Alle Tabs der Lerneinheit (Erklärung · Interaktiv verstehen · Praxis-Übung · Klausur-Quiz) als durchgehender Text. Ideal zum Wiederholen vor der Klausur, und für Suchmaschinen wie Google, Bing und KI-Suche (ChatGPT, Perplexity).
Erklärung
Es gibt Vektoren, die eine Matrix-Transformation NUR streckt, nicht dreht, nicht spiegelt. Diese besonderen Vektoren heißen Eigenvektoren, der Streckungsfaktor ist der Eigenwert. Das klingt erstmal abstrakt, ist aber DAS Konzept der linearen Algebra, Klausur-Pflicht in 16/16 WInf-Mathe-1-Klausuren und Grundlage für PCA, Google PageRank, Quantenmechanik.
Die Idee in einem Satz
Eigenvektor
v⃗einer MatrixAist ein Vektor, für den gilt:A v⃗ = λ v⃗, die Matrix-Multiplikation strecktv⃗nur, ohne die Richtung zu ändern.λist der zugehörige Eigenwert.
Geometrische Intuition
Stell dir vor, eine Matrix A ist eine Transformation (Drehung, Streckung, Scherung). Sie wirkt auf alle Vektoren der Ebene/des Raums.
Die meisten Vektoren ändern sowohl ihre Länge ALS AUCH ihre Richtung.
Eigenvektoren sind die seltenen Vektoren, die nur ihre Länge ändern (oder gleich bleiben). Sie liegen auf einer Linie durch den Ursprung, die unter der Transformation stabil bleibt.
λ | Wirkung auf v⃗ |
|---|---|
λ > 1 | Streckung |
λ = 1 | Vektor bleibt unverändert |
0 < λ < 1 | Stauchung |
λ = 0 | Vektor wird auf 0 abgebildet |
λ < 0 | Streckung MIT Richtungs-Flip |
Charakteristisches Polynom
So findest du Eigenwerte rechnerisch:
A v⃗ = λ v⃗ ⇔ (A - λ I) v⃗ = 0⃗
Für nicht-triviale Lösungen v⃗ ≠ 0⃗ muss die Matrix A - λ I singulär sein:
det(A - λ I) = 0
Das ist das charakteristische Polynom χ_A(λ). Seine Nullstellen sind die Eigenwerte.
Komplettes Beispiel: 2×2
Gegeben:
A = [[4, 1], [2, 3]]
Schritt 1, Charakteristisches Polynom:
det(A - λ I) = det[[4-λ, 1], [2, 3-λ]] = (4-λ)(3-λ) - 2 = λ² - 7λ + 10
Schritt 2, Nullstellen finden:
λ² - 7λ + 10 = 0 ⇒ λ₁ = 5, λ₂ = 2
Schritt 3, Eigenvektor zu λ₁ = 5: Löse (A - 5I)v⃗ = 0⃗:
[[-1, 1], [2, -2]] v⃗ = 0⃗ ⇒ v₁ = v₂ ⇒ vec(v₁) = (1, 1)
Schritt 4, Eigenvektor zu λ₂ = 2: Löse (A - 2I)v⃗ = 0⃗:
[[2, 1], [2, 1]] v⃗ = 0⃗ ⇒ 2v₁ + v₂ = 0 ⇒ vec(v₂) = (1, -2)
Verifikation: A vec(v₁) = (5, 5) = 5 vec(v₁) ✓ und A vec(v₂) = (2, -4) = 2 vec(v₂) ✓.
Eigenwerte & Eigenschaften
| Eigenschaft | Bedeutung |
|---|---|
| Spur = Summe der Eigenwerte | tr(A) = λ₁ + λ₂ + ... |
| Determinante = Produkt der Eigenwerte | det(A) = λ₁ · λ₂ · ... |
λ = 0 ist Eigenwert | ⇔ det(A) = 0 (Matrix singulär) |
Eigenwerte von A^T | gleich denen von A |
Eigenwerte von A^(-1) | sind 1/λ_i (falls A invertierbar) |
Eigenwerte von Aⁿ | sind λ_iⁿ |
Klausur-Trick: Spur und Determinante reichen für 2×2 oft, um die Eigenwerte zu finden ohne Polynom zu lösen.
Algebraische vs. geometrische Vielfachheit
- Algebraische Vielfachheit: Wie oft
λals Nullstelle des charakteristischen Polynoms vorkommt - Geometrische Vielfachheit: Dimension des Eigenraums = Anzahl linear unabhängiger Eigenvektoren
Faustregel: Geometrische ≤ Algebraische Vielfachheit. Wenn beide gleich für alle λ, ist die Matrix diagonalisierbar.
Diagonalisierung
Eine Matrix A ist diagonalisierbar, wenn:
A = P D P^(-1)
wobei D die Diagonalmatrix mit Eigenwerten ist und P die Matrix mit Eigenvektoren als Spalten.
Nutzen: Aⁿ = P Dⁿ P^(-1), Matrix-Potenzen werden trivial, weil Dⁿ einfach jeden Diagonal-Eintrag potenziert.
