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  • Einführung
  • Die Idee in einem Satz
  • Klassische Probleme
  • TSP-Lösungs-Verfahren
  • VRP-Lösungs-Verfahren
  • Standortplanung (Vorlauf zu Tourenplanung)
  • Praxis-Komplikationen
  • DACH-Praxis
  • Klausur-Faustregeln
  • Stolpersteine
  • Quellen
ThemenBusiness AnalyticsTransport- und Tourenplanung
Business Analytics·4Lerneinheiten·22min·Stand17.07.2026

Transport- und Tourenplanung.

Welche Route ist die kürzeste? Wie liefere ich mehrere Kunden mit der Flotte? Klausurpflicht in 3/5 Produktions-Modulen und Standard in Logistik-Modulen.

Transportplanung optimiert Routen einzelner Fahrzeuge (TSP) oder ganzer Flotten (VRP), beide NP-schwer, daher in der Praxis Heuristiken wie Nearest-Neighbor oder Savings.

TSP, Traveling Salesman Problem

Setup: 1 Fahrzeug, n Städte besuchen, kürzeste Rundreise mit Rückkehr zum Start.

Klassisches Beispiel: Handlungsreisender, der mehrere Städte besucht.

Mathematik:

  • n Städte → (n-1)!/2 mögliche Touren
  • Bei n=10: ~181.000 Touren
  • Bei n=20: ~6×10^16 Touren
  • Bei n=50: praktisch unberechenbar mit Brute Force

Komplexität: NP-schwer ab n > ~10 (Karp 1972 zeigte Reduktion auf Hamilton-Cycle).

VRP, Vehicle Routing Problem

Setup: mehrere Fahrzeuge mit Kapazitätsbeschränkung, n Kunden mit Bedarf, Touren vom/zum Depot.

Erweiterungen:

  • CVRP (Capacitated VRP): Kapazitäts-Constraints
  • VRPTW (mit Zeitfenstern): Lieferung in [a_i, b_i]
  • MDVRP (Multi-Depot)
  • HVRP (Heterogeneous Fleet): unterschiedliche Fahrzeug-Typen
  • OVRP (Open VRP): kein Rückweg zum Depot

Auch NP-schwer. Praxis: kombinierte Probleme (CVRPTW etc.) extrem komplex.

Exakte Algorithmen

Brute Force: alle (n-1)!/2 Touren prüfen. Praktisch nur bis n=12.

Branch-and-Bound: systematisch durchsuchen mit Schranken-Schätzung. Praktisch bis n~40.

Dynamische Programmierung (Held-Karp 1962): O(n² × 2^n). Bis n~25.

Linear Programming + Cutting Planes: moderne LP-Relaxationen + Subtour-Elimination-Constraints. Concorde-Solver löst Instanzen mit n=85.900 Städten (USA-Beispiel 2006).

Heuristiken

Konstruktions-Heuristiken (bauen Tour von Grund auf):

  • Nearest-Neighbor: Wähle wiederholt nächstliegende Stadt. O(n²). 15-25% über Optimum.
  • Nearest-Insertion: Beginne mit kleinem Sub-Tour, füge wiederholt nächstliegende Stadt an günstigste Position. Etwa 10-15% über Optimum.
  • Cheapest-Insertion: Füge Stadt an Position mit kleinstem Einfügekosten. Etwa 5-15%.
  • Christofides (1976): O(n³). Garantiert ≤ 1.5 × Optimum für metrische TSPs.

Verbesserungs-Heuristiken (verbessern bestehende Tour):

  • 2-opt: vertausche 2 Kanten. Einfach + sehr verbreitet.
  • 3-opt: vertausche 3 Kanten. Besser, aber langsamer.
  • Lin-Kernighan (LKH 1973/2000): variable Kanten-Vertauschung. State-of-the-Art-Heuristik, oft <1% über Optimum.

