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Erklärung
Eine Aussage ist ein Satz der entweder wahr oder falsch ist, ohne Zwischenstufen. Aussagenlogik kombiniert solche Aussagen mit Operatoren (UND, ODER, NICHT) und prüft welche zusammengesetzten Sätze immer wahr sind. Pflichtthema in Mathe für Informatiker und Diskrete Mathematik.
Die Operatoren die du in der Klausur können musst:
- NICHT (¬): aus wahr wird falsch und umgekehrt
- UND (∧): nur wahr wenn beide wahr sind
- ODER (∨): wahr wenn mindestens eine wahr ist
- Implikation (→): A → B ist nur falsch wenn A wahr und B falsch (häufige Falle)
- Äquivalenz (↔): wahr wenn A und B den gleichen Wahrheitswert haben
- Wahrheitstabelle: alle möglichen Wahrheitswert-Kombinationen mit Ergebnis
In Klausuren wirst du oft gefragt: stelle die Wahrheitstabelle für diesen Ausdruck auf oder zeige dass A ⇒ B äquivalent zu ¬A ∨ B ist. Plus die Standard-Begriffe: Tautologie (immer wahr), Kontradiktion (immer falsch), Erfüllbarkeit (mindestens eine wahre Belegung).
Was ist eine Aussage?
Eine Aussage ist ein Satz, der entweder wahr oder falsch ist. Mehr nicht.
"Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland" → wahr
"5 ist größer als 10" → falsch
"Heute scheint die Sonne" → kann wahr oder falsch sein
"Schließ bitte die Tür" → KEINE Aussage (Befehl)
"Wie spät ist es?" → KEINE Aussage (Frage)
Aussagenlogik beschäftigt sich nur mit dem Wahrheitswert, nicht mit dem Inhalt.
In der Logik schreiben wir Aussagen kurz als Variablen: A, B, C. Jede Variable hat einen Wert: W (wahr) oder F (falsch).
Die fünf Verknüpfungen
Genau wie wir mit Zahlen rechnen können (+, −, ×, ÷), gibt es logische Operatoren für Aussagen:
| Symbol | Name | Sprich |
|---|---|---|
neg A | Negation | "nicht A" |
A wedge B | Konjunktion | "A und B" |
A vee B | Disjunktion | "A oder B" |
A → B | Implikation | "wenn A, dann B" |
A ↔ B | Biimplikation | "A genau dann wenn B" |
Jeder Operator wird durch eine Wahrheitstabelle definiert.
Negation: ¬A
Macht aus wahr falsch und umgekehrt.
| A | ¬A |
|---|---|
| W | F |
| F | W |
Beispiel: "Es regnet." → ¬"Es regnet" = "Es regnet nicht."
Konjunktion (UND): A ∧ B
Wahr genau dann, wenn beide wahr sind.
| A | B | A ∧ B |
|---|---|---|
| W | W | W |
| W | F | F |
| F | W | F |
| F | F | F |
Beispiel: "Es regnet UND es ist kalt.", nur wahr wenn beides zutrifft.
Disjunktion (ODER): A ∨ B
Wahr wenn mindestens eine wahr ist. Achtung: in der Mathematik ist "oder" ein inklusives oder, beide dürfen wahr sein!
| A | B | A ∨ B |
|---|---|---|
| W | W | W |
| W | F | W |
| F | W | W |
| F | F | F |
Beispiel: "Du nimmst Kaffee oder Tee." Mathematisch: beides ist auch erlaubt. Im Alltag meinen wir oft "entweder oder" (XOR), das ist ein anderer Operator.
Implikation: A → B
"Wenn A, dann B." Hier wird's interessant, und Klausurfallen gibt es viele.
| A | B | A → B |
|---|---|---|
| W | W | W |
| W | F | F |
| F | W | W |
| F | F | W |
Was zur Hölle? A falsch → B → trotzdem wahr?
Lass uns das langsam angehen. Stell dir vor du sagst: "Wenn es regnet, dann nehme ich einen Schirm." (A = "es regnet", B = "ich nehme Schirm")
- Es regnet (A wahr) und du nimmst Schirm (B wahr) → Aussage wahr ✓
- Es regnet (A wahr) aber du nimmst keinen Schirm (B falsch) → Aussage falsch, du hast gelogen ✗
- Es regnet nicht (A falsch) und du nimmst trotzdem Schirm (B wahr) → Aussage nicht widerlegt, also wahr ✓
- Es regnet nicht (A falsch) und du nimmst keinen Schirm (B falsch) → Aussage nicht widerlegt, also wahr ✓
Eine Implikation ist nur dann falsch, wenn die Voraussetzung wahr und die Folgerung falsch ist.
