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  • Einführung
  • Die Idee in einem Satz
  • Lagerfunktionen
  • Klassische Bestellpolitiken
  • Sicherheitsbestand-Berechnung
  • Lager-Kennzahlen
  • Beispiel-Rechnung
  • ABC-Analyse + XYZ-Analyse
  • Vendor Managed Inventory (VMI)
  • Just-in-Time-Limits
  • Klausur-Faustregeln
  • Stolpersteine
  • Quellen
ThemenBusiness AnalyticsLagerhaltung + Bestellpolitik
Business Analytics·4Lerneinheiten·22min·Stand17.07.2026

Lagerhaltung + Bestellpolitik.

Wann und wie viel bestellen? Klausurpflicht in 5/5 Produktions-Modulen. Verbindet Andler (Wie viel?) mit Bestellpunkt-Logik (Wann?).

Bestelle Menge Q sobald Lagerbestand Bestellpunkt s = (d × LT) + SS erreicht. Sicherheitsbestand SS = z × σ_LT schützt vor stochastischen Schwankungen während der Wiederbeschaffungszeit.

  1. Ausgleichsfunktion: Schwankungen zwischen Beschaffung + Verbrauch ausgleichen
  2. Sicherungsfunktion: Pufferschutz gegen Lieferausfall + Nachfrageschwankungen
  3. Sortimentsfunktion: verschiedene Artikel bereithalten (Handel)
  4. Produktionsfunktion: Reifelager (Wein, Käse), Lagerung als Wertsteigerung
  5. Spekulationsfunktion: Vorrat in Erwartung steigender Preise

(s, Q)-Politik (Bestellpunkt-Bestellmenge)

Logik: Sobald Lager ≤ s → bestelle FIXE Menge Q.

Charakteristik:

  • Festes Q (oft Andler-EOQ)
  • Variable Zeit zwischen Bestellungen
  • Bestellpunkt s = (d × LT) + Sicherheitsbestand
  • Geeignet bei stetiger Überwachung

(s, S)-Politik (Bestellpunkt-Sollniveau)

Logik: Sobald Lager ≤ s → bestelle bis Sollbestand S erreicht ist (variable Menge).

Charakteristik:

  • Variable Q = S − aktueller Bestand
  • Vorteil bei sprunghaftem Verbrauch
  • Beispiel: Lager-Auffüllung im Supermarkt

(t, Q)-Politik (zeitgesteuerte Bestellrhythmus)

Logik: Alle t Tage bestelle FIXE Menge Q (z.B. wöchentliche Bestellung).

Charakteristik:

  • Festes t
  • Festes Q
  • Einfach in der Praxis, aber riskant bei Nachfrage-Schwankungen

(t, S)-Politik (zeitgesteuertes Sollniveau)

Logik: Alle t Tage bestelle bis Sollbestand S.

Charakteristik:

  • Festes t
  • Variable Q
  • Gut bei sehr regelmäßigen Lieferantenzyklen

Idee: Schutz gegen Stochastik in der Wiederbeschaffungszeit (LT).

Bei normalverteilter Nachfrage:

SS=z⋅σLTSS = z \cdot \sigma_{LT}SS=z⋅σLT​

mit:

  • σLT\sigma_{LT}σLT​: Standardabweichung der Nachfrage während LT
  • zzz: Z-Wert für gewünschten Service-Grad α

Service-Grad-Tabelle:

Service-Grad αz-Wert
90 %1.28
95 %1.65
97.5 %1.96
99 %2.33
99.5 %2.58

Falls σ_d (Tagesnachfrage-Streuung) gegeben + LT konstant:

σLT=σd⋅LT\sigma_{LT} = \sigma_d \cdot \sqrt{LT}σLT​=σd​⋅LT​

(Wurzelgesetz, weil Varianzen additiv sind.)

Falls beide stochastisch:

σLT=LT⋅σd2+d2⋅σLT−Zeit2\sigma_{LT} = \sqrt{LT \cdot \sigma_d^2 + d^2 \cdot \sigma_{LT-Zeit}^2}σLT​=LT⋅σd2​+d2⋅σLT−Zeit2​​
KennzahlFormelInterpretation
Ø-BestandQ/2 + SSDurchschnittlicher Lagerbestand
Umschlagshäufigkeit (U)Jahresbedarf / Ø-BestandWie oft pro Jahr "dreht" das Lager
Lagerdauer (T_L)365 / UWie viele Tage liegt Material im Schnitt
Lagerreichweiteaktueller Bestand / TagesbedarfWie viele Tage hält der Bestand noch
Servicegrad α (α-Grad)P(keine Fehlmenge in Zyklus)Wahrscheinlichkeit ohne Stockout
Servicegrad β (β-Grad)erfüllte Nachfrage / GesamtnachfrageFill Rate (häufiger benutzt)

Geg.: d = 100 Stück/Tag, σ_d = 20 Stück/Tag, LT = 5 Tage, gewünschter Service-Grad α = 95 % (z = 1.65).