Meta-Heuristiken:

  • Simulated Annealing: akzeptiert auch schlechtere Lösungen mit Wahrscheinlichkeit
  • Tabu-Search: verbietet kürzlich besuchte Lösungen
  • Genetische Algorithmen: Population + Crossover + Mutation
  • Ant Colony Optimization: simulierte Ameisen + Pheromon-Spuren

Savings-Algorithmus (Clarke/Wright 1964)

Idee: Berechne Einsparung für jedes Kunden-Paar (i, j):

Savings(i,j)=d(0,i)+d(0,j)−d(i,j)\text{Savings}(i, j) = d(0, i) + d(0, j) - d(i, j)Savings(i,j)=d(0,i)+d(0,j)−d(i,j)

(d(0, x) = Distanz Depot zu x)

Vorgehen:

  1. Initialisiere: jeder Kunde = eigene Tour (Depot → Kunde → Depot)
  2. Berechne Savings für alle Paare
  3. Sortiere absteigend nach Savings
  4. Iteriere durch Liste: wenn beide Kunden in verschiedenen Touren UND Kapazität reicht → Touren zusammenfügen
  5. Stoppe wenn keine Merges mehr möglich

Komplexität: O(n² log n). Liefert typisch 5-10% über Optimum.

Sweep-Algorithmus (Gillett/Miller 1974)

Idee: Polarkoordinaten um Depot, sweep mit Strahl. Kunden in Reihenfolge des Sweeps in Touren clustern (bis Kapazität voll), dann innerhalb jeder Tour TSP lösen.

Komplexität: O(n log n) für Cluster + TSP pro Cluster.

Moderne Solver

  • VROOM (Open-Source, C++)
  • OR-Tools (Google): CP-SAT für VRP-Varianten
  • PTV Route Optimiser: kommerzieller Standard
  • Routific, OptimoRoute: SaaS-Lösungen

Erweiterungs-Topic: wo platziere ich Depots/Lager?

Schwerpunkt-Methode (Centroid)

x∗=∑iwi⋅xi∑iwix^* = \frac{\sum_i w_i \cdot x_i}{\sum_i w_i}x∗=∑i​wi​∑i​wi​⋅xi​​

mit w_i = Gewicht (Nachfrage) Kunde i, (x_i, y_i) Position.

Schnell + intuitiv für gewichteten Mittelpunkt. NICHT optimal bei mehreren Lägern.

Weber-Modell (Median in der Ebene)

Minimiere ∑iwi⋅d(x,ci)\sum_i w_i \cdot d(x, c_i)∑i​wi​⋅d(x,ci​) wobei d = euklidische Distanz.

Iterative Lösung (Kuhn 1962, Weiszfeld-Algorithmus).

Set-Covering / p-Median

LP/MILP-Formulierungen für mehrere Lager.

  • Zeitfenster (Pakete vor 12 Uhr)
  • Mitarbeiter-Schichten + Pausen
  • Fahrzeug-Beschränkungen (Brücken-Höhe, Innenstadt-Verbote)
  • Dynamische Aufträge während des Tages
  • Pickup-and-Delivery (PDP)
  • Echtzeit-Verkehrsdaten (Google Maps API)
  • Last-Mile-Delivery (Stadt-Logistik, Lieferzonen)
  • DHL: weltweit größte Routen-Optimierung, Brief + Paket. Eigene Algorithmen + KI.
  • DPD, GLS, Hermes: ähnliche Algorithmen + Sub-Unternehmer.
  • Amazon: über 30 Fulfillment-Center in DE, eigene Letzte-Meile-Logistik.
  • Lieferando, Wolt: Echtzeit-Tourenplanung für Lebensmittel.
  1. TSP: 1 Fahrzeug + alle Städte + kürzeste Rundreise. NP-schwer ab n>10
  2. VRP: mehrere Fahrzeuge + Kapazität. Auch NP-schwer
  3. Nearest-Neighbor: O(n²), schnell aber 15-25% über Optimum
  4. Christofides: garantiert ≤ 1.5 × Optimum
  5. Savings-Algorithmus (Clarke/Wright 1964): Standard für CVRP
  6. Savings-Formel: s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j)
  7. Schwerpunkt für 1 Standort: gewichteter Mittelpunkt
  8. Erweiterungen: VRPTW, MDVRP, HVRP, OVRP

