Alle Tabs der Lerneinheit (Erklärung · Interaktiv verstehen · Praxis-Übung · Klausur-Quiz) als durchgehender Text. Ideal zum Wiederholen vor der Klausur, und für Suchmaschinen wie Google, Bing und KI-Suche (ChatGPT, Perplexity).
Erklärung
Eine Funktion, die Vektoren auf Vektoren abbildet, aber nicht irgendeine, sondern eine, die Geraden zu Geraden macht und den Ursprung fest hält. Das ist eine lineare Abbildung. Sie ist DAS Werkzeug, mit dem Matrizen geometrisch verständlich werden: Drehung, Spiegelung, Streckung, Projektion, alles lineare Abbildungen, alles Matrizen.
Die Idee in einem Satz
Lineare Abbildung
f: V → Wist eine Funktion zwischen Vektorräumen, die zwei Eigenschaften erfüllt:
- Additivität:
f(u⃗ + v⃗) = f(u⃗) + f(v⃗)- Homogenität:
f(c · v⃗) = c · f(v⃗)
Zusammen heißt das: Linearität, die Funktion respektiert die Vektorraum-Struktur.
Konkrete Beispiele
| Abbildung | Formel | Matrix |
|---|---|---|
| Identität | f(v⃗) = v⃗ | I = (1 0; 0 1) |
| Streckung um Faktor c | f(v⃗) = c v⃗ | cI |
Drehung um Winkel α | siehe unten | [[cosα, -sinα], [sinα, cosα]] |
| Spiegelung an x-Achse | (x,y) ↦ (x,-y) | [[1, 0], [0, -1]] |
| Projektion auf x-Achse | (x,y) ↦ (x,0) | [[1, 0], [0, 0]] |
| Scherung in x-Richtung | (x,y) ↦ (x+ky, y) | [[1, k], [0, 1]] |
Wichtigste Erkenntnis: Jede lineare Abbildung zwischen ℝⁿ und ℝ^m kann als m × n-Matrix dargestellt werden.
Matrix-Darstellung, der Trick
Wenn f: ℝⁿ → ℝ^m linear, dann ist f(v⃗) = A v⃗ mit der Matrix A, deren Spalten die Bilder der Standard-Basisvektoren sind:
A = (f(vec(e₁)) | f(vec(e₂)) | ... | f(vec(e_n)))
Beispiel: Drehung um 90° gegen Uhrzeigersinn:
f(vec(e₁)) = f((1,0)) = (0, 1)f(vec(e₂)) = f((0,1)) = (-1, 0)
A = [[0, -1], [1, 0]]
Test auf Linearität
3 Tests:
f(0⃗) = 0⃗? Wenn nein, NICHT linear (sofort raus).f(u⃗ + v⃗) = f(u⃗) + f(v⃗)? Mit zwei beliebigen Vektoren.f(c v⃗) = c · f(v⃗)? Mit beliebigem Skalar.
Alle 3 müssen gelten. Test 1 ist die schnellste Disqualifikation.
Beispiel, NICHT linear: f(x, y) = (x + 1, y) (Translation um 1)
f(0, 0) = (1, 0) ≠ (0, 0)✗ → nicht linear.
Beispiel, NICHT linear: f(x, y) = (x², y)
f(2 · (1, 1)) = (4, 2), aber2 · f(1, 1) = (2, 2). Homogenität verletzt → nicht linear.
Bild und Kern
Bild (image) von f: alle Vektoren w⃗, die als f(v⃗) vorkommen
Bild(f) = \f(v⃗) : v⃗ ∈ V\ ⊆ W
Kern (kernel, Null-Raum) von f: alle Vektoren, die auf 0⃗ abgebildet werden
Kern(f) = \v⃗ ∈ V : f(v⃗) = 0⃗\ ⊆ V
Beide sind Unterräume (enthalten 0, abgeschlossen unter +, ·).
Dimensionssatz (Rangsatz)
dim(V) = dim(Kern(f)) + dim(Bild(f))
Praktisch: für eine m × n-Matrix A:
n = dim(Kern(A)) + Rang(A)
Klausur-Anwendung: Rang einer Matrix = Dim des Bildes. Wenn du Rang ausrechnest, weißt du sofort die Dimension des Kerns: dim(Kern) = n - Rang.
Injektiv, Surjektiv, Bijektiv
Injektiv ("eindeutig"): verschiedene Eingaben ergeben verschiedene Ausgaben
⇔Kern(f) = \0⃗\⇔dim(Kern(f)) = 0⇔Rang(A) = n(fürA ∈ ℝ^(m × n))
Surjektiv ("auf"): jedes Element in W wird getroffen
⇔Bild(f) = W⇔Rang(A) = m
Bijektiv: beides → A ist quadratisch + invertierbar.
