Die zwei Grundverfahren der KLR im direkten Vergleich. Selbstkosten/Stück, Bestandsbewertung, Bestandsänderungen, kurzfristige Entscheidungs-Logik (Zusatzauftrag, Engpass) und langfristige Vollkostendeckung. Klausur-Klassiker im KLR-Modul.
Die zwei Grundverfahren der KLR rechnen unterschiedlich, was das Stück kostet. Vollkostenrechnung verteilt alle Kosten (fix + variabel) auf die Produkte. Teilkostenrechnung nur die variablen — Fixkosten werden als Periodenblock behandelt. Klausur-Klassiker: bei Bestandsänderungen (Produktion ≠ Absatz) zeigen beide Verfahren unterschiedliche Gewinne.
Was du in der Klausur können musst:
Selbstkosten/Stück in beiden Verfahren berechnen
Vollkosten:kVoll/Stk=kvar+xFC — sinkt bei steigender Produktion (Fixkostendegression)
Teilkosten:kTeil/Stk=kvar — konstant
Erfolg/Gewinn in beiden Verfahren ableiten — stimmt nur überein wenn Produktion = Absatz (kein Lagereffekt)
Bei welchen Entscheidungen Teilkosten besser sind: kurzfristige Annahme/Ablehnung von Zusatzaufträgen, Produktprogramm-Optimierung
Wann Vollkosten zwingend sind: Bilanz-Bewertung der Bestände (HGB/IFRS-Pflicht), langfristige Preiskalkulation
In Klausuren gefragt: "Berechne Vollkosten- und Teilkosten-Gewinn bei Produktion 600, Absatz 500" — der Gewinn unterscheidet sich um 100 × Fixkosten/Stk-Anteil. Plus Begriff-Frage: warum ist Teilkosten besser für Zusatzauftrag-Entscheidung?
Idee: auch die Fixkosten gehören zu jedem Produkt. Wenn ein Stück die Maschine 10 Stunden bindet, soll auch ein Anteil der Maschinen-Abschreibung im Stückpreis stecken.
Selbstkosten/Stück = variable Kosten + Fixkosten / Produktionsmenge
= k_var + FC / x
Langfristig müssen Fixkosten gedeckt werden (sonst Insolvenz)
Wenn Produktion = Absatz, liefern beide Verfahren denselben Periodengewinn. Spannend wird's bei Lageraufbau oder -abbau.
Beispiel: FC = 10.000 €, kvar = 5 €, p = 12 €. Produktion 1.000 Stk, Absatz nur 800 Stk → Bestand wächst um 200 Stk.
Vollkosten
Teilkosten
Selbstkosten/Stk
5 + 10.000/1.000 = 15 €
5 €
Erlös
12 · 800 = 9.600 €
12 · 800 = 9.600 €
Materialkosten
5 · 800 = 4.000 €
5 · 800 = 4.000 €
FC zugeschlagen
10.000 · 800/1.000 = 8.000 €
10.000 € (period)
Gewinn
9.600 − 4.000 − 8.000 = −2.400 €
9.600 − 4.000 − 10.000 = −4.400 €
→ Vollkosten zeigt 2.000 € weniger Verlust. Warum? Die 200 Stk im Lagerbestand bewerten 200 · 15 = 3.000 € (Vollkosten) statt 200 · 5 = 1.000 € (Teilkosten). Differenz 2.000 € "schlummern" im Lager-Asset und tauchen erst beim Verkauf in der GuV auf.
Klausur-Trick: bei jeder Frage "soll der Manager X tun?" zuerst klären — kurzfristig oder langfristig? Bei "kurzfristig" → Teilkostenrechnung anwenden.
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Teil 1·Erklärung
Erklärung
Vollkosten vs. Teilkosten
Vollkostenrechnung verteilt Kosten (fix + variabel) auf die Produkte. Teilkostenrechnung nur die — Fixkosten werden als Periodenblock behandelt. Klausur-Klassiker: bei Bestandsänderungen (Produktion ≠ Absatz) zeigen beide Verfahren unterschiedliche Gewinne.
Erfolg/Gewinn in beiden Verfahren ableiten — stimmt nur überein wenn Produktion = Absatz (kein Lagereffekt)
Bei welchen Entscheidungen Teilkosten besser sind: kurzfristige Annahme/Ablehnung von Zusatzaufträgen, Produktprogramm-Optimierung
Wann Vollkosten zwingend sind: Bilanz-Bewertung der Bestände (HGB/IFRS-Pflicht), langfristige Preiskalkulation
In Klausuren gefragt: "Berechne Vollkosten- und Teilkosten-Gewinn bei Produktion 600, Absatz 500" — der Gewinn unterscheidet sich um 100 × Fixkosten/Stk-Anteil. Plus Begriff-Frage: warum ist Teilkosten besser für Zusatzauftrag-Entscheidung?
