Alle Tabs der Lerneinheit (Erklärung · Interaktiv verstehen · Praxis-Übung · Klausur-Quiz) als durchgehender Text. Ideal zum Wiederholen vor der Klausur, und für Suchmaschinen wie Google, Bing und KI-Suche (ChatGPT, Perplexity).
Erklärung
Das zentrale Rückgrat moderner Unternehmen. ERP-Klausurpflicht in 11/11 WInf-Programmen.
Die Idee in einem Satz
ERP (Enterprise Resource Planning): Integrierte Standard-Software, die ALLE betrieblichen Funktions-Bereiche (Finanzen, Personal, Material, Vertrieb, Produktion) auf EINER gemeinsamen Datenbasis abdeckt.
ERP-Geschichte
| Generation | Zeitraum | Charakteristik |
|---|---|---|
| MRP (Material Requirements Planning) | 1960er–70er | Materialbedarfsplanung (für Produktion) |
| MRP II | 1980er | + Kapazitätsplanung, Personalplanung |
| ERP (klassisch) | 1990er | Integration ALLER Funktions-Bereiche |
| ERP II / Extended ERP | 2000er | + CRM, SCM, BI-Integration |
| Cloud-ERP | 2015+ | Cloud-First, Multi-Tenant, Subscription |
SAP-Geschichte:
- 1972: SAP-Gründung (Walldorf, 5 ex-IBM-Mitarbeiter)
- 1979: SAP R/2 (Mainframe)
- 1992: SAP R/3 (Client-Server, dreischichtig)
- 2004: SAP ERP / SAP NetWeaver
- 2015: SAP S/4HANA (HANA-In-Memory-DB)
- 2021: RISE with SAP (Cloud-Transformation)
Die 6 klassischen SAP-ERP-Module
FI, Financial Accounting (Externes Rechnungswesen)
- Hauptbuch (G/L): Sachkontenführung nach HGB/IFRS
- Debitoren (A/R): Kundenkonten + Forderungen
- Kreditoren (A/P): Lieferantenkonten + Verbindlichkeiten
- Anlagenbuchhaltung (FA): Anlagevermögen + Abschreibungen
- Konsolidierung: Konzernabschluss
Output: Bilanz, GuV, Cashflow-Statement.
CO, Controlling (Internes Rechnungswesen)
- Kostenstellen-Rechnung: Wo entstehen Kosten?
- Kostenträger-Rechnung: Wofür entstehen Kosten?
- Profit-Center: Welche Bereiche sind rentabel?
- Prozesskosten-Rechnung: Aktivitäts-basiert
- Internes Reporting: Management-Berichte
MM, Materials Management
- Materialstamm: Materialnummer, Bezeichnung, Einkaufsdaten
- Beschaffung: Bestellanforderung → Bestellung → Wareneingang
- Lagerverwaltung: Bestand, Bewegungen, Inventur
- Rechnungsprüfung: 3-Way-Match (Bestellung + Wareneingang + Rechnung)
SD, Sales & Distribution
- Kundenstamm: Adressen, Konditionen, Ansprechpartner
- Angebot + Auftrag: Customer Journey
- Lieferung: Versand + Transport
- Faktura: Rechnungsstellung
- Preisfindung: Konditionen, Rabatte, Steuern
PP, Production Planning
- Stückliste (BOM, Bill of Materials): Welche Teile für ein Produkt?
- Arbeitsplan: In welcher Reihenfolge produzieren?
- Materialbedarfsplanung (MRP): Wann was bestellen?
- Kapazitätsplanung: Welche Maschinen sind verfügbar?
- Produktions-Auftrag: Konkrete Fertigungs-Anweisung
HR / HCM, Human Resources / Human Capital Management
- Personal-Stamm: Mitarbeiter-Daten
- Zeitwirtschaft: Schichtpläne, Abwesenheiten
- Entgeltabrechnung: Gehälter, Steuern, Sozialabgaben
- Personalentwicklung: Schulungen, Karriere
- Recruitment: Bewerbermanagement
SAP SuccessFactors (seit 2011) ist die Cloud-Variante.
Integration zwischen Modulen
Der Schlüssel: Alle Module nutzen DIESELBEN Datenstammdaten + DIESELBE DB.