Eigenvektoren sind nicht eindeutig
Wenn v⃗ Eigenvektor ist, ist auch c · v⃗ für jedes c ≠ 0 ein Eigenvektor (zum gleichen λ). Klausuren erwarten meist die einfachste Form (ganzzahlig, kein gemeinsamer Faktor).
Spezialfälle
Symmetrische Matrix (A = A^T):
- Eigenwerte sind IMMER reell
- Eigenvektoren zu verschiedenen Eigenwerten sind orthogonal
- IMMER diagonalisierbar
Dreiecksmatrix:
- Eigenwerte = Diagonal-Einträge
Identitätsmatrix I:
- Eigenwerte alle 1
- Jeder Vektor ist Eigenvektor
Klausur-Faustregeln
1. Eigenwerte: det(A - λ I) = 0. Charakteristisches Polynom aufstellen und Nullstellen finden.
2. Eigenvektor zu λ: (A - λ I)v⃗ = 0⃗. Mit Gauß lösen, eine freie Variable wählen.
3. Spur = Σ λ_i, Determinante = ∏ λ_i. Bei 2×2 oft schneller als Polynom.
4. λ = 0 ⇔ A singulär. Wichtige Brücke zu Determinanten-Eigenschaften.
5. Symmetrische Matrix → reelle Eigenwerte, orthogonale Eigenvektoren. Bonus-Klausurfrage.
Häufige Stolpersteine
1. A v⃗ = λ v⃗ mit v⃗ = 0⃗. Der Nullvektor ist trivial KEIN Eigenvektor, er erfüllt A · 0⃗ = λ · 0⃗ für JEDES λ, ist also unnütz.
2. Eigenwerte als komplexe Zahlen ignorieren. Für nicht-symmetrische Matrizen können Eigenwerte komplex sein (λ = a + bi). Klausur erwartet das in den meisten Fällen NICHT (nur reelle), aber prüfe Diskriminante.
3. Algebraische vs. geometrische Vielfachheit verwechseln. Bei doppelter Nullstelle (λ mit alg. Vielfachheit 2) hast du entweder 2 linear unabhängige Eigenvektoren (geometrisch 2, diagonalisierbar) oder nur 1 (geometrisch 1, NICHT diagonalisierbar).
4. Eigenvektor mit beliebigem Skalar. Wenn v⃗ = (2, 2) Eigenvektor, ist auch (1, 1) Eigenvektor. Klausur erwartet die einfachste Form, niemals als Bruch.
5. Charakteristisches Polynom falsch aufstellen. det(A - λ I), NICHT det(λ I - A) (Vorzeichen kann variieren). Konsistente Konvention nutzen.
Interaktiv verstehen
Eigenvektor-Transformations-Lab
Wähle eine 2×2-Matrix und sieh wie sie Vektoren transformiert:
- Die Eigenvektoren sind die Richtungen, die nur skaliert werden (markiert in Akzent)
- Alle anderen Vektoren werden gedreht durch die Transformation
- Die Eigenwerte stehen oben, sie sagen wie stark gestreckt wird
Klick einen Vektor an, um seine Transformation zu sehen.
Interaktive Visualisierung
Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.
Klausur-Tipp: Bei "Berechne die Eigenwerte", IMMER zuerst Spur und Determinante. Bei 2×2: λ₁ + λ₂ = tr(A) und λ₁ · λ₂ = det(A). Oft kannst du die Eigenwerte daraus raten ohne Polynom zu lösen.
Praxis-Übung
Eigenwerte & Eigenvektoren, Praxis-Übung
6 Aufgaben zu Eigenwerten, Eigenvektoren, Diagonalisierung.
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Was ist die Definition eines Eigenvektors v⃗ einer Matrix A?
Antwort: `A v⃗ = λ v⃗` mit `v⃗ ≠ 0⃗`
Erklärung: Eigenvektor-Definition: `A v⃗ = λ v⃗` mit `v⃗ ≠ 0⃗`. Der Vektor wird durch die Transformation nur gestreckt (mit Faktor λ), nicht gedreht. Nullvektor ist explizit ausgeschlossen.
- F2.Spur(A) = 7, det(A) = 12. Was ist der größere Eigenwert von A (2×2-Matrix)?
Antwort: 4
Erklärung: `λ₁ + λ₂ = 7` und `λ₁ · λ₂ = 12`. Faktorisieren von `x² - 7x + 12 = (x-3)(x-4)` → `λ = 3, 4`. Größerer: 4.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F3.Wenn λ = 0 Eigenwert von A ist, dann ist A singulär (nicht invertierbar).
Antwort: Wahr
Erklärung: RICHTIG. `det(A) = ∏ λ_i`. Wenn ein Eigenwert 0 ist, ist auch det(A) = 0 → A nicht invertierbar. Logische Brücke zwischen Eigenwerten und Determinante.
Typ: Wahr/Falsch
- F4.Wie findet man die Eigenwerte einer Matrix?