Mit anderen Worten: Wenn A falsch ist, wird die Wenn-dann-Aussage gar nicht erst geprüft, sie kann nicht "verletzt" werden. Deshalb gilt A → B in der klassischen Aussagenlogik als wahr. Das nennt man vakuose Wahrheit. (Nicht zu verwechseln mit ex falso quodlibet, das ist eine Inferenzregel der klassischen Logik, die besagt, dass aus einem Widerspruch jede Aussage abgeleitet werden kann; ein anderes Konzept.)
Biimplikation: A ↔ B
"A genau dann, wenn B." Beide müssen den gleichen Wahrheitswert haben.
| A | B | A ↔ B |
|---|---|---|
| W | W | W |
| W | F | F |
| F | W | F |
| F | F | W |
Beispiel: "Du bekommst eine 1, genau dann wenn du 90+ Punkte hast." Wahr nur wenn beide zutreffen oder beide nicht.
Drei wichtige Begriffe
Jede Formel ist entweder erfüllbar (mindestens eine wahre Belegung) oder unerfüllbar / Widerspruch (keine wahre Belegung). Erfüllbare Formeln zerfallen weiter in zwei Klassen:
Tautologie (Spezialfall einer erfüllbaren Formel)
Eine Formel die immer wahr ist, egal welche Werte die Variablen haben. Wahrheitstabelle: nur W in der Endspalte.
Beispiel: A vee neg A ("entweder A ist wahr, oder es ist nicht wahr"), kommt immer hin.
| A | ¬A | A ∨ ¬A |
|---|---|---|
| W | F | W |
| F | W | W |
Kontingente Formel
Eine Formel die mindestens eine wahre und mindestens eine falsche Belegung hat, also weder Tautologie noch Widerspruch. Die meisten Alltags-Formeln sind kontingent.
Widerspruch / Unerfüllbar
Eine Formel die nie wahr ist. Wahrheitstabelle: nur F.
Beispiel: A wedge neg A ("A ist wahr UND nicht wahr"), geht nie.
Faustregel: Tautologie = immer W. Widerspruch = immer F. Kontingent = mindestens ein W und mindestens ein F. Erfüllbar = mindestens ein W (umfasst Tautologie und kontingente Formeln).
De Morgansche Regeln (logische Variante)
Die kennst du schon aus der Mengenlehre. In der Logik:
neg(A wedge B) ≡ neg A vee neg B
neg(A vee B) ≡ neg A wedge neg B
Lies: "Negation eines UND ist gleich dem ODER der Negationen."
In Worten: "Es ist nicht der Fall, dass A UND B beide wahr sind" ist dasselbe wie "Mindestens eines von beiden ist falsch."
Das ≡-Zeichen heißt logisch äquivalent, die zwei Formeln haben in jeder Wahrheitstabelle die exakt gleichen Endspalten.
Wo brauchst du Aussagenlogik?
- Programmieren:
if,while,&&,||,!sind direkte Übersetzungen - Datenbanken: SQL
WHERE-Klauseln nutzen logische Operatoren - Schaltkreise: AND-, OR-, NOT-Gatter sind die Hardware-Versionen
- Beweistechniken: Mathematische Beweise nutzen Implikation und Biimplikation
- KI / Expertensysteme: Regeln werden als Implikationen formuliert
Klausur-Tricks
Trick 1: Implikation hat 4 Zeilen, davon 3 wahre und nur 1 falsche. Die einzige falsche: A wahr, B falsch.
Trick 2: A → B ist äquivalent zu neg A vee B. Wenn du eine Implikation in andere Operatoren umschreiben sollst:
A → B ≡ neg A vee B
Trick 3: Kontraposition. A → B ist äquivalent zu neg B → neg A.
"Wenn es regnet, ist die Straße nass"
≡ "Wenn die Straße nicht nass ist, regnet es nicht"
Wird in Klausuren oft gefragt: "schreibe diese Implikation als Kontraposition um."
Trick 4: Bei mehr als 2 Variablen wird die Wahrheitstabelle größer. Bei n Variablen: 2ⁿ Zeilen.
