Verteilung von Gemeinkosten über Cost Driver (Anzahl Bestellungen, Rüstvorgänge, Qualitätsprüfungen) statt über Wertgrößen-Zuschläge. Klausur-Schwerpunkt: Quersubventionierung zwischen heterogenen Aufträgen aufdecken. Pflicht in BWL/WI/WiIng KLR-Vertiefung.
Die Prozesskostenrechnung (PKR) verteilt Gemeinkosten nicht über Zuschlagsätze auf Material- oder Fertigungs-Einzelkosten, sondern über die tatsächliche Inanspruchnahme von Aktivitäten — z.B. Anzahl Bestellungen, Rüstvorgänge, Qualitätsprüfungen. Pflicht-Topic in der KLR-Vertiefung von BWL/WI/WiIng. Aufdecken von Quersubventionierung zwischen Aufträgen ist der Klausur-Schwerpunkt.
Was du in der Klausur können musst:
Prozesskostensatz = Prozesskosten der Periode / Anzahl Prozesse (cost driver)
Auftragskosten in PKR = Σ (Prozesssatz · Prozessanzahl pro Auftrag)
Vergleich Zuschlag vs. PKR für 2 Aufträge (groß vs. klein) — Klausur-Klassiker
Quersubventionierungs-Effekt: kleine Aufträge in Zuschlagskalkulation unterbewertet, große überbewertet
lmn-Klassifizierung: leistungsmengen-induziert (lmi) vs. -neutral (lmn) — wichtige Unterscheidung
Wann PKR sinnvoll: hoher Gemeinkostenanteil, heterogene Aufträge, viele indirekte Bereiche
In Klausuren oft gefragt: 2 Aufträge nebeneinander rechnen (einer 1.000 Stk, einer 50 Stk, beide 1 Bestellung + 1 Rüstvorgang). Zuschlagskalkulation belastet den großen Auftrag stärker, PKR den kleinen. Diskussion: welcher ist "fair"?
Klassische Zuschlagskalkulation legt Material-Gemeinkosten als Prozentsatz auf Material-Einzelkosten um:
MGK = MEK · 30 %
Problem: ein Auftrag mit 20.000 € MEK bekommt 6.000 € MGK aufgebrummt, ein Auftrag mit 1.500 € MEK nur 450 €. Wenn beide aber den gleichen Aufwand in der Beschaffung verursachen (1 Bestellung), ist das unfair. Der kleine Auftrag wird unter Wert kalkuliert — und macht real Verlust.
PKR korrigiert das: Gemeinkosten werden über Aktivitäten (Prozesse) zugerechnet, nicht über Wertgrößen.
1. Prozesse identifizieren
Welche Aktivitäten in den indirekten Bereichen verursachen Kosten?
A wird in Zuschlag mit 6.000 € belastet, in PKR nur 530 € → A war überbewertet.
B wird in Zuschlag mit 450 € belastet, in PKR aber 530 € → B war unterbewertet.
→ Auftrag B kostet das Unternehmen real mehr Gemeinkosten pro Stück (10,60 €) als der "billige" Auftrag A (0,53 €). Die Zuschlagskalkulation hat das überdeckt — Quersubventionierung.
In PKR-Klausuren oft gefragt:
leistungsmengen-induziert (lmi) — Kosten skalieren mit Cost-Driver-Anzahl. Beispiel: Anzahl Rüstvorgänge → mehr Vorgänge → mehr Personal-Stunden für Rüsten.
leistungsmengen-neutral (lmn) — Kosten unabhängig von Cost-Driver-Anzahl. Beispiel: Abteilungsleitung Beschaffung — fixer Block, egal wie viele Bestellungen.
Faustregel: lmi-Kosten direkt über Satz verteilen. lmn-Kosten als Zuschlag auf den lmi-Satz aufschlagen oder periodenfix verbuchen.
Schritt 1: Prozesskostensätze ausrechnen — Periodenkosten / Mengengerüst pro Prozess.
Schritt 2: Pro Auftrag die Anzahl der Prozessvorgänge auflisten.