Schritt 1: σLT=σd⋅LT=20⋅5≈44.7\sigma_{LT} = \sigma_d \cdot \sqrt{LT} = 20 \cdot \sqrt{5} \approx 44.7σLT​=σd​⋅LT​=20⋅5​≈44.7

Schritt 2: SS=z⋅σLT=1.65⋅44.7≈74SS = z \cdot \sigma_{LT} = 1.65 \cdot 44.7 \approx 74SS=z⋅σLT​=1.65⋅44.7≈74 Stück

Schritt 3: s=d⋅LT+SS=100⋅5+74=574s = d \cdot LT + SS = 100 \cdot 5 + 74 = 574s=d⋅LT+SS=100⋅5+74=574 Stück

→ Bei Bestand ≤ 574 Bestellung Q (z.B. Andler-EOQ) auslösen.

ABC-Analyse (Wertklassen)

Pareto 80/20:

  • A-Material: 20 % Anzahl, 80 % Wert → enge Kontrolle, MRP, hohe SS
  • B-Material: 30 % Anzahl, 15 % Wert → mittlere Kontrolle
  • C-Material: 50 % Anzahl, 5 % Wert → einfache Min/Max-Bestände

XYZ-Analyse (Verbrauchsverlauf)

  • X-Material: konstanter Verbrauch (gut prognostizierbar) → niedrige SS
  • Y-Material: schwankend (saisonal) → mittlere SS
  • Z-Material: stark schwankend (unregelmäßig) → hohe SS

→ AX-Material: wertvoll + planbar → optimal mit Andler + (s,Q) → CZ-Material: günstig + unregelmäßig → großzügige Sicherheitsbestände → AZ-Material: Problem (wertvoll + unregelmäßig) → genaue Marktanalyse, Vendor Managed Inventory

Modernes Konzept: Lieferant überwacht + füllt das Lager des Kunden eigenständig.

Vorteile:

  • Kunde spart Planungsaufwand
  • Lieferant sieht Realnachfrage (kein Bullwhip-Effekt)
  • Schnellere Reaktion

Bekannt: Würth (Schraubenfächer), Coca-Cola (Supermarktregale).

Lean-Idee: SS = 0, Bestand minimal. Aber:

  • Lieferanten-Probleme legen Produktion lahm (Toyota 1997 Aisin-Brand!)
  • Pandemien zeigen Verwundbarkeit (Halbleiter-Mangel 2021)
  • → Trend zurück zu höheren SS für kritische Komponenten ("Just-in-Case")
  1. (s, Q)-Politik: fixe Menge Q, variable Zeit, Bestellpunkt s
  2. Bestellpunkt-Formel: s = (d × LT) + SS
  3. Sicherheitsbestand: SS = z × σ_LT (z aus Service-Grad-Tabelle)
  4. Wurzelgesetz: σ_LT = σ_d × √LT (bei konstantem LT)
  5. Ø-Bestand: Q/2 + SS
  6. Umschlagshäufigkeit: U = Jahresbedarf / Ø-Bestand
  7. ABC-Klassen: A streng + C einfach; XYZ-Klassen: X planbar + Z chaotisch
  8. Service-Grade: α = ohne Stockout pro Zyklus, β = Fill Rate (Σ Nachfrage erfüllt)

❌ "Hohe SS = immer gut", FALSCH. SS kostet Geld (Kapitalbindung + Lagerkosten). Balance gegen Service-Grad-Anforderung.

❌ "Wurzelgesetz σ_LT = σ_d × LT", FALSCH. σ_LT = σ_d × √LT (Wurzel, nicht linear). Klausur-Klassiker-Fehler.

❌ "α-Grad = β-Grad", FALSCH. α-Grad = Wahrscheinlichkeit OHNE Stockout pro Zyklus (Ereignis-basiert). β-Grad = Fill Rate (Mengen-basiert). α kann hoch sein, β niedrig (wenn Stockouts groß sind).