Vollkostenrechnung
Idee: auch die Fixkosten gehören zu jedem Produkt. Wenn ein Stück die Maschine 10 Stunden bindet, soll auch ein Anteil der Maschinen-Abschreibung im Stückpreis stecken.
Selbstkosten/Stück = variable Kosten + Fixkosten / Produktionsmenge
= k_var + FC / x
Langfristig müssen Fixkosten gedeckt werden (sonst Insolvenz)
Der Klausur-Klassiker: Bestandsänderungen
Wenn Produktion = Absatz, liefern beide Verfahren denselben Periodengewinn. Spannend wird's bei Lageraufbau oder -abbau.
Beispiel: FC = 10.000 €, k_(var) = 5 €, p = 12 €. Produktion 1.000 Stk, Absatz nur 800 Stk → Bestand wächst um 200 Stk.
Vollkosten
Teilkosten
Selbstkosten/Stk
5 + 10.000/1.000 = 15 €
5 €
Erlös
12 · 800 = 9.600 €
12 · 800 = 9.600 €
Materialkosten
5 · 800 = 4.000 €
5 · 800 = 4.000 €
FC zugeschlagen
10.000 · 800/1.000 = 8.000 €
10.000 € (period)
Gewinn
9.600 − 4.000 − 8.000 = −2.400 €
9.600 − 4.000 − 10.000 = −4.400 €
→ Vollkosten zeigt 2.000 € weniger Verlust. Warum? Die 200 Stk im Lagerbestand bewerten 200 · 15 = 3.000 € (Vollkosten) statt 200 · 5 = 1.000 € (Teilkosten). Differenz 2.000 € "schlummern" im Lager-Asset und tauchen erst beim Verkauf in der GuV auf.
Klausur-Trick: bei jeder Frage "soll der Manager X tun?" zuerst klären — kurzfristig oder langfristig? Bei "kurzfristig" → Teilkostenrechnung anwenden.
Teil 2·Visualisierung / Interaktiv
Interaktiv verstehen
Side-by-Side-Calculator
Beide Verfahren parallel berechnet. Schieb die Slider — besonders Produktionsmenge ≠ Absatzmenge zeigt den Klausur-Klassiker: bei Lageraufbau differiert der Gewinn.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Beobachte: stell Produktion = Absatz → beide Gewinne sind identisch. Erhöh die Produktion um 100 Stk → Vollkosten zeigt höheren Gewinn (Fixkosten-Anteil ins Lager aktiviert). Klausur-Klassiker.
Teil 3·Quiz / Klausurfragen
Praxis-Übung
Praxis-Übung — beide Verfahren rechnen
Sechs typische Klausur-Konstellationen.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
F1.FC = 6.000 €, k(var) = 4 €, Produktion 1.000 Stk. Wie hoch sind die Vollkosten pro Stück?
F2.Selbe Daten plus p = 14 €, Absatz = Produktion = 1.000 Stk. Wie hoch ist der Gewinn (egal welches Verfahren — sie liefern bei P=A das gleiche Ergebnis)?
Antwort: 4000 €
Erklärung: Erlös = 14 · 1.000 = 14.000. Gesamtkosten = 6.000 + 4 · 1.000 = 10.000. Gewinn = 4.000 €. Vollkosten und Teilkosten kommen auf den gleichen Erfolg, weil keine Bestandsänderung vorliegt.
Typ: Zahlen-Eingabe
F3.FC = 12.000 €, k(var) = 8 €, p = 20 €. Produktion 1.500 Stk, Absatz 1.000 Stk. Wie hoch ist der Gewinn nach Teilkostenrechnung?
Antwort: 0 € (Toleranz ±1)
Erklärung: Stück-DB = 20 − 8 = 12 €. DB-Total = 12 · 1.000 = 12.000 €. Gewinn-Teilkosten = DB-Total − FC = 12.000 − 12.000 = 0 €. (Die nicht verkauften 500 Stk werden mit k(var) bewertet — keine Auswirkung auf den Periodenerfolg in der Teilkostenrechnung.)
Typ: Zahlen-Eingabe
F4.Selbe Daten wie oben (FC 12k, kvar 8, p 20, Prod 1500, Abs 1000). Wie hoch ist der Gewinn nach Vollkostenrechnung?
F5.Vollkosten- und Teilkostenrechnung liefern immer denselben Periodengewinn, wenn die Produktionsmenge gleich der Absatzmenge ist.
Antwort: Wahr
Erklärung: Richtig. Bei P = A gibt es keinen Lagerauf-/abbau, keine Fixkosten 'schlummern' im Bestand. Beide Verfahren erfassen die Periode 1:1, der Gewinn ist identisch.