Schritt 3: Multiplizieren + summieren → Auftragsgemeinkosten in PKR.
Schritt 4: Vergleich mit Zuschlagskalkulation — Differenz erklären (Quersubvention).
Faustregel zum Mitnehmen: PKR ist genau dann fair, wenn die Cost Driver echte Kostentreiber sind. Wenn alle Aufträge gleich viele Prozesse brauchen, fällt der Effekt klein aus. Bei großer Streuung (Auftragsgrößen, Kundengruppen) deckt PKR Strukturprobleme auf.
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Teil 1·Erklärung
Erklärung
Prozesskostenrechnung
Pflicht-Topic in der KLR-Vertiefung von BWL/WI/WiIng. Aufdecken von Quersubventionierung zwischen Aufträgen ist der Klausur-Schwerpunkt.
Die Prozesskostenrechnung (PKR) verteilt Gemeinkosten nicht über Zuschlagsätze auf Material- oder Fertigungs-Einzelkosten, sondern über die tatsächliche Inanspruchnahme von Aktivitäten — z.B. Anzahl Bestellungen, Rüstvorgänge, Qualitätsprüfungen.
Was du in der Klausur können musst:
Prozesskostensatz = Prozesskosten der Periode / Anzahl Prozesse (cost driver)
Auftragskosten in PKR = Σ (Prozesssatz · Prozessanzahl pro Auftrag)
Vergleich Zuschlag vs. PKR für 2 Aufträge (groß vs. klein) — Klausur-Klassiker
Quersubventionierungs-Effekt: kleine Aufträge in Zuschlagskalkulation unterbewertet, große überbewertet
lmn-Klassifizierung: leistungsmengen-induziert (lmi) vs. -neutral (lmn) — wichtige Unterscheidung
Wann PKR sinnvoll: hoher Gemeinkostenanteil, heterogene Aufträge, viele indirekte Bereiche
In Klausuren oft gefragt: 2 Aufträge nebeneinander rechnen (einer 1.000 Stk, einer 50 Stk, beide 1 Bestellung + 1 Rüstvorgang). Zuschlagskalkulation belastet den großen Auftrag stärker, PKR den kleinen. Diskussion: welcher ist "fair"?
Warum Prozesskostenrechnung?
Klassische Zuschlagskalkulation legt Material-Gemeinkosten als Prozentsatz auf Material-Einzelkosten um:
MGK = MEK · 30 %
Problem: ein Auftrag mit 20.000 € MEK bekommt 6.000 € MGK aufgebrummt, ein Auftrag mit 1.500 € MEK nur 450 €. Wenn beide aber den gleichen Aufwand in der Beschaffung verursachen (1 Bestellung), ist das unfair. Der kleine Auftrag wird unter Wert kalkuliert — und macht real Verlust.
PKR korrigiert das: Gemeinkosten werden über Aktivitäten (Prozesse) zugerechnet, nicht über Wertgrößen.
Mechanik in 4 Schritten
1. Prozesse identifizieren
Welche Aktivitäten in den indirekten Bereichen verursachen Kosten?
A wird in Zuschlag mit 6.000 € belastet, in PKR nur 530 € → A war überbewertet.
B wird in Zuschlag mit 450 € belastet, in PKR aber 530 € → B war unterbewertet.
→ Auftrag B kostet das Unternehmen real mehr Gemeinkosten pro Stück (10,60 €) als der "billige" Auftrag A (0,53 €). Die Zuschlagskalkulation hat das überdeckt — Quersubventionierung.
lmi vs. lmn
In PKR-Klausuren oft gefragt:
leistungsmengen-induziert (lmi) — Kosten skalieren mit Cost-Driver-Anzahl. Beispiel: Anzahl Rüstvorgänge → mehr Vorgänge → mehr Personal-Stunden für Rüsten.
leistungsmengen-neutral (lmn) — Kosten unabhängig von Cost-Driver-Anzahl. Beispiel: Abteilungsleitung Beschaffung — fixer Block, egal wie viele Bestellungen.