❌ "(s, Q) und (s, S) sind dasselbe", FALSCH. (s, Q) bestellt FIX Q, (s, S) bestellt bis Sollniveau S (variable Menge).

❌ "JIT = keine Lager", FALSCH. JIT minimiert Lager, aber nie 0. Kritische Sicherheitsbestände bleiben.

❌ "VMI ist nur für Lieferant gut", FALSCH. Win-Win: Kunde spart Aufwand + Lieferant sieht Realnachfrage (kein Bullwhip).

  • Tempelmeier, H. Bestandsmanagement in Supply Chains, 6. Aufl., Books On Demand 2018. Standardwerk DACH.
  • Silver, E. A.; Pyke, D. F.; Peterson, R. Inventory Management and Production Planning and Scheduling, 3. Aufl., Wiley 1998. Englischer Klassiker.
  • Günther, H.-O.; Tempelmeier, H. Produktion und Logistik, 9. Aufl., Springer 2012. Kap. 9-10 Lagerhaltung.
  • Nahmias, S. Production and Operations Analysis, 7. Aufl., Waveland 2015. US-Standardlehrbuch.
  • Krcmar, H. Informationsmanagement, 7. Aufl., Springer Gabler 2020. VMI-Konzepte.
  • Bundesverband Materialwirtschaft (BME): ABC/XYZ-Analyse-Standards.

Klassischer Sägezahn-Verlauf der (s, Q)-Politik mit Bestellpunkt-Linie (orange) und Sicherheitsbestand (rot). 5 Slider: Bestellmenge Q, Tagesbedarf d, Wiederbeschaffungszeit LT, Service-Grad-z-Wert, Standardabweichung σ_LT. Live-Berechnung Bestellpunkt s = (d × LT) + SS und Ø-Bestand Q/2 + SS plus Service-Grad-Tabelle.

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Klausur-Tipp: Bei Bestellpolitik-Aufgaben IMMER 1) Politik wählen ((s,Q) Standard, (s,S) bei sprunghaftem Verbrauch), 2) SS = z × σ_LT mit Wurzelgesetz σ_LT = σ_d × √LT, 3) s = d × LT + SS, 4) Ø-Bestand Q/2 + SS für Lagerkosten.

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Inhalt dieser Übersicht

  1. Erklärung(Erklärung)
  2. Interaktiv verstehen(Visualisierung / Interaktiv)
  3. Praxis-Übung(Quiz / Klausurfragen)
  4. Klausur-Quiz(Quiz / Klausurfragen)
Teil 1·Erklärung

Erklärung

Wann und wie viel bestellen? Klausurpflicht in 5/5 Produktions-Modulen. Verbindet Andler (Wie viel?) mit Bestellpunkt-Logik (Wann?).

Die Idee in einem Satz

Bestelle Menge Q sobald Lagerbestand Bestellpunkt s = (d × LT) + SS erreicht. Sicherheitsbestand SS = z × σ_LT schützt vor stochastischen Schwankungen während der Wiederbeschaffungszeit.

Lagerfunktionen

  1. Ausgleichsfunktion: Schwankungen zwischen Beschaffung + Verbrauch ausgleichen
  2. Sicherungsfunktion: Pufferschutz gegen Lieferausfall + Nachfrageschwankungen
  3. Sortimentsfunktion: verschiedene Artikel bereithalten (Handel)
  4. Produktionsfunktion: Reifelager (Wein, Käse), Lagerung als Wertsteigerung
  5. Spekulationsfunktion: Vorrat in Erwartung steigender Preise

Klassische Bestellpolitiken

(s, Q)-Politik (Bestellpunkt-Bestellmenge)

Logik: Sobald Lager ≤ s → bestelle FIXE Menge Q.

Charakteristik:

  • Festes Q (oft Andler-EOQ)
  • Variable Zeit zwischen Bestellungen
  • Bestellpunkt s = (d × LT) + Sicherheitsbestand
  • Geeignet bei stetiger Überwachung
(s, S)-Politik (Bestellpunkt-Sollniveau)

Logik: Sobald Lager ≤ s → bestelle bis Sollbestand S erreicht ist (variable Menge).

