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Erklärung
Wie berechnet man Selbstkosten pro Stück? Zwei klassische Verfahren der KLR: die einfache Divisionskalkulation (Massenfertigung mit gleichen Produkten) und die genauere Zuschlagskalkulation (Einzel-/Auftragsfertigung mit unterschiedlichen Produkten). Pflichtmodul KLR-2 in BWL/WI/WiIng.
Was du in der Klausur können musst:
- Einstufige Divisionskalkulation:
k_(Stk) = Gesamtkosten/Menge - Mehrstufige Divisionskalkulation wenn Produktionsmenge ≠ Absatzmenge (typische Aufgabe: Lager-Bestand)
- Äquivalenzziffern bei sehr ähnlichen Produkten (siehe eigenes Topic)
- Zuschlagskalkulation Schema: MEK + MGK = MK, FEK + FGK + SEK = FK, MK + FK = HK, + VwGK + VtGK = SK
- Zuschlagsätze berechnen aus BAB-Daten und Bezugsbasis
- Vom Selbstkosten zum Listenpreis: Gewinn-Zuschlag, Skonto, Rabatt vorwärts/rückwärts
In Klausuren oft: ein Beispielprodukt mit MEK, FEK + 4 Zuschlagsätzen → komplette Stufen-Kalkulation. Plus: Differenzkalkulation ("welcher Listenpreis nötig damit X Gewinn bleibt nach 3 % Skonto und 10 % Rabatt?").
Divisionskalkulation, der einfache Weg
Idee: ein Produkt, gleichartig produziert. Gesamtkosten der Periode geteilt durch Stückzahl.
Selbstkosten/Stück = Gesamtkosten der Periode / Produktionsmenge
Beispiel einstufig: Gesamtkosten 600.000 €, 50.000 Stk → 12 €/Stk.
Wann anwendbar:
- Massenfertigung (Mineralwasser, Kies, Strom)
- Ein einziges Produkt oder vollständig identisch
- Keine Lager-Bestände, oder Produktion = Absatz
Mehrstufige Divisionskalkulation trennt Material-, Fertigungs-, Verwaltungs-Kosten und berücksichtigt Lager:
Materialkosten / Produktion = Material/Stk
Fertigungskosten / Produktion = Fertigung/Stk
Verw./Vertriebs-K / Absatzmenge = VwVt/Stk
Klausur-Fall: Produktion 1.000 Stk, Absatz 800 Stk. Materialkosten 30.000 €.
Material/Stk = 30.000 / 1.000 = 30 €/Stk (auf Produktion)
Vertrieb/Stk = z.B. 8.000 / 800 = 10 €/Stk (nur was verkauft wurde)
Klausur-Trick: Material- und Fertigungskosten beziehen sich auf die Produktionsmenge (= was hergestellt wurde). Verwaltungs- und Vertriebskosten auf die Absatzmenge (= was verkauft wurde). Das ist die Mehrstufen-Logik.
Zuschlagskalkulation, der genaue Weg
Idee: unterschiedliche Produkte beanspruchen unterschiedlich viele Ressourcen. Kosten werden nicht pro Stück, sondern pro Auftrag/Produkt mit Zuschlagsätzen kalkuliert.
Schema:
Materialeinzelkosten (MEK)
+ Materialgemeinkosten (MGK = MEK · MGK-Satz%)
─────────────────────────────────
= Materialkosten (MK)
Fertigungseinzelkosten (FEK)
+ Fertigungsgemeinkosten (FGK = FEK · FGK-Satz%)
+ Sondereinzelkosten Fertigung (SEK)
─────────────────────────────────
= Fertigungskosten (FK)
MK + FK
─────────────────────────────────
= Herstellkosten (HK)
+ Verwaltungsgemeinkosten (VwGK = HK · VwGK-Satz%)
+ Vertriebsgemeinkosten (VtGK = HK · VtGK-Satz%)
─────────────────────────────────
= Selbstkosten (SK)
+ Gewinnzuschlag (z.B. 15 % auf SK)
─────────────────────────────────
= Nettoangebotspreis (NAP)
+ Skonto- und Rabattzuschlag (rückwärts: oft 3 % Skonto, 10 % Rabatt)
─────────────────────────────────
= Listenverkaufspreis (netto, vor Umsatzsteuer)
Zuschlagsätze ermitteln aus BAB-Daten:
MGK-Satz = (Materialgemeinkosten der Periode)/(Materialeinzelkosten der Periode) · 100 \%
Analog FGK auf FEK, VwGK/VtGK auf HK.
Beispiel-Kalkulation
Auftrag mit MEK = 200 €, FEK = 150 €. Zuschläge: MGK 25 %, FGK 180 %, VwGK 8 %, VtGK 6 %, Gewinn 12 %.