❌ "TSP kann optimal in polynomialer Zeit gelöst werden", FALSCH. NP-schwer (Karp 1972). Concorde löst große Instanzen, aber nur durch raffinierte LP-Relaxationen + Branch-and-Cut.

❌ "Nearest-Neighbor ist optimal", FALSCH. Heuristik. 15-25% über Optimum typisch.

❌ "Savings funktioniert ohne Kapazitäts-Constraint", Vereinfachung. Original Clarke/Wright nutzt Kapazitäts-Constraints. Ohne wäre TSP ein Sonderfall.

❌ "Schwerpunkt ist optimal für Standortwahl", Vereinfachung. Schwerpunkt minimiert quadratische Distanzen. Weber-Modell minimiert SUMME der Distanzen (anderes Ziel).

❌ "VRPTW ist nur kleine Erweiterung", FALSCH. Mit Zeitfenstern wird VRP dramatisch komplexer (häufig 10-100× rechenintensiver).

  • Clarke, G.; Wright, J. W. "Scheduling of Vehicles from a Central Depot to a Number of Delivery Points", Operations Research 1964. Savings-Klassiker.
  • Christofides, N. "Worst-Case Analysis of a New Heuristic for the Travelling Salesman Problem", Carnegie Mellon Tech Report 1976. 1.5-Approximations-Garantie.
  • Lin, S.; Kernighan, B. W. "An Effective Heuristic Algorithm for the Traveling Salesman Problem", Operations Research 1973. Lin-Kernighan.
  • Karp, R. M. "Reducibility Among Combinatorial Problems", IBM Symposium 1972. NP-Härte des TSP.
  • Domschke, W. Logistik: Transport, 5. Aufl., Oldenbourg 2007. DACH-Standard.
  • Domschke, W.; Scholl, A. Logistik: Rundreisen und Touren, 5. Aufl., Oldenbourg 2010.
  • Toth, P.; Vigo, D. Vehicle Routing: Problems, Methods, and Applications, 2. Aufl., SIAM 2014.
  • Pfohl, H.-C. Logistikmanagement, 3. Aufl., Springer 2016. DACH-Lehrbuch.

Zwei Toggle-Ansichten: 1) TSP (Traveling Salesman Problem) mit Nearest-Neighbor-Heuristik, 7 Städte rund um ein Depot, klickbare Tour-Berechnung. 2) VRP (Vehicle Routing Problem) mit Savings-Algorithmus (Clarke/Wright 1964), Kapazität max. 3 Kunden pro Tour, mehrere Touren in unterschiedlichen Farben.

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Klausur-Tipp: Savings-Formel s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j) auswendig. Bei TSP-Aufgaben: NP-Härte erwähnen + Heuristiken nennen (Nearest-Neighbor schnell aber suboptimal / Christofides garantiert 1.5×OPT / Lin-Kernighan State-of-the-Art).

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Inhalt dieser Übersicht

  1. Erklärung(Erklärung)
  2. Interaktiv verstehen(Visualisierung / Interaktiv)
  3. Praxis-Übung(Quiz / Klausurfragen)
  4. Klausur-Quiz(Quiz / Klausurfragen)
Teil 1·Erklärung

Erklärung

Welche Route ist die kürzeste? Wie liefere ich mehrere Kunden mit der Flotte? Klausurpflicht in 3/5 Produktions-Modulen und Standard in Logistik-Modulen.

Die Idee in einem Satz

Transportplanung optimiert Routen einzelner Fahrzeuge (TSP) oder ganzer Flotten (VRP), beide NP-schwer, daher in der Praxis Heuristiken wie Nearest-Neighbor oder Savings.