Charakteristik:

  • Variable Q = S − aktueller Bestand
  • Vorteil bei sprunghaftem Verbrauch
  • Beispiel: Lager-Auffüllung im Supermarkt
(t, Q)-Politik (zeitgesteuerte Bestellrhythmus)

Logik: Alle t Tage bestelle FIXE Menge Q (z.B. wöchentliche Bestellung).

Charakteristik:

  • Festes t
  • Festes Q
  • Einfach in der Praxis, aber riskant bei Nachfrage-Schwankungen
(t, S)-Politik (zeitgesteuertes Sollniveau)

Logik: Alle t Tage bestelle bis Sollbestand S.

Charakteristik:

  • Festes t
  • Variable Q
  • Gut bei sehr regelmäßigen Lieferantenzyklen

Sicherheitsbestand-Berechnung

Idee: Schutz gegen Stochastik in der Wiederbeschaffungszeit (LT).

Bei normalverteilter Nachfrage:

SS = z · σ_(LT)

mit:

  • σ_(LT): Standardabweichung der Nachfrage während LT
  • z: Z-Wert für gewünschten Service-Grad α

Service-Grad-Tabelle:

Service-Grad αz-Wert
90 %1.28
95 %1.65
97.5 %1.96
99 %2.33
99.5 %2.58

Falls σ_d (Tagesnachfrage-Streuung) gegeben + LT konstant:

σ_(LT) = σ_d · √(LT)

(Wurzelgesetz, weil Varianzen additiv sind.)

Falls beide stochastisch:

σ_(LT) = √(LT · σ_d² + d² · σ_(LT-Zeit)²)

Lager-Kennzahlen

KennzahlFormelInterpretation
Ø-BestandQ/2 + SSDurchschnittlicher Lagerbestand
Umschlagshäufigkeit (U)Jahresbedarf / Ø-BestandWie oft pro Jahr "dreht" das Lager
Lagerdauer (T_L)365 / UWie viele Tage liegt Material im Schnitt
Lagerreichweiteaktueller Bestand / TagesbedarfWie viele Tage hält der Bestand noch
Servicegrad α (α-Grad)P(keine Fehlmenge in Zyklus)Wahrscheinlichkeit ohne Stockout
Servicegrad β (β-Grad)erfüllte Nachfrage / GesamtnachfrageFill Rate (häufiger benutzt)

Beispiel-Rechnung

Geg.: d = 100 Stück/Tag, σ_d = 20 Stück/Tag, LT = 5 Tage, gewünschter Service-Grad α = 95 % (z = 1.65).

Schritt 1: σ_(LT) = σ_d · √(LT) = 20 · √(5) ≈ 44.7

Schritt 2: SS = z · σ_(LT) = 1.65 · 44.7 ≈ 74 Stück

Schritt 3: s = d · LT + SS = 100 · 5 + 74 = 574 Stück

→ Bei Bestand ≤ 574 Bestellung Q (z.B. Andler-EOQ) auslösen.

ABC-Analyse + XYZ-Analyse

ABC-Analyse (Wertklassen)

Pareto 80/20:

  • A-Material: 20 % Anzahl, 80 % Wert → enge Kontrolle, MRP, hohe SS
  • B-Material: 30 % Anzahl, 15 % Wert → mittlere Kontrolle
  • C-Material: 50 % Anzahl, 5 % Wert → einfache Min/Max-Bestände
XYZ-Analyse (Verbrauchsverlauf)
  • X-Material: konstanter Verbrauch (gut prognostizierbar) → niedrige SS
  • Y-Material: schwankend (saisonal) → mittlere SS
  • Z-Material: stark schwankend (unregelmäßig) → hohe SS

→ AX-Material: wertvoll + planbar → optimal mit Andler + (s,Q) → CZ-Material: günstig + unregelmäßig → großzügige Sicherheitsbestände → AZ-Material: Problem (wertvoll + unregelmäßig) → genaue Marktanalyse, Vendor Managed Inventory

Vendor Managed Inventory (VMI)

Modernes Konzept: Lieferant überwacht + füllt das Lager des Kunden eigenständig.

Vorteile:

  • Kunde spart Planungsaufwand
  • Lieferant sieht Realnachfrage (kein Bullwhip-Effekt)
  • Schnellere Reaktion

Bekannt: Würth (Schraubenfächer), Coca-Cola (Supermarktregale).