Beispiel: Kundenauftrag (Order-to-Cash, O2C)
1. SD: Kundenauftrag erfassen
2. SD: Verfügbarkeit prüfen (Bestand MM)
3. MM: Reservierung des Materials
4. PP: ggf. Produktions-Auftrag erstellen (bei Make-to-Order)
5. MM: Auslieferung, Lagerbewegung
6. SD: Lieferung an Kunde
7. SD: Faktura (Rechnung)
8. FI: Buchung, Forderung gegen Kunde, Umsatz-Erlös
9. CO: Kosten auf Kostenträger umlegen
10. FI: Zahlungseingang → Forderung ausgleichen
Beispiel: Beschaffungs-Prozess (Procure-to-Pay, P2P)
1. MM: Bestellanforderung (Material fehlt)
2. MM: Bestellung an Lieferanten
3. MM: Wareneingang → Lagerbestand erhöhen
4. FI: Buchung, Verbindlichkeit gegen Lieferant
5. FI: Rechnungseingang
6. FI: Rechnungsprüfung (3-Way-Match)
7. FI: Zahlungsausgang
ERP-Architektur
3-Tier-Architektur (R/3)
Presentation-Layer ← (SAP GUI / Fiori)
↓
Application-Layer ← (Business-Logik, ABAP)
↓
Database-Layer ← (DB: HANA, Oracle, DB2)
S/4HANA-Innovationen (seit 2015)
- HANA In-Memory-DB: 10–1000× schneller als Disk-basiert
- Vereinfachtes Datenmodell: weniger Tabellen
- Fiori-UI: moderne Web-Oberfläche statt SAPgui
- Embedded Analytics: BI direkt im ERP
- Cloud-Optionen: S/4HANA Cloud, Private Cloud, On-Premise
ERP-Markt 2024
| Anbieter | Marktanteil | Stärke |
|---|---|---|
| SAP | ~30 % | Großunternehmen, DACH-Region |
| Oracle | ~15 % | Großunternehmen, USA |
| MS Dynamics 365 | ~10 % | Mittelstand, Microsoft-Ökosystem |
| Infor | ~5 % | Branchenlösungen |
| Sage / DATEV / Lexware | klein | KMU + Buchhaltung |
Customizing vs. Programmierung
| Customizing | Programmierung |
|---|---|
| Konfiguration via Customizing-Tabellen | Eigenentwicklung in ABAP / Java |
| Funktionsbaustein-Auswahl | Custom-Module |
| Wenig Aufwand, Update-fähig | Hoher Aufwand, Update-Risiko |
| Empfohlen | Nur für nicht-Standard-Anforderungen |
Klausur-Faustregeln
1. 6 SAP-Module: FI / CO / MM / SD / PP / HR.
2. FI = Externes Rechnungswesen, CO = Internes Rechnungswesen.
3. Alle Module gemeinsame DB: zentrale Integration.
4. O2C-Prozess: Order-to-Cash über SD → MM → SD → FI → CO.
5. P2P-Prozess: Procure-to-Pay über MM → FI.
6. 3-Tier-Architektur: Präsentation / Applikation / Datenbank.
Häufige Stolpersteine
1. FI und CO verwechseln. FI = extern (HGB, IFRS, Steuerbehörde-Pflicht). CO = intern (Management-Reporting, freiwillig).
2. Customizing als 'einfache Konfiguration' unterschätzen. Customizing-Tabellen haben Tausende Parameter. Customizing-Phase ist 30-50% der Implementierungs-Zeit.
3. Module als unabhängige Programme sehen. ERP-Wert kommt aus INTEGRATION. Buchung in SD ändert automatisch FI + CO + MM-Bestand.
4. SAP R/3 als aktuelles System ansehen. R/3 wurde 2004 durch SAP ERP ersetzt. S/4HANA ist seit 2015 das aktuelle Produkt. Support für R/3 wurde eingestellt.
5. ERP als 'Buchhaltungs-Software' sehen. ERP ist VIEL MEHR: Material, Produktion, Personal, Vertrieb, Buchhaltung ist nur 1 von 6+ Modulen.
6. HCM von HR unterscheiden. HR ist traditionelle Personal-Verwaltung (Lohn, Personalakten). HCM (Human Capital Management) erweitert um strategische Bereiche (Talent-Management, Performance, Lernkurven). SAP nennt seine HR-Module heute HCM.