Komposition linearer Abbildungen = Matrix-Multiplikation
Wenn f(v⃗) = Av⃗ und g(w⃗) = Bw⃗, dann ist die Komposition g ° f gegeben durch:
(g ° f)(v⃗) = g(f(v⃗)) = B · A · v⃗
Reihenfolge wichtig: B · A (innere Abbildung rechts!). Beispiel: erst drehen (A), dann spiegeln (B) → Matrix-Produkt B · A.
Klausur-Faustregeln
1. f(0⃗) = 0⃗ als erstes prüfen. Schneller Linearitäts-Test (Negativtest).
2. Matrix-Darstellung: Spalten = Bilder der Basisvektoren. f(vec(e₁)) wird zur 1. Spalte, f(vec(e₂)) zur 2., etc.
3. Dim-Satz: n = dim(Kern) + Rang. Brücke zwischen Kern-Dimension und Rang.
4. Komposition = Matrix-Multiplikation in umgekehrter Reihenfolge. g ° f ↔ B · A.
5. Bijektiv = invertierbar = det ≠ 0 = Rang = n. Alles äquivalent für quadratische Matrizen.
Häufige Stolpersteine
1. Translation als linear ansehen. f(x,y) = (x+1, y) ist AFFIN, nicht linear. f(0⃗) = (1,0) ≠ 0⃗.
2. Quadratische Terme als linear ansehen. f(x) = x² ist nicht linear. f(2x) = 4x² ≠ 2 · x².
3. Reihenfolge bei Komposition vergessen. "Erst f, dann g" heißt g ° f, in Matrizen B · A. NICHT A · B.
4. Kern und Bild verwechseln. Kern = Urbild von 0 (Quelle-Seite). Bild = was rauskommt (Ziel-Seite). Klar trennen.
5. Injektiv nur auf 0⃗-Kern reduzieren bei nicht-linearen Funktionen. Für lineare Abbildungen IST das Kern-Kriterium korrekt. Bei nicht-linearen Funktionen funktioniert es nicht.
Interaktiv verstehen
Lineare-Abbildungs-Lab
Wähle eine lineare Abbildung (Drehung / Spiegelung / Streckung / Scherung) und sieh:
- Wie das Einheitsquadrat transformiert wird
- Wie die Standard-Basisvektoren auf die neuen Spalten der Matrix abgebildet werden
- Die Matrix-Darstellung der Abbildung (live)
So entwickelst du Intuition für die Verbindung Matrix ↔ geometrische Transformation.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Tipp: Wenn die Klausur fragt "Bestimme die Matrix von Abbildung f", IMMER die Bilder der Standard-Basisvektoren f(vec(e₁)) und f(vec(e₂)) ausrechnen, das sind die Spalten der Matrix.
Praxis-Übung
Lineare Abbildungen, Praxis-Übung
6 Aufgaben zu Linearitäts-Test, Matrix-Darstellung, Bild/Kern, Komposition.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Welche der folgenden Funktionen ist linear?
Antwort: `f(x, y) = (2x + 3y, x - y)`
Erklärung: `(2x + 3y, x - y)` ist linear: Komponenten sind LINEARE Ausdrücke in x, y ohne Konstante. Translation ist affin (f(0) ≠ 0), x² ist nicht-linear (homogen verletzt), |x| ist nicht-linear (Additivität verletzt bei Vorzeichen-Wechsel).
- F2.Eine lineare Abbildung f: ℝ² → ℝ² erfüllt f((1,0)) = (3, 1) und f((0,1)) = (2, 4). Wie sieht die Matrix-Darstellung aus?
Antwort: `[[3, 2], [1, 4]]`
Erklärung: Die Spalten der Matrix sind die Bilder der Standard-Basisvektoren: 1. Spalte = `f(vec(e₁)) = (3, 1)^T`, 2. Spalte = `f(vec(e₂)) = (2, 4)^T`. Matrix: `[[3, 2], [1, 4]]`.
- F3.Eine lineare Abbildung muss den Ursprung auf den Ursprung abbilden: f(0⃗) = 0⃗.
Antwort: Wahr
Erklärung: RICHTIG. Aus Homogenität folgt `f(0⃗) = f(0 · v⃗) = 0 · f(v⃗) = 0⃗`. Schneller Test: wenn `f(0⃗) ≠ 0⃗`, ist `f` NICHT linear.
Typ: Wahr/Falsch
- F4.Was ist der Kern einer linearen Abbildung f: V → W?
Antwort: Alle Vektoren in V, die auf `0⃗` abgebildet werden
Erklärung: Kern(f) = `\v⃗ ∈ V : f(v⃗) = 0⃗\`. Urbild des Nullvektors. Wenn nur `0⃗` im Kern, ist f INJEKTIV.