MEK 200,00 €
+ MGK (25 % von 200) 50,00 €
= Materialkosten 250,00 €
FEK 150,00 €
+ FGK (180 % von 150) 270,00 €
= Fertigungskosten 420,00 €
= Herstellkosten 670,00 €
+ VwGK (8 % von 670) 53,60 €
+ VtGK (6 % von 670) 40,20 €
= Selbstkosten 763,80 €
+ Gewinn (12 % von SK) 91,66 €
= Nettoangebotspreis 855,46 €
Rückwärtskalkulation (Klausur-Klassiker)
Statt vom MEK zum NAP zu rechnen, geht's auch andersherum: gegeben Listenpreis und Skonto/Rabatt-Stufen, rück-rechnen zum Nettoangebotspreis.
Skonto wird "im Hundert" gerechnet: Listenpreis × (1 − Skontosatz) = Zahlbetrag. Rabatt ebenso: Bruttopreis × (1 − Rabattsatz) = Listenpreis.
Klausur-Standard: 100 % LP - 10 % Rabatt = 90 % - 3 % Skonto = 87,3 % NAP.
Zur Vorwärtskalkulation: NAP / 0,873 = Listenpreis.
Wann welches Verfahren?
| Situation | Verfahren |
|---|---|
| Massenfertigung, 1 Produkt, P=A | einstufige Division |
| Massenfertigung, P≠A | mehrstufige Division |
| Sehr ähnliche Produkte (verschiedene Größen z.B. Bier 0,33 / 0,5 / 1 L) | Äquivalenzziffern |
| Unterschiedliche Produkte/Aufträge | Zuschlagskalkulation |
| Komplexe Vorgänge mit indirekten Kosten | Prozesskostenrechnung |
In den meisten Bachelor-BWL-Klausuren reicht die Zuschlagskalkulation als das Verfahren, sie ist "ehrlicher" und damit Klausur-Standard.
Interaktiv verstehen
Zuschlagskalkulation Schritt-für-Schritt
Stell dir einen Auftrag vor: gegeben sind Material- und Fertigungs-Einzelkosten plus die vier Zuschlagsätze (MGK, FGK, VwGK, VtGK) und der Gewinnzuschlag. Spiel die Werte durch, sieh wie sich Selbstkosten und Angebotspreis ergeben.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Trick: Achte auf die Bezugsbasen, MGK auf MEK, FGK auf FEK, aber VwGK/VtGK auf Herstellkosten (nicht auf Selbstkosten!). Das wird gerne in der Klausur verwechselt.
Praxis-Übung
Praxis-Übung, Kalkulieren Schritt für Schritt
Sechs typische Klausur-Aufgaben.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Einstufige Divisionskalkulation: Gesamtkosten 480.000 €, Produktionsmenge 40.000 Stück. Wie hoch sind die Selbstkosten pro Stück (in €)?
Antwort: 12 €
Erklärung: k_Stk = Gesamtkosten / Menge = 480.000 / 40.000 = 12 €/Stk. Klausur-Standard für Massenfertigung mit P = A.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F2.MEK = 200 €, MGK-Zuschlagsatz 25 %. Wie hoch sind die Materialkosten?
Antwort: 250 €
Erklärung: MGK = 200 · 25 % = 50 €. MK = MEK + MGK = 200 + 50 = 250 €.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F3.Aus BAB: Materialgemeinkosten 60.000 €, Materialeinzelkosten 240.000 €. Wie hoch ist der MGK-Zuschlagsatz in Prozent?
Antwort: 25 % (Toleranz ±0.5)
Erklärung: MGK-Satz = MGK / MEK · 100 = 60.000 / 240.000 · 100 = 25 %. Standard-Berechnung der Zuschlagsätze aus BAB.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F4.Auftrag: MEK = 100, MGK 20 %, FEK = 80, FGK 150 %. Wie hoch sind die Herstellkosten?
Antwort: 320 €
Erklärung: MK = 100 + 100·20% = 100 + 20 = 120 €. FK = 80 + 80·150% = 80 + 120 = 200 €. HK = MK + FK = 120 + 200 = 320 €.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F5.Herstellkosten 500 €. VwGK-Zuschlag 8 %, VtGK-Zuschlag 6 %. Wie hoch sind die Selbstkosten?
Antwort: 570 €
Erklärung: VwGK = 500 · 8 % = 40 €. VtGK = 500 · 6 % = 30 €. SK = HK + VwGK + VtGK = 500 + 40 + 30 = 570 €. Klausur-Stolperstein: VwGK/VtGK auf HK, NICHT auf SK rechnen.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F6.Selbstkosten 600 €, Gewinnzuschlag 15 %, Rabatt 10 %, Skonto 3 %. Wie hoch ist der Listenverkaufspreis (netto)?
