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Erklärung
Du brauchst 10.000 Schrauben. Selbst produzieren oder vom Lieferant kaufen? Genau diese Frage entscheidet jedes produzierende Unternehmen tausendfach pro Jahr. Klassische Klausur-Aufgabe: gegeben sind Fixkosten, variable Kosten und Marktpreis, berechne, ab welcher Stückzahl Eigenfertigung günstiger wird (Indifferenzmenge). Klausur in 16/17 BWL-int-rewe-Modulen.
Die Idee in einem Satz
Make (Eigenfertigung): hohe Fixkosten + niedrige variable Kosten. Buy (Fremdbezug): keine Fixkosten + höhere Preise pro Stück.
Klassischer Trade-off: ab wann lohnt sich Eigenfertigung?
Die Kostenrechnung
Eigenfertigung (Make)
K_make(x) = K_f + k_v · x
K_f= Fixkosten (Maschine, Halle, fester Personal-Stamm)k_v= variable Kosten pro Stück (Material, Lohn pro Stück)x= Stückzahl
Fremdbezug (Buy)
K_buy(x) = p · x
p= Einkaufspreis pro Stückx= Stückzahl
Die Indifferenzmenge
Punkt, an dem Make-Kosten = Buy-Kosten.
K_f + k_v · x = p · x
K_f = (p - k_v) · x
x* = K_f / (p - k_v)
Interpretation: unterhalb von x^* ist Fremdbezug günstiger, oberhalb Eigenfertigung. Voraussetzung: p > k_v (sonst lohnt Make nie).
Beispiel mit Zahlen
K_f = 50.000 €(Maschine + Personal)k_v = 3 €/Stückp = 5 €/Stück(Lieferant)
→ x^* = 50.000 / (5 - 3) = 25.000 Stück
Bei 25.000 Stück: K_(make) = 50.000 + 3 · 25.000 = 125.000, K_(buy) = 5 · 25.000 = 125.000. Gleich teuer.
Entscheidungsregel:
- < 25.000 Stück → Buy (Fremdbezug)
- = 25.000 Stück → indifferent
-
25.000 Stück → Make (Eigenfertigung)
Qualitative Faktoren (auch wichtig!)
Klausur fragt oft auch nach nicht-monetären Argumenten:
Pro Make:
- Know-how im Haus
- Qualitäts-Kontrolle
- Lieferzeit-Sicherheit
- strategische Unabhängigkeit
Pro Buy:
- Spezialisierung des Lieferanten
- Kapital-Bindung niedrig
- Flexibilität bei Mengenschwankungen
- Skaleneffekte des Lieferanten
Klausur-Tipp: auch wenn rechnerisch Make günstiger ist, wenn du das Know-how nicht hast, ist Buy oft besser. Reine Kostenrechnung ist nur halbe Antwort.
Visualisierung
Stelle Fixkosten + variable Kosten + Lieferantenpreis ein, sieh die Indifferenzmenge live:
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Faustregeln
- Indifferenzmenge
x^* = K_f / (p - k_v). Auswendig.- Unter
x^*→ Buy, überx^*→ Make.- Make lohnt nur, wenn
p > k_v(sonst sind variable Kosten allein höher als Einkauf).- Qualitative Faktoren nicht vergessen, Klausuren erwarten oft beides.
- Opportunitätskosten beachten: wenn die Make-Maschine ohnehin für andere Produkte da ist, sind die Fixkosten teilweise schon gedeckt.
Typische Stolpersteine
1. Indifferenz mit Break-Even verwechseln. Make-or-Buy-Indifferenz vergleicht zwei Kostenkurven. Break-Even vergleicht Umsatz mit Gesamtkosten (Welle 4).
2. Variable Kosten der Buy-Variante ignorieren. Bei Buy ist nicht nur der Einkaufspreis, auch Wareneingang, Lagerung, Qualitätsprüfung kosten Geld.
3. Fixkosten als "weg" sehen, wenn man kauft. Wenn die Make-Maschine bereits existiert (sunk cost), sind diese Fixkosten irrelevant für die Entscheidung. Nur relevante Kosten betrachten.
4. Mengen unter x^* als unwirtschaftlich für Make sehen. Wenn die Maschine andere Aufgaben mit erledigt (Kapazitäts-Sharing), kann auch unter x^* Make sinnvoll sein.
Make-or-Buy Lab
Make-or-Buy Lab
Schiebe Fixkosten, variable Kosten und Einkaufspreis. Indifferenzmenge wird live berechnet, Kostenkurven beider Varianten dargestellt.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Tipp: Bei "Bei welcher Menge ist Eigenfertigung günstiger?", Indifferenzmenge berechnen, dann begründen warum darüber Make besser ist (Fixkosten anteilig sinken).
Praxis-Übung
Make-or-Buy, Praxis-Übung
6 Aufgaben zur Indifferenzmenge, Entscheidungsregel, qualitativen Faktoren.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Fixkosten 60.000€, variable Kosten 4€/Stk, Einkaufspreis 10€/Stk. Indifferenzmenge?
