Regierung + Notenbank.

F5.Die Lucas-Kritik (1976) sagt, dass IS-LM die Wirkung von Politik überschätzt, weil das Modell rationale Erwartungen ignoriert.

Antwort: Wahr

Erklärung: RICHTIG. Lucas-Kritik: Wirtschaftliche Verhaltens-Parameter (z.B. Konsumneigung, Investitions-Verhalten) sind NICHT politikinvariant. Wenn die Politik sich ändert, ändern sich auch die Verhaltens-Parameter, Konsumenten antizipieren. IS-LM hat keine Mikrofundierung + ignoriert Erwartungen → überschätzt Effekte. Daher: moderne DSGE-Modelle haben explizite Erwartungen + Mikrofundierung. Trotzdem bleibt IS-LM Bachelor-Standard. Klausur-Konzept zu fortgeschrittenen Modellen.

Typ: Wahr/Falsch

F6.Was passiert mit dem Crowding-Out-Effekt, wenn die LM-Kurve sehr flach (fast horizontal) ist?

Antwort: Crowding-Out wird schwächer / verschwindet

Erklärung: Flache LM = hohe Zinselastizität der Geldnachfrage (h groß). Bei G↑ → IS rechts → Y↑ → Geldnachfrage steigt nur leicht → i steigt kaum → Crowding-Out gering. Extrem: horizontale LM (Liquiditätsfalle) → kein Crowding-Out. Steile/vertikale LM → vollständiges Crowding-Out → Fiskalpolitik wirkungslos. Klausur-Mechanik-Detail: Crowding-Out-Stärke hängt von LM-Steigung ab.

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