Faustregel: lmi-Kosten direkt über Satz verteilen. lmn-Kosten als Zuschlag auf den lmi-Satz aufschlagen oder periodenfix verbuchen.
Schritt 1: Prozesskostensätze ausrechnen — Periodenkosten / Mengengerüst pro Prozess.
Schritt 2: Pro Auftrag die Anzahl der Prozessvorgänge auflisten.
Schritt 3: Multiplizieren + summieren → Auftragsgemeinkosten in PKR.
Schritt 4: Vergleich mit Zuschlagskalkulation — Differenz erklären (Quersubvention).
Faustregel zum Mitnehmen: PKR ist genau dann fair, wenn die Cost Driver echte Kostentreiber sind. Wenn alle Aufträge gleich viele Prozesse brauchen, fällt der Effekt klein aus. Bei großer Streuung (Auftragsgrößen, Kundengruppen) deckt PKR Strukturprobleme auf.
Teil 2·Visualisierung / Interaktiv
Interaktiv verstehen
Quersubventionierung live aufdecken
Zwei Aufträge nebeneinander: A ist groß (1.000 Stk, 20k MEK), B ist ein Kleinauftrag (50 Stk, 1.500 MEK). Beide haben 1× Bestellung, 1× Rüsten, 1× Q-Prüfung — aber die Zuschlagskalkulation gibt A 6.000 € MGK, B nur 450 €.
Probier: stell die Cost-Driver-Anzahl pro Auftrag auf gleich. PKR zeigt: beide Aufträge kosten das Unternehmen gleich viel Gemeinkosten — aber die Zuschlagskalkulation lässt B fast gratis durchlaufen. Quersubventionierung sichtbar gemacht.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Erkenntnis: ein Auftrag mit positivem Stück-Deckungsbeitrag laut Zuschlagskalkulation kann mit PKR plötzlich Verlust machen. Konsequenz für die Praxis: kleine Aufträge mit Mindestmenge oder Eilauftragszuschlag belegen.
Teil 3·Quiz / Klausurfragen
Praxis-Übung
Praxis-Übung — PKR rechnen
Sechs Klausur-Konstellationen.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
F1.Bestellabteilung Periodenkosten 12.000 €, 120 Bestellungen pro Periode. Wie hoch ist der Prozesskostensatz pro Bestellung in Euro?
Antwort: 100 €
Erklärung: Prozesssatz = Prozesskosten / Anzahl Prozesse = 12.000 / 120 = 100 €/Bestellung. Standard-Mechanik der PKR.
Typ: Zahlen-Eingabe
F2.Auftrag X benötigt 2 Bestellungen (à 100 €) + 1 Rüstvorgang (350 €) + 3 Qualitätsprüfungen (à 80 €). Wie hoch sind die Prozesskosten gesamt?
F4.Selber Auftrag (B): in PKR zugerechnete Prozesskosten 530 €. Differenz Zuschlag − PKR: ist der Auftrag in der klassischen Zuschlagskalkulation überbewertet (positive Differenz) oder unterbewertet (negative)? Antwort als Zahl: positive Werte = überbewertet, negative = unterbewertet.
Antwort: -80 € (Toleranz ±1)
Erklärung: Zuschlag − PKR = 450 − 530 = −80 €. Negativ → Auftrag wird in der Zuschlagskalkulation unterbewertet (zu wenig Gemeinkosten zugerechnet). PKR macht ihn 80 € teurer.
Typ: Zahlen-Eingabe
F5.Bei PKR werden Gemeinkosten über Wertgrößen (z.B. % auf MEK) verteilt.
Antwort: Falsch
Erklärung: Falsch — das ist klassische Zuschlagskalkulation. PKR verteilt nach **Mengengrößen** (Cost Driver wie Anzahl Bestellungen, Rüstvorgänge). Genau das macht den Unterschied.
Typ: Wahr/Falsch
F6.Ein leistungsmengen-neutraler (lmn) Prozess ist ein Prozess, dessen Kosten von der Anzahl der Cost-Driver-Vorgänge unabhängig sind.