Interaktiv verstehen
ERP-Modul-Karte interaktiv
Klick auf eines der 6 SAP-Module (FI/CO/MM/SD/PP/HR) zeigt Hauptfunktionen, Integrations-Beziehungen und Beispiel-Datenflüsse.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Tipp: Bei "Beschreiben Sie SAP-ERP-Module" IMMER strukturiert: 1) Die 6 Standard-Module nennen. 2) Pro Modul 3-4 Funktionen. 3) Mindestens 1 Integrations-Beispiel (z.B. O2C über SD → MM → FI → CO). So zeigst du strukturelles + integratives Wissen.
Praxis-Übung
ERP-Systeme, Praxis-Übung
6 Aufgaben zu Modulen, Prozessen und ERP-Architektur.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Welche 6 Module gehören zum klassischen SAP-ERP?
Antwort: FI, CO, MM, SD, PP, HR
Erklärung: SAP-Klassik 6 Module: FI (Financial Accounting / Externes Rechnungswesen), CO (Controlling / Internes Rechnungswesen), MM (Materials Management), SD (Sales & Distribution), PP (Production Planning), HR (Human Resources). Diese Module musst du auswendig kennen, Klausur-Standard.
- F2.Was ist der Hauptzweck eines ERP-Systems?
Antwort: ALLE betrieblichen Funktionsbereiche auf EINER gemeinsamen Datenbasis integrieren
Erklärung: ERP integriert ALLE Funktions-Bereiche (Finanzen, Personal, Material, Vertrieb, Produktion etc.) auf EINER gemeinsamen Datenbasis. Das ist der Schlüsselwert: keine Daten-Silos, keine doppelte Erfassung, automatische Buchung über Modul-Grenzen. Buchhaltung ist nur EIN Aspekt von vielen.
- F3.Ordne SAP-Modul der Hauptfunktion zu.
Zuordnungen:
- FI → Bilanz, GuV, Hauptbuch, Debitoren/Kreditoren
- CO → Kostenstellen, Kostenträger, Profit-Center
- MM → Bestellung, Wareneingang, Lager, Inventur
- SD → Angebot, Auftrag, Lieferung, Faktura
Erklärung: Standard-Modul-Zuordnung: FI = externes Rechnungswesen (Pflicht, HGB/IFRS). CO = internes Rechnungswesen (Management). MM = Beschaffung + Lager. SD = Vertrieb + Auslieferung. Plus: PP = Produktion. HR = Personal. Klausur-Klassiker.
Typ: Zuordnung
- F4.Welcher Prozess ist KEIN Standard-ERP-End-to-End-Prozess?
Antwort: GIT (Git-to-Internet)
Erklärung: GIT (Git-to-Internet) ist keine ERP-Prozess-Abkürzung. Standard-ERP-End-to-End-Prozesse: O2C (Order-to-Cash, Vertriebsprozess), P2P (Procure-to-Pay, Beschaffungsprozess), H2R (Hire-to-Retire, HR-Prozess), L2C (Lead-to-Cash, mit CRM-Integration), I2M (Idea-to-Market, Produktentwicklung). Klausur-Klassiker.
- F5.SAP S/4HANA basiert auf einer In-Memory-Datenbank (HANA), die wesentlich schneller ist als klassische disk-basierte Datenbanken.
Antwort: Wahr
Erklärung: RICHTIG. SAP HANA (High-Performance Analytic Appliance, seit 2010) ist eine In-Memory-DB: Daten liegen direkt im Hauptspeicher (RAM), nicht auf der Festplatte. Geschwindigkeitsvorteil: 10–1000× schneller bei analytischen Queries. S/4HANA (2015) wurde komplett für HANA neu gebaut, vereinfachtes Datenmodell + Embedded Analytics. RISE with SAP (2021) ist die Cloud-Transformations-Strategie.
Typ: Wahr/Falsch
- F6.Was bedeutet das '3-Way-Match' in der ERP-Rechnungsprüfung?
Antwort: Abgleich von Bestellung + Wareneingang + Rechnung
Erklärung: 3-Way-Match in der Rechnungsprüfung: 1) Bestellung (MM), 2) Wareneingang (MM), 3) Rechnung (FI). Nur wenn alle 3 übereinstimmen (Menge, Preis, Material), wird die Rechnung freigegeben + bezahlt. Pflicht-Kontrolle nach IDW PS 261 / Compliance. Bei Abweichungen → manuelle Klärung. Klausur-Standard im MM/FI-Bereich.