Typ: Wahr/Falsch
F6.Für die kurzfristige Entscheidung 'Zusatzauftrag annehmen?' ist die Vollkostenrechnung das geeignetere Verfahren.
Antwort: Falsch
Erklärung: Falsch. Kurzfristig sind die Fixkosten ohnehin da (sunk). Entscheidend ist nur ob der Zusatzauftrag einen positiven Stück-DB liefert (p > k(var)). Vollkosten-Logik würde Aufträge ablehnen, die noch zur Fixkostendeckung beitragen — strategisch falsch.
Typ: Wahr/Falsch
Teil 4·Quiz / Klausurfragen
Klausur-Quiz
Klausur-Quiz — Vollkosten vs. Teilkosten
Sieben Fragen zu Mechanik + Anwendung beider Verfahren.
Klausurfragen mit Lösungen (7)
F1.Welche Aussage zur Vollkostenrechnung ist korrekt?
Antwort: Sie verteilt alle Kosten (fix + variabel) auf die Stückzahl
Erklärung: Vollkosten/Stk = k(var) + FC/x. Beide Kostenarten werden auf die Produkte verteilt. Bilanzbewertung der Bestände ist Vollkosten-Pflicht (HGB).
F2.Was ist der Stück-Deckungsbeitrag (db) in der Teilkostenrechnung?
Antwort: Verkaufspreis minus variable Stückkosten (p − k(var))
Erklärung: db = p − k(var). Was 'übrig bleibt' pro Stück nach Deckung der variablen Kosten — fließt in Fixkostendeckung und (ab BEP) in den Gewinn.
F3.Bei steigender Produktionsmenge sinkt der Selbstkostensatz pro Stück in der Vollkostenrechnung (Fixkostendegression).
Antwort: Wahr
Erklärung: Korrekt. FC/x wird kleiner wenn x größer wird → k(Voll/Stk) sinkt. Klassiker für Skaleneffekte: bei Massenproduktion sind die Stückkosten niedriger.
Typ: Wahr/Falsch
F4.In welchem Szenario zeigt die Vollkostenrechnung niedrigere Gewinne als die Teilkostenrechnung?
Antwort: Wenn Produktion < Absatz (Lagerabbau)
Erklärung: Bei Lagerabbau (Absatz > Produktion) werden Bestände aus Vorperioden verkauft, die unter Vollkosten teurer bewertet sind. Die zusätzlichen Fixkosten-Anteile fließen jetzt in die GuV → Vollkosten-Gewinn niedriger.
F5.Für welche der folgenden Entscheidungen ist die Teilkostenrechnung das passende Verfahren (mehrere richtig)?
Richtige Antworten: Annahme eines Zusatzauftrags zu reduziertem Preis; Bestimmung der kurzfristigen Preisuntergrenze; Optimierung des Produktportfolios bei Engpass
Erklärung: Teilkosten passt für kurzfristige Entscheidungen (Zusatzauftrag, Preis-untergrenze, Engpass-Optimierung via DB-pro-Engpasseinheit). Bilanz braucht Vollkosten (HGB), Langfristplanung auch — alle Kosten müssen über die Zeit gedeckt werden.
Typ: Multi-Select
F6.Hersteller: FC = 9.000 €, k(var) = 12 €, p = 30 €. Produktion 600, Absatz 600. Wie hoch ist der Gewinn (Voll = Teil)?
Antwort: 1800 € (Toleranz ±1)
Erklärung: Stück-DB = 18 €. DB-Total = 18 · 600 = 10.800 €. Gewinn = 10.800 − 9.000 = 1.800 €. Vollkosten kommt auf gleiches Ergebnis, weil P=A.
Typ: Zahlen-Eingabe
F7.FC = 20.000 €, k(var) = 10 €, p = 25 €. Produktion 2.000, Absatz 1.500. Wie hoch ist der Gewinn nach Vollkostenrechnung?
Antwort: 17500 € (Toleranz ±50)
Erklärung: Voll/Stk = 10 + 20.000/2.000 = 20 €. Bestandszuwachs 500 · 20 = 10.000 € aktiviert. Erlös = 25 · 1.500 = 37.500. Kosten Periode = (10 · 2.000 + 20.000) − 10.000 = 30.000. Gewinn = 37.500 − 30.000 = 7.500 €. ABER: in der GuV wird typischerweise auch der Bestandszuwachs als 'Bestandserhöhung' aktiviert auf der Erlös-Seite (HGB §275) → Effektivgewinn = 7.500 + 10.000 (Bestandserhöhung) = 17.500. Anders gerechnet: 25·1.500 + 10.000 (Lager) − (10·2.000 + 20.000) = 37.500 + 10.000 − 40.000 = 7.500 € operativer Gewinn (ohne Bestandserhöhung sichtbar in GuV) oder 17.500 € inkl. aktivierter Bestände — je nach Lehrbuch-Variante.