Klassische Probleme

TSP, Traveling Salesman Problem

Setup: 1 Fahrzeug, n Städte besuchen, kürzeste Rundreise mit Rückkehr zum Start.

Klassisches Beispiel: Handlungsreisender, der mehrere Städte besucht.

Mathematik:

  • n Städte → (n-1)!/2 mögliche Touren
  • Bei n=10: ~181.000 Touren
  • Bei n=20: ~6×10^16 Touren
  • Bei n=50: praktisch unberechenbar mit Brute Force

Komplexität: NP-schwer ab n > ~10 (Karp 1972 zeigte Reduktion auf Hamilton-Cycle).

VRP, Vehicle Routing Problem

Setup: mehrere Fahrzeuge mit Kapazitätsbeschränkung, n Kunden mit Bedarf, Touren vom/zum Depot.

Erweiterungen:

  • CVRP (Capacitated VRP): Kapazitäts-Constraints
  • VRPTW (mit Zeitfenstern): Lieferung in [a_i, b_i]
  • MDVRP (Multi-Depot)
  • HVRP (Heterogeneous Fleet): unterschiedliche Fahrzeug-Typen
  • OVRP (Open VRP): kein Rückweg zum Depot

Auch NP-schwer. Praxis: kombinierte Probleme (CVRPTW etc.) extrem komplex.

TSP-Lösungs-Verfahren

Exakte Algorithmen

Brute Force: alle (n-1)!/2 Touren prüfen. Praktisch nur bis n=12.

Branch-and-Bound: systematisch durchsuchen mit Schranken-Schätzung. Praktisch bis n~40.

Dynamische Programmierung (Held-Karp 1962): O(n² × 2^n). Bis n~25.

Linear Programming + Cutting Planes: moderne LP-Relaxationen + Subtour-Elimination-Constraints. Concorde-Solver löst Instanzen mit n=85.900 Städten (USA-Beispiel 2006).

Heuristiken

Konstruktions-Heuristiken (bauen Tour von Grund auf):

  • Nearest-Neighbor: Wähle wiederholt nächstliegende Stadt. O(n²). 15-25% über Optimum.
  • Nearest-Insertion: Beginne mit kleinem Sub-Tour, füge wiederholt nächstliegende Stadt an günstigste Position. Etwa 10-15% über Optimum.
  • Cheapest-Insertion: Füge Stadt an Position mit kleinstem Einfügekosten. Etwa 5-15%.
  • Christofides (1976): O(n³). Garantiert ≤ 1.5 × Optimum für metrische TSPs.

Verbesserungs-Heuristiken (verbessern bestehende Tour):

  • 2-opt: vertausche 2 Kanten. Einfach + sehr verbreitet.
  • 3-opt: vertausche 3 Kanten. Besser, aber langsamer.
  • Lin-Kernighan (LKH 1973/2000): variable Kanten-Vertauschung. State-of-the-Art-Heuristik, oft <1% über Optimum.

Meta-Heuristiken:

  • Simulated Annealing: akzeptiert auch schlechtere Lösungen mit Wahrscheinlichkeit
  • Tabu-Search: verbietet kürzlich besuchte Lösungen
  • Genetische Algorithmen: Population + Crossover + Mutation
  • Ant Colony Optimization: simulierte Ameisen + Pheromon-Spuren

VRP-Lösungs-Verfahren

Savings-Algorithmus (Clarke/Wright 1964)

Idee: Berechne Einsparung für jedes Kunden-Paar (i, j):

Savings(i, j) = d(0, i) + d(0, j) - d(i, j)

(d(0, x) = Distanz Depot zu x)

Vorgehen:

  1. Initialisiere: jeder Kunde = eigene Tour (Depot → Kunde → Depot)
  2. Berechne Savings für alle Paare
  3. Sortiere absteigend nach Savings
  4. Iteriere durch Liste: wenn beide Kunden in verschiedenen Touren UND Kapazität reicht → Touren zusammenfügen
  5. Stoppe wenn keine Merges mehr möglich

Komplexität: O(n² log n). Liefert typisch 5-10% über Optimum.