Antwort: Nullstellen des charakteristischen Polynoms `det(A - λ I) = 0` finden
Erklärung: Standard-Methode: `det(A - λ I) = 0` → Polynom in `λ` → Nullstellen sind die Eigenwerte. Spur und Determinante sind Hilfsmittel, lösen aber nicht direkt für jede Matrix.
- F5.Welche Aussagen über Eigenwerte sind RICHTIG?
Richtige Antworten: Symmetrische Matrizen haben reelle Eigenwerte; Eigenwerte einer Dreiecksmatrix = Diagonal-Einträge; Spur = Summe der Eigenwerte; Eigenwerte von `Aⁿ` sind `λⁿ`
Erklärung: Richtig: Symmetrisch→reell, Dreieck→Diagonale, Spur=Σλ, `Aⁿ→λⁿ`. Falsch: Eigenvektoren sind bis auf Skalierung eindeutig (jedes `cv⃗` ist auch Eigenvektor); nicht jede Matrix ist diagonalisierbar (z.B. Jordan-Blöcke).
Typ: Multi-Select
- F6.Ordne den Schritt der Berechnung zu:
Zuordnungen:
- Eigenwerte finden → $\det(A - \lambda I) = 0$
- Eigenvektor zu $\lambda$ finden → $(A - \lambda I)\vec{v} = \vec{0}$ mit Gauß lösen
- Matrix diagonalisieren → $A = P D P^{-1}$ mit P=Eigenvektoren, D=Eigenwerte
- Schnell-Check für 2×2 Eigenwerte → Spur + Determinante geben Σλ und Πλ
Erklärung: Standard-Workflow Eigenwerte. Polynom → Nullstellen (Eigenwerte) → Gauß für jeden Eigenwert (Eigenvektoren) → Diagonalisierung.
Typ: Zuordnung
Klausur-Quiz
Klausurfragen mit Lösungen (6)
- F1.Eigenwerte von A = [[3, 0], [0, 5]]. Was ist das Produkt der Eigenwerte?
Antwort: 15
Erklärung: Bei Diagonalmatrix sind die Eigenwerte die Diagonal-Einträge: `λ₁ = 3`, `λ₂ = 5`. Produkt = 15 = det(A).
Typ: Zahlen-Eingabe
- F2.Charakteristisches Polynom von A = [[4, 1], [2, 3]]. Was ist der größere Eigenwert?
Antwort: 5 (Toleranz ±0.05)
Erklärung: `det(A - λ I) = (4-λ)(3-λ) - 2 = λ² - 7λ + 10 = 0`. Nullstellen: `λ = 5, 2`. Größerer: 5.
Typ: Zahlen-Eingabe
- F3.Wenn v⃗ ein Eigenvektor zu λ ist, ist auch 3v⃗ ein Eigenvektor zu λ.
Antwort: Wahr
Erklärung: RICHTIG. `A(3v⃗) = 3(Av⃗) = 3(lambdav⃗) = λ(3v⃗)`. Jedes skalare Vielfache eines Eigenvektors ist auch Eigenvektor (zum gleichen Eigenwert).
Typ: Wahr/Falsch
- F4.Eine symmetrische 2×2-Matrix hat Eigenwerte 3 und 7. Was ist die Determinante?
Antwort: 21
Erklärung: det(A) = Produkt der Eigenwerte = 3 · 7 = 21. Universelle Eigenschaft, unabhängig von Symmetrie.
- F5.Die Eigenwerte einer Matrix sind die Nullstellen des {{1}}-Polynoms det(A - λ I) = 0. Den Eigenvektor zu einem Eigenwert λ findet man durch Lösen von (A - λ I){2} = 0⃗. Die {{3}} der Matrix ist die Summe ihrer Eigenwerte. Die Determinante ist das {{4}} der Eigenwerte.
Lösungen pro Lücke:
- {{1}}: charakteristischen / char. / charakt.
- {{2}}: \vec{v} / v / $\vec{v}$
- {{3}}: Spur / Trace / tr
- {{4}}: Produkt
Erklärung: Standard-Vokabular Eigenwerte. Charakteristisches Polynom, Eigenvektor via Gauß, Spur = Σλ, det = Πλ.
Typ: Lückentext
- F6.Sortiere: Eigenwerte + Eigenvektoren einer 2×2-Matrix berechnen.
Richtige Reihenfolge:
- $A - \lambda I$ aufstellen
- $\det(A - \lambda I)$ berechnen → charakteristisches Polynom
- Nullstellen finden → Eigenwerte $\lambda_1, \lambda_2$
- Für jedes $\lambda_i$: $(A - \lambda_i I)\vec{v} = \vec{0}$ mit Gauß lösen
- Eigenvektor $\vec{v_i}$ ablesen (eine Variable wählen)
- Verifizieren: $A \vec{v_i} = \lambda_i \vec{v_i}$
Erklärung: Standard-Workflow für Eigenwert-Aufgaben. Polynom → Nullstellen → Gauß für jeden Eigenwert → Eigenvektor → Verifikation.
Typ: Reihenfolge