Antwort: 10000 (Toleranz ±10)
Erklärung: x* = K_f / (p − k_v) = 60.000 / (10−4) = 60.000 / 6 = 10.000 Stück.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F2.Wann lohnt Eigenfertigung (Make)?
Antwort: Über der Indifferenzmenge
Erklärung: Über der Indifferenzmenge: Fixkosten werden auf viele Stücke verteilt, variable Kosten sind günstiger als Einkaufspreis → Make wird billiger. Unter Indifferenz: Fixkosten dominieren.
- F3.K_f = 100k€, k_v = 8€, p = 5€. Was passiert?
Antwort: Make lohnt sich nie (k_v > p)
Erklärung: Wenn variable Kosten höher sind als der Einkaufspreis (k_v > p), wird Eigenfertigung mit jeder zusätzlichen Einheit teurer als Kauf. Make lohnt sich NIE, Indifferenzmenge mathematisch negativ (nicht sinnvoll).
- F4.Wenn rechnerisch Make günstiger ist, ist Make immer die richtige Entscheidung.
Antwort: Falsch
Erklärung: FALSCH. Qualitative Faktoren wie Know-how, Qualitäts-Kontrolle, Lieferzeit, strategische Unabhängigkeit, Skaleneffekte sind genauso wichtig. Reine Kostenrechnung ist nur halbe Antwort.
Typ: Wahr/Falsch
- F5.Welche Argumente sprechen FÜR Make (Eigenfertigung)?
Richtige Antworten: Know-how im Haus halten; Qualitäts-Kontrolle; Lieferzeit-Sicherheit
Erklärung: Pro Make: Know-how, Qualität, Lieferzeit. Pro Buy: niedrige Kapitalbindung, Spezialisierung+Skaleneffekte des Lieferanten, Flexibilität.
Typ: Multi-Select
- F6.Ordne Variable zu Formel:
Zuordnungen:
- K_f → Fixkosten der Eigenfertigung
- k_v → Variable Kosten/Stück bei Make
- p → Einkaufspreis/Stück bei Buy
- x* → Indifferenzmenge
Erklärung: Die 4 Standard-Variablen der Make-or-Buy-Rechnung. Auswendig.
Typ: Zuordnung
Klausur-Quiz
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.K_f=80k€, k_v=2€, p=6€. Indifferenzmenge?
Antwort: 20000 (Toleranz ±100)
Erklärung: x* = 80.000 / (6−2) = 80.000 / 4 = 20.000 Stk.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F2.K_f=50k€, k_v=3€, p=5€. Bei 30.000 Stück: was lohnt sich?
Antwort: Make (günstiger)
Erklärung: x* = 50k/(5−3) = 25k. 30k > 25k → Make. Konkret: K_make=50k+3·30k=140k, K_buy=5·30k=150k. Make 10k günstiger.
- F3.Sunk Costs (versunkene Kosten) sollten in einer Make-or-Buy-Entscheidung berücksichtigt werden.
Antwort: Falsch
Erklärung: FALSCH. Sunk Costs sind unwiderruflich und unabhängig von der Entscheidung. Nur relevante Kosten (= Kosten, die durch die Entscheidung beeinflusst werden) zählen. Klausur-Klassiker-Falle.
Typ: Wahr/Falsch
- F4.Sortiere die Schritte einer Make-or-Buy-Entscheidung:
Richtige Reihenfolge:
- Daten erheben: K_f, k_v, p
- Indifferenzmenge x* = K_f / (p − k_v) berechnen
- Voraussichtliche Menge x mit x* vergleichen
- Qualitative Faktoren prüfen (Know-how, Qualität, Risiko)
- Entscheidung treffen + dokumentieren
Erklärung: Standard-Workflow: erst Zahlen + Indifferenzmenge, dann Mengenvergleich, dann qualitative Validierung, dann Entscheidung mit Begründung.
Typ: Reihenfolge
- F5.Welcher Aspekt würde die Indifferenzmenge ERHÖHEN?
Antwort: Alle drei genannten
Erklärung: Höhere K_f → Zähler größer, x* steigt. Höhere k_v → Nenner kleiner (p−k_v sinkt), x* steigt. Niedrigerer p → Nenner kleiner, x* steigt. Alle drei verschieben den Break-even gegen Make.
- F6.Die Indifferenzmenge ist {{1}} = {{2}} / ({{3}} − {{4}}). Unterhalb dieser Menge ist {{5}} günstiger, oberhalb {{6}}.
Lösungen pro Lücke:
- {{1}}: x* / x
- {{2}}: K_f / Fixkosten
- {{3}}: p / Preis
- {{4}}: k_v
- {{5}}: Buy / Fremdbezug
- {{6}}: Make / Eigenfertigung
Erklärung: Klausur-Pflicht-Formel + Entscheidungsregel auswendig.
Typ: Lückentext