Just-in-Time-Limits

Lean-Idee: SS = 0, Bestand minimal. Aber:

  • Lieferanten-Probleme legen Produktion lahm (Toyota 1997 Aisin-Brand!)
  • Pandemien zeigen Verwundbarkeit (Halbleiter-Mangel 2021)
  • → Trend zurück zu höheren SS für kritische Komponenten ("Just-in-Case")

Klausur-Faustregeln

  1. (s, Q)-Politik: fixe Menge Q, variable Zeit, Bestellpunkt s
  2. Bestellpunkt-Formel: s = (d × LT) + SS
  3. Sicherheitsbestand: SS = z × σ_LT (z aus Service-Grad-Tabelle)
  4. Wurzelgesetz: σ_LT = σ_d × √LT (bei konstantem LT)
  5. Ø-Bestand: Q/2 + SS
  6. Umschlagshäufigkeit: U = Jahresbedarf / Ø-Bestand
  7. ABC-Klassen: A streng + C einfach; XYZ-Klassen: X planbar + Z chaotisch
  8. Service-Grade: α = ohne Stockout pro Zyklus, β = Fill Rate (Σ Nachfrage erfüllt)

Stolpersteine

❌ "Hohe SS = immer gut", FALSCH. SS kostet Geld (Kapitalbindung + Lagerkosten). Balance gegen Service-Grad-Anforderung.

❌ "Wurzelgesetz σ_LT = σ_d × LT", FALSCH. σ_LT = σ_d × √LT (Wurzel, nicht linear). Klausur-Klassiker-Fehler.

❌ "α-Grad = β-Grad", FALSCH. α-Grad = Wahrscheinlichkeit OHNE Stockout pro Zyklus (Ereignis-basiert). β-Grad = Fill Rate (Mengen-basiert). α kann hoch sein, β niedrig (wenn Stockouts groß sind).

❌ "(s, Q) und (s, S) sind dasselbe", FALSCH. (s, Q) bestellt FIX Q, (s, S) bestellt bis Sollniveau S (variable Menge).

❌ "JIT = keine Lager", FALSCH. JIT minimiert Lager, aber nie 0. Kritische Sicherheitsbestände bleiben.

❌ "VMI ist nur für Lieferant gut", FALSCH. Win-Win: Kunde spart Aufwand + Lieferant sieht Realnachfrage (kein Bullwhip).

Quellen

  • Tempelmeier, H. Bestandsmanagement in Supply Chains, 6. Aufl., Books On Demand 2018. Standardwerk DACH.
  • Silver, E. A.; Pyke, D. F.; Peterson, R. Inventory Management and Production Planning and Scheduling, 3. Aufl., Wiley 1998. Englischer Klassiker.
  • Günther, H.-O.; Tempelmeier, H. Produktion und Logistik, 9. Aufl., Springer 2012. Kap. 9-10 Lagerhaltung.
  • Nahmias, S. Production and Operations Analysis, 7. Aufl., Waveland 2015. US-Standardlehrbuch.
  • Krcmar, H. Informationsmanagement, 7. Aufl., Springer Gabler 2020. VMI-Konzepte.
  • Bundesverband Materialwirtschaft (BME): ABC/XYZ-Analyse-Standards.
Teil 2·Visualisierung / Interaktiv

Interaktiv verstehen

Lagerhaltung, Sägezahn-Visualizer

Klassischer Sägezahn-Verlauf der (s, Q)-Politik mit Bestellpunkt-Linie (orange) und Sicherheitsbestand (rot). 5 Slider: Bestellmenge Q, Tagesbedarf d, Wiederbeschaffungszeit LT, Service-Grad-z-Wert, Standardabweichung σ_LT. Live-Berechnung Bestellpunkt s = (d × LT) + SS und Ø-Bestand Q/2 + SS plus Service-Grad-Tabelle.

Interaktive Visualisierung

Interaktive Komponente: probiere sie im Topic-Player oben aus.

Klausur-Tipp: Bei Bestellpolitik-Aufgaben IMMER 1) Politik wählen ((s,Q) Standard, (s,S) bei sprunghaftem Verbrauch), 2) SS = z × σ_LT mit Wurzelgesetz σ_LT = σ_d × √LT, 3) s = d × LT + SS, 4) Ø-Bestand Q/2 + SS für Lagerkosten.

Teil 3·Quiz / Klausurfragen

Praxis-Übung

Lagerhaltung, Praxis-Übung

6 Aufgaben zu (s,Q), Sicherheitsbestand und Service-Grad.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Wie lautet die Bestellpunkt-Formel s in der (s, Q)-Politik?