- 2 Variablen: 4 Zeilen
- 3 Variablen: 8 Zeilen
- 4 Variablen: 16 Zeilen
Trick 5: Kompakte Schreibweise von Wahrheitswerten:
- Wahr: 1, W, T (für true), ⊤
- Falsch: 0, F, ⊥
In Klausuren wird oft 0/1 verwendet, leichter zu schreiben.
Interaktiv
Wahrheitstabellen-Spielwiese
Wähle unten eine Formel und sieh ihre Wahrheitstabelle live. Der Status oben sagt dir sofort, ob es eine Tautologie (immer W), ein Widerspruch (immer F) oder erfüllbar (mindestens ein W) ist.
Probier folgendes:
- A ∧ B: nur in 1 von 4 Zeilen wahr (Konjunktion ist streng)
- A ∨ B: in 3 von 4 Zeilen wahr (Disjunktion ist großzügig)
- A → B: nur in 1 Zeile falsch (W → F), überrascht oft!
- A ∨ ¬A: Tautologie, alle 4 Zeilen wahr
- A ∧ ¬A: Widerspruch, alle 4 Zeilen falsch
- Vergleich ¬(A ∧ B) und ¬A ∨ ¬B: identische Endspalten, De Morgan!
Interaktive Visualisierung
Generiert Wahrheitstabellen für aussagenlogische Formeln mit AND, OR, NOT, XOR, Implikation.
Faustregel zum Mitnehmen: Wahrheitstabellen sind das Lineal der Logik. Wenn du nicht sicher bist ob zwei Formeln äquivalent sind, mach Wahrheitstabellen, sind die Endspalten identisch, sind sie äquivalent.
Quiz
Klausurfragen mit Lösungen (8)
- F1.Welche der folgenden ist KEINE Aussage im Sinne der Aussagenlogik?
Antwort: Schließ bitte die Tür
Erklärung: Aussagen müssen einen Wahrheitswert haben (wahr oder falsch). Befehle, Fragen und Wünsche sind keine Aussagen. 'Schließ die Tür' ist ein Befehl.
- F2.Wann ist A wedge B wahr?
Antwort: Nur wenn beide wahr sind
Erklärung: Konjunktion (UND) ist nur wahr wenn BEIDE Operanden wahr sind. In allen anderen 3 Fällen ist sie falsch.
- F3.Wann ist A → B falsch?
Antwort: Wenn A wahr und B falsch ist
Erklärung: Die Implikation ist nur in einem einzigen Fall falsch: A wahr und B falsch ('aus Wahrem kann nichts Falsches folgen'). In den anderen 3 Zeilen ist sie wahr.
- F4.Was bedeutet, dass eine Formel eine Tautologie ist?
Antwort: Sie ist immer wahr, egal welche Werte die Variablen haben
Erklärung: Eine Tautologie ist eine logische Konstante, immer wahr. Die Wahrheitstabelle hat nur W in der Endspalte. Klassisches Beispiel: A ∨ ¬A.
- F5.Welches ist die De Morgansche Regel?
Antwort: `neg(A wedge B) ≡ neg A vee neg B`
Erklärung: Die De Morgansche Regel: 'Negation der Konjunktion = Disjunktion der Negationen.' Beim Hineinziehen des ¬-Strichs wird ∧ zu ∨ und umgekehrt. Option C ist die Kontraposition (auch wichtig, aber etwas anderes).
- F6.Welche Formel ist äquivalent zu A → B?
Antwort: `neg A vee B`
Erklärung: A → B ≡ ¬A ∨ B. Wahrheitstabelle vergleichen: beide haben W,F,W,W. Die Implikation kann immer in OR + NOT übersetzt werden.
- F7.Wie viele Zeilen hat die Wahrheitstabelle für eine Formel mit 3 Variablen?
Antwort: 8
Erklärung: Bei n Variablen gibt es 2ⁿ Kombinationen. Bei n=3: 2³ = 8 Zeilen. Pro Variable doppelt sich die Anzahl, weil jede 2 mögliche Werte hat.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F8.Welche Formel ist ein Widerspruch (immer falsch)?
Antwort: `A wedge neg A`
Erklärung: A ∧ ¬A ist nie wahr, A kann nicht gleichzeitig wahr und falsch sein. A ∨ ¬A ist dagegen eine Tautologie (immer wahr). A → A und A ↔ A sind ebenfalls Tautologien.