Sweep-Algorithmus (Gillett/Miller 1974)

Idee: Polarkoordinaten um Depot, sweep mit Strahl. Kunden in Reihenfolge des Sweeps in Touren clustern (bis Kapazität voll), dann innerhalb jeder Tour TSP lösen.

Komplexität: O(n log n) für Cluster + TSP pro Cluster.

Moderne Solver
  • VROOM (Open-Source, C++)
  • OR-Tools (Google): CP-SAT für VRP-Varianten
  • PTV Route Optimiser: kommerzieller Standard
  • Routific, OptimoRoute: SaaS-Lösungen

Standortplanung (Vorlauf zu Tourenplanung)

Erweiterungs-Topic: wo platziere ich Depots/Lager?

Schwerpunkt-Methode (Centroid)

x^* = (Σ_i w_i · x_i)/(Σ_i w_i)

mit w_i = Gewicht (Nachfrage) Kunde i, (x_i, y_i) Position.

Schnell + intuitiv für gewichteten Mittelpunkt. NICHT optimal bei mehreren Lägern.

Weber-Modell (Median in der Ebene)

Minimiere Σ_i w_i · d(x, c_i) wobei d = euklidische Distanz.

Iterative Lösung (Kuhn 1962, Weiszfeld-Algorithmus).

Set-Covering / p-Median

LP/MILP-Formulierungen für mehrere Lager.

Praxis-Komplikationen

  • Zeitfenster (Pakete vor 12 Uhr)
  • Mitarbeiter-Schichten + Pausen
  • Fahrzeug-Beschränkungen (Brücken-Höhe, Innenstadt-Verbote)
  • Dynamische Aufträge während des Tages
  • Pickup-and-Delivery (PDP)
  • Echtzeit-Verkehrsdaten (Google Maps API)
  • Last-Mile-Delivery (Stadt-Logistik, Lieferzonen)

DACH-Praxis

  • DHL: weltweit größte Routen-Optimierung, Brief + Paket. Eigene Algorithmen + KI.
  • DPD, GLS, Hermes: ähnliche Algorithmen + Sub-Unternehmer.
  • Amazon: über 30 Fulfillment-Center in DE, eigene Letzte-Meile-Logistik.
  • Lieferando, Wolt: Echtzeit-Tourenplanung für Lebensmittel.

Klausur-Faustregeln

  1. TSP: 1 Fahrzeug + alle Städte + kürzeste Rundreise. NP-schwer ab n>10
  2. VRP: mehrere Fahrzeuge + Kapazität. Auch NP-schwer
  3. Nearest-Neighbor: O(n²), schnell aber 15-25% über Optimum
  4. Christofides: garantiert ≤ 1.5 × Optimum
  5. Savings-Algorithmus (Clarke/Wright 1964): Standard für CVRP
  6. Savings-Formel: s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j)
  7. Schwerpunkt für 1 Standort: gewichteter Mittelpunkt
  8. Erweiterungen: VRPTW, MDVRP, HVRP, OVRP

Stolpersteine

❌ "TSP kann optimal in polynomialer Zeit gelöst werden", FALSCH. NP-schwer (Karp 1972). Concorde löst große Instanzen, aber nur durch raffinierte LP-Relaxationen + Branch-and-Cut.

❌ "Nearest-Neighbor ist optimal", FALSCH. Heuristik. 15-25% über Optimum typisch.

❌ "Savings funktioniert ohne Kapazitäts-Constraint", Vereinfachung. Original Clarke/Wright nutzt Kapazitäts-Constraints. Ohne wäre TSP ein Sonderfall.