Klausur-Quiz
ERP-Systeme, Klausur-Quiz
6 typische Klausurfragen zu ERP-Geschichte, Modulen und Architektur.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.In welchem Jahr wurde SAP S/4HANA veröffentlicht?
Antwort: 2015
Erklärung: SAP S/4HANA wurde 2015 veröffentlicht, der Nachfolger von SAP ERP / ECC. Wichtige Daten: 1972 (SAP-Gründung), 1992 (R/3), 2004 (SAP ERP), 2010 (HANA-DB), 2015 (S/4HANA), 2021 (RISE with SAP). Diese Geschichts-Daten sind WInf-Standard.
- F2.Was steht MRP (1960er) für, Vorgänger von ERP?
Antwort: Material Requirements Planning
Erklärung: MRP = Material Requirements Planning, 1960er-Jahre. Erste integrierte Material-Planungs-Systeme. MRP II (1980er) erweitert um Kapazitätsplanung + Personal. ERP (1990er) integriert ALLE Funktionsbereiche. Klausur-Klassiker zur ERP-Geschichte. Joseph Orlicky gilt als 'Vater von MRP'.
- F3.SAP wurde {{1}} in Walldorf gegründet. SAP R/3 mit {{2}}-Architektur erschien {{3}}. S/4HANA mit {{4}}-Datenbank kam {{5}}.
Lösungen pro Lücke:
- {{1}}: 1972
- {{2}}: Client-Server / 3-Tier / dreischichtig / Drei-Schicht
- {{3}}: 1992
- {{4}}: HANA / In-Memory
- {{5}}: 2015
Erklärung: SAP-Geschichte (auswendig wissen!): 1972 SAP-Gründung in Walldorf. 1992 SAP R/3 mit 3-Tier-Architektur (Präsentation / Applikation / Datenbank). 2010 SAP HANA In-Memory-DB. 2015 SAP S/4HANA. 2021 RISE with SAP für Cloud-Migration. Klausur-Standard im SAP-Modul.
Typ: Lückentext
- F4.Bringe die Schritte des O2C-Prozesses (Order-to-Cash) in die richtige Reihenfolge.
Richtige Reihenfolge:
- SD: Kundenauftrag erfassen
- MM: Lieferung, Material aus Lager entnehmen
- SD: Faktura (Rechnungsstellung)
- FI: Rechnung buchen, Forderung gegen Kunde
Erklärung: O2C-Prozess (Order-to-Cash): 1) SD: Auftrag erfassen. 2) MM: Lieferung, Lager-Bestand reduzieren. 3) SD: Faktura, Rechnung erstellen. 4) FI: Buchung, Forderung gegen Kunde + Umsatzerlös. Cross-Module-Integration: SD → MM → SD → FI → CO (Kostenumlage). Klausur-Klassiker.
Typ: Reihenfolge
- F5.Was unterscheidet die SAP-Module FI und CO?
Antwort: FI = Externes Rechnungswesen (HGB/IFRS-Pflicht), CO = Internes Rechnungswesen (Management)
Erklärung: FI = Financial Accounting = EXTERNES Rechnungswesen. Pflicht nach HGB / IFRS. Bilanz, GuV, Cashflow für Steuerbehörden + Investoren. CO = Controlling = INTERNES Rechnungswesen. Freiwillig, für Management-Reporting. Kostenstellen, Kostenträger, Profit-Center. Beide GEMEINSAM in SAP, aber unterschiedlicher Zweck.
- F6.Customizing in SAP bedeutet das Anpassen der Software durch Konfiguration von Customizing-Tabellen ohne Programmierung, und stellt 30-50% der Implementierungs-Zeit dar.
Antwort: Wahr
Erklärung: RICHTIG. Customizing = Konfiguration via Customizing-Tabellen (SPRO-Transaktion, IMG = Implementation Guide). Tausende Parameter, z.B. Buchungskreise, Steuersätze, Belegarten. KEINE Programmierung. Aufwand: 30-50% der Implementierungs-Zeit + größter Kostenfaktor. Programmierung (ABAP) nur für nicht-Standard-Anforderungen. Best Practice: 'Customize, don't program', bleibt Update-fähig.
Typ: Wahr/Falsch