Antwort: 790.38 € (Toleranz ±0.5)
Erklärung: NAP = 600 · 1,15 = 690 €. Listenpreis = NAP / (1 − 0,03) / (1 − 0,10) = 690 / 0,97 / 0,90 = 711,34 / 0,90 ≈ 790,38 € (oder direkt: 690 / (0,97 · 0,90) = 690 / 0,873 ≈ 790,38 €). Hinweis: bei Skonto+Rabatt 'im Hundert' rechnen, die Reihenfolge ist Skonto vor Rabatt (aufs Brutto).
Typ: Zahlen-Eingabe
Klausur-Quiz
Klausur-Quiz, Divisions- und Zuschlagskalkulation
Sieben Fragen zu beiden Verfahren plus Bezugsbasen.
Klausurfragen mit Lösungen (7)
- F1.Wann ist die einstufige Divisionskalkulation anwendbar?
Antwort: Bei Massenfertigung eines homogenen Produkts (P = A)
Erklärung: Voraussetzungen: ein einziges Produkt, gleichartig produziert, Produktion = Absatz (kein Lagereffekt). Sobald P ≠ A → mehrstufig. Bei verschiedenen Produkten → Zuschlagskalkulation.
- F2.Was sind Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK)?
Antwort: Direkt zurechenbare Sonder-Material/-Werkzeug-Kosten eines Auftrags
Erklärung: SEK sind direkt einem Auftrag zurechenbare Sonderkosten (z.B. spezielle Werkzeuge nur für diesen Auftrag, externe Spezialleistung). Gehen unverändert in die Fertigungskosten OHNE Zuschlag.
- F3.Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden auf die Selbstkosten mit dem entsprechenden Zuschlagsatz aufgeschlagen.
Antwort: Falsch
Erklärung: Falsch. VwGK und VtGK werden auf die **Herstellkosten** (HK) aufgeschlagen, NICHT auf die Selbstkosten. Klausur-Stolperstein: SK ist erst das Ergebnis nach Aufschlag von VwGK + VtGK.
Typ: Wahr/Falsch
- F4.Warum ist die Zuschlagskalkulation der reinen Divisionskalkulation in vielen Fällen überlegen?
Antwort: Sie berücksichtigt unterschiedliche Ressourcenverbräuche pro Auftrag
Erklärung: Zuschlagskalkulation rechnet pro Auftrag mit Bezugsbasen (MEK → MGK, FEK → FGK), erfasst also dass Auftrag A mit hohem Materialeinsatz auch höhere MGK-Anteile bekommt. Division pro Stück verteilt blind, ungerecht bei heterogenen Produkten.
- F5.Welche Aussagen zum Kalkulationsschema sind korrekt (mehrere)?
Richtige Antworten: MGK wird auf MEK aufgeschlagen; FGK wird auf FEK aufgeschlagen; VtGK wird auf HK aufgeschlagen
Erklärung: MGK auf MEK ✓, FGK auf FEK ✓, VtGK auf HK ✓. Falsch: VwGK auf MEK (Bezugsbasis ist HK!), SEK gehört zu Fertigungskosten (Sonder-EK Fertigung), nicht Material.
Typ: Multi-Select
- F6.Mehrstufige Divisionskalkulation: Materialkosten 40.000 € (Produktion 1.000 Stk), Vertriebskosten 8.000 € (Absatz 800 Stk). Wie hoch sind die anteiligen Selbstkosten pro abgesetztem Stück?
Antwort: 50 €
Erklärung: Material/Stk = 40.000 / 1.000 = 40 € (auf Produktion). Vertrieb/Stk = 8.000 / 800 = 10 € (auf Absatz). SK pro abgesetztem Stk = 40 + 10 = 50 €. Klausur-Trick: Material auf Produktion, Vertrieb auf Absatz.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F7.Auftrag: MEK 80 €, FEK 60 €, MGK 30 %, FGK 200 %, VwGK 10 %, VtGK 5 %. Wie hoch sind die Selbstkosten?
Antwort: 326.6 € (Toleranz ±1)
Erklärung: MK = 80 + 80·0,30 = 104 €. FK = 60 + 60·2,00 = 180 €. HK = 104 + 180 = 284 €. VwGK = 284·0,10 = 28,40 €. VtGK = 284·0,05 = 14,20 €. SK = 284 + 28,40 + 14,20 = 326,60 €. Klausur-Trick: VwGK + VtGK beide auf HK, nicht aufeinander.
Typ: Zahlen-Eingabe