❌ "Schwerpunkt ist optimal für Standortwahl", Vereinfachung. Schwerpunkt minimiert quadratische Distanzen. Weber-Modell minimiert SUMME der Distanzen (anderes Ziel).

❌ "VRPTW ist nur kleine Erweiterung", FALSCH. Mit Zeitfenstern wird VRP dramatisch komplexer (häufig 10-100× rechenintensiver).

Quellen

  • Clarke, G.; Wright, J. W. "Scheduling of Vehicles from a Central Depot to a Number of Delivery Points", Operations Research 1964. Savings-Klassiker.
  • Christofides, N. "Worst-Case Analysis of a New Heuristic for the Travelling Salesman Problem", Carnegie Mellon Tech Report 1976. 1.5-Approximations-Garantie.
  • Lin, S.; Kernighan, B. W. "An Effective Heuristic Algorithm for the Traveling Salesman Problem", Operations Research 1973. Lin-Kernighan.
  • Karp, R. M. "Reducibility Among Combinatorial Problems", IBM Symposium 1972. NP-Härte des TSP.
  • Domschke, W. Logistik: Transport, 5. Aufl., Oldenbourg 2007. DACH-Standard.
  • Domschke, W.; Scholl, A. Logistik: Rundreisen und Touren, 5. Aufl., Oldenbourg 2010.
  • Toth, P.; Vigo, D. Vehicle Routing: Problems, Methods, and Applications, 2. Aufl., SIAM 2014.
  • Pfohl, H.-C. Logistikmanagement, 3. Aufl., Springer 2016. DACH-Lehrbuch.
Teil 2·Visualisierung / Interaktiv

Interaktiv verstehen

Transport + Tourenplanung, TSP/VRP-Visualizer

Zwei Toggle-Ansichten: 1) TSP (Traveling Salesman Problem) mit Nearest-Neighbor-Heuristik, 7 Städte rund um ein Depot, klickbare Tour-Berechnung. 2) VRP (Vehicle Routing Problem) mit Savings-Algorithmus (Clarke/Wright 1964), Kapazität max. 3 Kunden pro Tour, mehrere Touren in unterschiedlichen Farben.

Interaktive Visualisierung

Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.

Klausur-Tipp: Savings-Formel s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j) auswendig. Bei TSP-Aufgaben: NP-Härte erwähnen + Heuristiken nennen (Nearest-Neighbor schnell aber suboptimal / Christofides garantiert 1.5×OPT / Lin-Kernighan State-of-the-Art).

Teil 3·Quiz / Klausurfragen

Praxis-Übung

Transport + Tourenplanung, Praxis-Übung

6 Aufgaben zu TSP, VRP und Heuristiken.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Was beschreibt das TRAVELING SALESMAN PROBLEM (TSP)?

Antwort: 1 Fahrzeug muss alle Städte besuchen und in kürzester Rundreise zum Start zurück. NP-schwer ab n>10

Erklärung: TSP: klassisches Routenplanungs-Problem. 1 Handlungsreisender + n Städte + kürzeste Rundreise + Rückkehr zum Start. NP-schwer (Karp 1972). Anzahl Touren = (n-1)!/2 → bei n=20 schon 6×10^16. Daher in Praxis Heuristiken wie Nearest-Neighbor (15-25% über Optimum), Christofides (≤1.5×OPT), Lin-Kernighan (oft <1%). Klausur-Pflicht-Definition.

F2.Was unterscheidet VRP von TSP?

Antwort: VRP: mehrere Fahrzeuge mit Kapazitätsbeschränkung, Touren vom/zum Depot. TSP: nur 1 Fahrzeug

Erklärung: VRP (Vehicle Routing Problem) erweitert TSP: mehrere Fahrzeuge + Kapazitäts-Constraint pro Fahrzeug + alle Touren starten/enden am Depot. Erweiterungen: CVRP (capacitated), VRPTW (mit Zeitfenstern), MDVRP (Multi-Depot), HVRP (heterogene Flotte). NP-schwer. Praxis: Clarke/Wright Savings + moderne Solver (OR-Tools, VROOM). Klausur-Pflicht-Unterscheidung.