Antwort: s = (d × LT) + Sicherheitsbestand

Erklärung: Bestellpunkt s = Erwartete Nachfrage in der Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand = d × LT + SS. Sobald Lagerbestand auf s fällt → Bestellung Q auslösen. d × LT deckt erwartete Nachfrage, SS schützt gegen Stochastik. Klausur-Pflicht-Formel.

F2.Wie wird der Sicherheitsbestand SS bei normalverteilter Nachfrage berechnet?

Antwort: SS = z × σ_LT (z = Z-Wert für Service-Grad, σ_LT = Std-Abw in LT)

Erklärung: SS = z × σ_LT. z aus Service-Grad-Tabelle (z=1.65 für α=95%, z=1.96 für α=97.5%, z=2.33 für α=99%). σ_LT = Standardabweichung der Nachfrage in der Wiederbeschaffungszeit. Bei konstantem LT gilt Wurzelgesetz σ_LT = σ_d × √LT. Klausur-Standard-Formel.

F3.Ordne Bestellpolitik der Eigenschaft zu.

Zuordnungen:

  • (s, Q)-Politik → Bestelle FIX Q sobald Lager auf s fällt, variable Zeit
  • (s, S)-Politik → Bestelle bis Sollniveau S sobald Lager auf s, variable Menge
  • (t, Q)-Politik → Alle t Tage fest Q bestellen, einfacher Rhythmus
  • (t, S)-Politik → Alle t Tage bis Sollniveau S auffüllen, variable Menge

Erklärung: 4 klassische Bestellpolitiken nach Trigger (s = Bestellpunkt vs. t = Zeit) und Bestellgröße (Q fix vs. S Sollniveau). (s,Q) ist Standard für stetig überwachte Lager. (s,S) bei sprunghaftem Verbrauch. (t,Q) für einfache Rhythmen. (t,S) bei regelmäßigen Lieferzyklen. Klausur-Pflicht-Klassifikation.

Typ: Zuordnung

F4.Bei σ_d = 10 Stück/Tag und LT = 4 Tage konstant: Wie groß ist σ_LT (Wurzelgesetz)?

Antwort: σ_LT = 20 (= 10 × √4)

Erklärung: Wurzelgesetz: σ_LT = σ_d × √LT = 10 × √4 = 10 × 2 = 20 Stück. Begründung: Varianzen sind additiv über unabhängige Tage, σ² × LT → σ × √LT. Klausur-Standard-Fehler: lineares Skalieren mit LT (40 statt 20). Bei Service-Grad α=95% wäre SS = 1.65 × 20 = 33 Stück.

F5.Der α-Servicegrad (Zyklus-Servicegrad) und der β-Servicegrad (Fill Rate) sind dasselbe.

Antwort: Falsch

Erklärung: FALSCH. α-Grad = P(keine Fehlmenge in einem Zyklus) = Ereignis-basiert. β-Grad = erfüllte Nachfrage / Gesamtnachfrage = Mengen-basiert (Fill Rate). α kann hoch sein, β niedrig (wenn Stockouts selten aber groß). In der Praxis ist β-Grad relevanter (Kunden zählen Mengen, nicht Zyklen). Klausur-Pflicht-Unterscheidung.

Typ: Wahr/Falsch

F6.Was unterscheidet AX-Material von CZ-Material in der ABC-XYZ-Analyse?

Antwort: AX-Material: wertvoll (A) + planbar (X) → exakte MRP-Planung mit Andler. CZ-Material: günstig (C) + chaotisch (Z) → großzügige Sicherheitsbestände + einfache Min/Max-Regel

Erklärung: ABC × XYZ = 9-Felder-Matrix mit unterschiedlichen Strategien. AX = Premium (wertvoll + planbar) → Andler + (s,Q) + JIT-Tendenz. CZ = Beilage (günstig + chaotisch) → großzügig lagern, einfache Verfahren. AZ = Problem (wertvoll + chaotisch) → Vendor Managed Inventory + enge Lieferanten-Beziehung. Klausur-Vertiefungs-Frage zu modernem Bestandsmanagement.

Teil 4·Quiz / Klausurfragen

Klausur-Quiz

Lagerhaltung, Klausur-Quiz

6 Klausur-Fragen mit ABC, VMI und JIT-Limits.

Klausurfragen mit Lösungen (6)

F1.Wie wird die Umschlagshäufigkeit (U) berechnet?