- F5.Welche Aussagen über lineare Abbildungen sind RICHTIG?
Richtige Antworten: Drehungen und Spiegelungen sind lineare Abbildungen; Die Spalten der Matrix sind die Bilder der Standard-Basisvektoren; Komposition entspricht Matrix-Multiplikation; Dim(Kern) + Dim(Bild) = Dim(Definitionsbereich)
Erklärung: Richtig: Drehungen/Spiegelungen sind linear (Ursprung bleibt), Spalten = f(eᵢ), Komposition = Matrix-Multiplikation, Dim-Satz (Rangsatz). Falsch: Translationen halten Ursprung NICHT fest (nicht linear); Bijektivität braucht zusätzlich Quadrat-Matrix + invertierbar.
Typ: Multi-Select
- F6.Ordne Abbildung der Matrix zu:
Zuordnungen:
- Identität → $\begin{pmatrix} 1 & 0 \\ 0 & 1 \end{pmatrix}$
- Spiegelung an x-Achse → $\begin{pmatrix} 1 & 0 \\ 0 & -1 \end{pmatrix}$
- Drehung um 90° → $\begin{pmatrix} 0 & -1 \\ 1 & 0 \end{pmatrix}$
- Projektion auf x-Achse → $\begin{pmatrix} 1 & 0 \\ 0 & 0 \end{pmatrix}$
Erklärung: Standard-Beispiele für lineare Abbildungen mit Matrix-Darstellung. Spalten = Bilder der Basis-Vektoren.
Typ: Zuordnung
Klausur-Quiz
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Eine lineare Abbildung f: ℝ³ → ℝ² hat Rang 2. Was ist die Dimension des Kerns?
Antwort: 1
Erklärung: Dim-Satz: `n = dim(Kern) + Rang`. Hier `n = 3`, Rang = 2 → `dim(Kern) = 3 - 2 = 1`.
- F2.Eine lineare Abbildung f: ℝⁿ → ℝⁿ ist genau dann bijektiv, wenn det(A) ≠ 0.
Antwort: Wahr
Erklärung: RICHTIG. det ≠ 0 ⇔ Rang = n ⇔ Kern = {0} (injektiv) ⇔ Bild = ℝⁿ (surjektiv) ⇔ bijektiv ⇔ A invertierbar. Alles äquivalent für quadratische Matrizen.
Typ: Wahr/Falsch
- F3.Erst Drehung um 90° (A), dann Spiegelung an x-Achse (B). Welches Matrix-Produkt beschreibt die Komposition?
Antwort: `B · A`
Erklärung: Komposition `g ° f` heißt 'erst f, dann g'. In Matrizen: `B · A` (innere Abbildung rechts). Konvention: Matrix wirkt von links: `(g ° f)(v⃗) = g(f(v⃗)) = B(Av⃗) = (BA)v⃗`.
- F4.f: ℝ² → ℝ² ist linear mit Kern = \(0,0)\. Was folgt?
Antwort: f ist injektiv und damit bijektiv
Erklärung: Kern = {0} → f ist injektiv. Bei quadratischer Matrix folgt: injektiv ⇒ surjektiv ⇒ bijektiv. Auch: Rang = n - dim(Kern) = 2 - 0 = 2 → Bild = ℝ² (voller Raum).
- F5.Eine Funktion ist linear, wenn sie {{1}}- und {{2}}-Eigenschaft erfüllt. Schneller Test: f(0⃗) = {{3}}. Die {{4}} einer linearen Abbildung sind die Bilder der Standard-Basisvektoren.
Lösungen pro Lücke:
- {{1}}: Additivität / Additivitäts / Additivitaet
- {{2}}: Homogenität / Homogen / Homogenitaet
- {{3}}: \vec{0} / 0 / Null
- {{4}}: Spalten / Matrix-Spalten
Erklärung: Standard-Vokabular lineare Abbildungen. Additivität + Homogenität = Linearität. Spalten = Bilder der Basisvektoren.
Typ: Lückentext
- F6.Sortiere: Matrix einer linearen Abbildung f: ℝ² → ℝ² bestimmen.
Richtige Reihenfolge:
- Berechne $f(\vec{e_1}) = f((1, 0))$
- Berechne $f(\vec{e_2}) = f((0, 1))$
- Schreibe $f(\vec{e_1})$ als 1. Spalte der Matrix
- Schreibe $f(\vec{e_2})$ als 2. Spalte der Matrix
- Verifizieren: $A \vec{v}$ für einen Testvektor stimmt mit $f(\vec{v})$
Erklärung: Standard-Klausur-Workflow. Basisvektoren bildschauen, Bilder als Spalten der Matrix, mit Beispielvektor verifizieren.
Typ: Reihenfolge