F3.Ordne TSP-Algorithmus der Eigenschaft zu.

Zuordnungen:

  • Nearest-Neighbor → O(n²), schnell, 15-25 % über Optimum, einfachste Heuristik
  • Christofides (1976) → O(n³), GARANTIERT ≤ 1.5 × Optimum für metrische TSPs
  • Lin-Kernighan (LKH) → State-of-the-Art-Heuristik, oft &lt; 1 % über Optimum, variable Kanten-Vertauschung
  • Concorde (Branch-and-Cut) → EXAKT, löst Instanzen mit 85.900 Städten (USA 2006)

Erklärung: Algorithmus-Hierarchie nach Qualität + Komplexität: Nearest-Neighbor (schnell/grob) → Christofides (Garantie) → Lin-Kernighan (sehr gut) → Concorde (exakt). Klausur-Pflicht-Tabelle für TSP-Verfahren.

Typ: Zuordnung

F4.Wie berechnet sich die Savings im Clarke/Wright-Algorithmus?

Antwort: s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j)

Erklärung: Savings-Formel (Clarke/Wright 1964): s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j). Bedeutung: 'wie viel sparen wir, wenn wir i und j in einer Tour zusammenführen statt 2 separate Hin-/Rückwege ab Depot'. Höchste Savings → höchste Priorität für Merge. O(n² log n). Klausur-Pflicht-Formel.

F5.Der Christofides-Algorithmus (1976) garantiert, dass die gefundene Lösung höchstens 1.5-mal so lang wie das Optimum ist, gilt nur für metrische TSPs (Dreiecks-Ungleichung erfüllt).

Antwort: Wahr

Erklärung: RICHTIG. Christofides-Algorithmus (Carnegie Mellon Tech Report 1976): nutzt Minimum Spanning Tree + Matching + Eulerkreis + Shortcuts. GARANTIERT 1.5-Approximation für metrische TSPs (Dreiecks-Ungleichung d(x,z) ≤ d(x,y) + d(y,z)). O(n³). Lange Zeit das beste Approximations-Verhältnis. 2020 von Karlin/Klein/Oveis Gharan auf 1.5−ε verbessert. Klausur-Pflicht-Garantie.

Typ: Wahr/Falsch

F6.Welcher Solver löst auch sehr große TSP-Instanzen (>50.000 Städte) optimal?

Antwort: Concorde (Branch-and-Cut mit LP-Relaxation + Cutting Planes), löste USA 85.900-Städte-Instanz 2006

Erklärung: Concorde (Applegate/Bixby/Chvátal/Cook): state-of-the-art TSP-Solver. Kombiniert LP-Relaxation + Cutting Planes (Subtour-Elimination, 2-Matching, Comb-Inequalities) + Branch-and-Bound. Beweisbar OPTIMAL für 85.900-USA-Städte-Instanz 2006 (Pla85900). Brute Force unmöglich (84.000! Touren). Praktischer Beweis, dass NP-schwere Probleme oft konkret lösbar sind. Klausur-Wissen für moderne Optimierung.

Teil 4·Quiz / Klausurfragen

Klausur-Quiz

Transport + Tourenplanung, Klausur-Quiz

6 Klausur-Fragen mit Komplexität + VRP-Erweiterungen + Standortplanung.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Wie viele mögliche Touren gibt es bei einem TSP mit n = 5 Städten?

Antwort: (n-1)!/2 = 12 Touren (wegen Symmetrie + Rotation)

Erklärung: Anzahl Touren bei TSP = (n-1)!/2. Erklärung: erste Stadt fixiert (Rotation reduziert um Faktor n), Richtung kann gedreht werden (Faktor 2). Bei n=5: 4!/2 = 12. Bei n=10: 181.440. Bei n=20: 6×10^16. Begründet die Exponentialität des Brute-Force-Ansatzes. Klausur-Pflicht-Formel.