Antwort: U = Jahresbedarf / Durchschnitts-Lagerbestand

Erklärung: Umschlagshäufigkeit U = Jahresbedarf / Ø-Bestand. Misst, wie oft das Lager pro Jahr 'gedreht' wird. Hohe U = effizientes Lager (wenig Kapital gebunden). Niedrige U = überladenes Lager. Lagerdauer T_L = 365 / U gibt durchschnittliche Liegezeit. Klausur-Standard-Kennzahl.

F2.Welche Funktion erfüllt der Sicherheitsbestand PRIMÄR?

Antwort: Schutz vor stochastischen Schwankungen der Nachfrage und/oder Wiederbeschaffungszeit

Erklärung: Sicherheitsbestand SS = z × σ_LT puffert gegen Unsicherheit: 1) Nachfrage-Schwankungen während LT, 2) Lieferzeit-Schwankungen (bei stochastischem LT). Höherer Service-Grad → höherer z → höherer SS. Trade-off: SS-Kosten vs. Fehlmengen-Kosten. Klausur-Pflicht-Verständnis.

F3.Vervollständige die Bestellpolitik-Formeln: Bestellpunkt s = {{1}} × LT + Sicherheitsbestand. Sicherheitsbestand SS = z × {{2}}. Bei konstantem LT: σ_LT = σ_d × √{{3}}.

Lösungen pro Lücke:

  • {{1}}: d / Tagesbedarf / Bedarf
  • {{2}}: σ_LT / sigma_LT / Standardabweichung in LT
  • {{3}}: LT / Wiederbeschaffungszeit / Lead Time

Erklärung: Klassische Formeln: s = d × LT + SS (erwartete Nachfrage + Puffer). SS = z × σ_LT (z aus Service-Grad). σ_LT = σ_d × √LT (Wurzelgesetz, weil Varianzen additiv). Beispiel: d=100, LT=5, σ_d=20, α=95% → σ_LT = 20×√5 ≈ 44.7 → SS = 1.65×44.7 ≈ 74 → s = 500 + 74 = 574. Klausur-Pflicht-Berechnung.

Typ: Lückentext

F4.Was ist Vendor Managed Inventory (VMI)?

Antwort: Lieferant überwacht + füllt das Lager des Kunden eigenständig auf, Beispiel: Würth-Schraubenfächer in der Werkstatt, Coca-Cola in Supermarktregalen

Erklärung: VMI: Lieferant trägt die Bestandsverantwortung beim Kunden. Vorteile: Kunde spart Planungsaufwand. Lieferant sieht REALNACHFRAGE (kein Bullwhip-Effekt durch verzerrte Bestellsignale). Schnellere Reaktion. Standard-Beispiele: Würth (Schrauben in offenen Fächern), Coca-Cola (Supermarktregale), P&G-Walmart-Pioneer. Klausur-Top-Konzept für moderne Supply Chain.

F5.Just-in-Time (JIT) zielt auf Sicherheitsbestand = 0, aber in der Praxis bleiben kritische Sicherheitsbestände wegen Liefer-Risiken (Halbleiter-Mangel 2021, Aisin-Brand bei Toyota 1997).

Antwort: Wahr

Erklärung: RICHTIG. JIT-Ideal: minimaler Bestand, Pull-Prinzip. Praxis-Limits zeigen Verwundbarkeit: Aisin-Brand 1997 (Toyotas Bremsenproduktion stand 5 Tage still), Halbleiter-Mangel 2021 (Auto-Industrie weltweit getroffen), Suez-Blockade Ever Given 2021. → Trend zurück zu 'Just-in-Case' für kritische Komponenten. Reshoring-Diskussion + Multi-Sourcing-Strategien. Klausur-Aktualität.

Typ: Wahr/Falsch

F6.Welche Material-Kategorie eignet sich am wenigsten für strikte Just-in-Time-Anlieferung?

Antwort: AZ-Material (wertvoll + chaotisch)

Erklärung: AZ-Material (wertvoll + chaotischer Verbrauch) ist am unverträglichsten mit JIT, weil: 1) Stockout-Kosten hoch (A-Wert), 2) schlecht prognostizierbar (Z), 3) braucht großzügige Sicherheitsbestände. Empfehlung: Vendor Managed Inventory + enge Lieferanten-Beziehung + Multi-Sourcing. AX dagegen ist JIT-tauglich (planbar). CY+CZ können gut mit hohen SS leben (günstig). Klausur-Strategie-Frage.

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