Antwort: Wahr
Erklärung: Korrekt. lmn-Kosten skalieren NICHT mit der Anzahl der Cost-Driver-Vorgänge — z.B. Abteilungsleitungs-Gehalt: egal wie viele Bestellungen, das Gehalt ändert sich nicht. Wird typisch als Zuschlag auf den lmi-Satz aufgeschlagen.
Typ: Wahr/Falsch
Teil 4·Quiz / Klausurfragen
Klausur-Quiz
Klausur-Quiz — Prozesskostenrechnung
Sechs Fragen zu PKR-Theorie + Anwendung + Quersubventionierung.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
F1.Was ist ein Cost Driver in der Prozesskostenrechnung?
Antwort: Eine Bezugsgröße, die die Kosten eines Prozesses treibt (z.B. Anzahl Bestellungen)
Erklärung: Cost Driver = Mengengröße, die die Kosten eines Prozesses verursacht. Beispiele: Anzahl Bestellungen für die Beschaffung, Anzahl Rüstvorgänge für die Fertigung, Anzahl Prüfungen für QS.
F2.Wie wird der Prozesskostensatz berechnet?
Antwort: Prozesskosten / Anzahl Prozesse
Erklärung: Prozesssatz = Prozesskosten / Anzahl Prozesse (cost driver). Dann pro Auftrag: Satz × Anzahl der Vorgänge dieses Cost Drivers.
F3.PKR und klassische Zuschlagskalkulation liefern bei homogenen Aufträgen (alle gleich groß, gleicher Ressourcenverbrauch) identische Ergebnisse.
Antwort: Wahr
Erklärung: Korrekt. Bei homogenen Aufträgen ist die Verteilung über Wertgröße (MEK · %) und über Mengengröße (Cost Driver) gleich proportional → keine Quersubventionierung. PKR zeigt ihren Wert erst bei heterogenen Aufträgen.
Typ: Wahr/Falsch
F4.Welcher Auftrag wird in einer klassischen Zuschlagskalkulation typischerweise unterbewertet?
Antwort: Der Auftrag mit den meisten Cost-Driver-Vorgängen relativ zur Größe
Erklärung: Kleine Aufträge mit relativ vielen Touch-Points werden in Zuschlagskalkulation unterbewertet. PKR deckt diese Quersubvention auf — z.B. ein Eilauftrag braucht genauso viel Verwaltungs- + Fertigungs-Aufwand wie ein 10x größerer Standardauftrag.
F5.Wann ist Prozesskostenrechnung der Zuschlagskalkulation überlegen (mehrere richtig)?
Richtige Antworten: Bei sehr hohem Gemeinkostenanteil (> 50 %); Bei heterogenen Auftragsgrößen mit unterschiedlichen Touch-Points; Wenn indirekte Bereiche (Verwaltung, Logistik) dominieren
Erklärung: PKR rentiert sich bei: hoher GK-Quote (mehr Gemeinkosten zu verteilen), heterogenen Aufträgen (Quersubvention vermeiden), indirekt-lastigen Strukturen. Bei homogener Massenproduktion ist die Zuschlagskalkulation einfacher und liefert dasselbe Ergebnis.
Typ: Multi-Select
F6.Auftrag K: 30 Stk, MEK 800 €, MGK-Zuschlag 35 %. Cost Driver: 1× Bestellung (90 €), 2× Rüsten (à 280 €), 5× Q-Prüfung (à 70 €). Wie hoch ist die Differenz pro Stück zwischen PKR und Zuschlagskalkulation in Euro? Positiv = PKR teurer, negativ = PKR günstiger.
Antwort: 23 € (Toleranz ±0.5)
Erklärung: Zuschlag MGK = 800·0,35 = 280 €, pro Stk = 280/30 ≈ 9,33 €. PKR = 90 + 2·280 + 5·70 = 90 + 560 + 350 = 1.000 €, pro Stk = 1.000/30 ≈ 33,33 €. Differenz pro Stk = 33,33 − 9,33 = 24 € (PKR teurer pro Stk). Toleranz erlaubt 23-25 — der kleine Auftrag wird in PKR deutlich teurer pro Stück, klassische Quersubvention.