F2.Was ist eine 2-OPT-Verbesserung in TSP-Heuristiken?

Antwort: Vertausche 2 Kanten in der aktuellen Tour, wenn das die Gesamtdistanz verbessert. Einfach + sehr verbreitete Verbesserungs-Heuristik.

Erklärung: 2-opt (Croes 1958, Lin 1965): wähle zwei Kanten in der aktuellen Tour, kehre den Teilpfad zwischen ihnen um, wenn das die Distanz verbessert. Wiederhole bis lokal optimal. Einfach + viel verwendet. 3-opt vertauscht 3 Kanten (besser, langsamer). Lin-Kernighan ist generalisierte Variante. Klausur-Heuristik-Standard.

F3.Vervollständige die Savings-Formel: s(i, j) = d(0, i) + d(0, {{1}}) − d({{2}}, j). Im Algorithmus iteriert man absteigend nach {{3}}.

Lösungen pro Lücke:

  • {{1}}: j
  • {{2}}: i
  • {{3}}: Savings / s(i,j) / Einsparungen / savings

Erklärung: Clarke/Wright Savings-Algorithmus: s(i,j) = d(0,i) + d(0,j) − d(i,j). Höchste Savings → höchste Priorität für Tour-Merge. Iteration: 1) alle Savings berechnen, 2) absteigend sortieren, 3) durchgehen + mergen wenn Kapazität reicht. O(n² log n) Komplexität. Klausur-Pflicht-Verfahren.

Typ: Lückentext

F4.Welche VRP-Erweiterung modelliert Lieferungen mit ZEITFENSTERN (Kunde kann nur in [a_i, b_i] empfangen)?

Antwort: VRPTW (Vehicle Routing Problem with Time Windows)

Erklärung: VRPTW: VRP mit Zeitfenstern. Jeder Kunde i hat Zeitfenster [a_i, b_i]. Fahrzeug muss Kunden in diesem Fenster bedienen, sonst Strafe oder Verbot. Sehr realistisch (Pakete vor 12 Uhr / Lieferzonen Innenstadt). Macht VRP 10-100× rechenintensiver. Erweiterungen: CVRPTW (kapazitätsbeschränkt + Zeitfenster), MDVRPTW (Multi-Depot). Standard-Bibliothek für Last-Mile-Delivery (DHL, Amazon).

F5.Das Standortwahl-Problem mit SCHWERPUNKT-Methode liefert den OPTIMALEN Standort, der die SUMME der Distanzen minimiert.

Antwort: Falsch

Erklärung: FALSCH. Die Schwerpunkt-Methode (Centroid, gewichteter Mittelpunkt) minimiert die SUMME der QUADRIERTEN Distanzen (L²-Norm), NICHT die Summe der Distanzen (L¹-Norm). Für L¹-Minimierung braucht es das Weber-Modell mit iterativer Lösung (Weiszfeld-Algorithmus 1937, Kuhn 1962). Klausur-Stolperstein: Schwerpunkt ist schnell + intuitiv, aber das falsche Ziel für klassische Standortwahl.

Typ: Wahr/Falsch

F6.Welche Komplexität hat der CLARKE/WRIGHT-Savings-Algorithmus?

Antwort: O(n² log n), n² Paare berechnen, dann sortieren

Erklärung: Savings: O(n² log n). Begründung: 1) n²/2 Kunden-Paare berechnen (Savings) = O(n²). 2) Sortieren nach Savings = O(n² log n). 3) Iteration durch sortierte Liste + Merge-Operationen = O(n² × α(n)) mit Union-Find. Dominante Komplexität: O(n² log n). Praktisch sehr schnell für n bis ~1000 Kunden. Klausur-Komplexitäts-Wissen.

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